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Bloggerin Merle Primke berichtet für das Bauernblatt über Wohnideen auf dem Land. Foto: soulpicture
Fotos: Merle Primke

Verrückte Kreativkonstrukte

Mit ihren drei Kindern, ihrem Mann und Mischlingsrüde Bibo lebt Künstlerin Fiona Sevenheck in einem Bauernhaus von 1811, hinter dessen idyllischer Fassade sich viel Kurioses verbirgt. "Als mein Mann und ich hier vor über 20 Jahren einzogen, war das Haus ein einziger Schrotthaufen. Es gab nur Kaltwasser, alles war zugerümpelt, und statt Reet befand sich auf dem Dach unansehnliches Wellblech. Damals waren wir gerade Anfang 20. Da ich schon immer sehr sparsam gelebt und für Dinge, die andere wegwerfen, eine neue Verwendung gefunden habe, ist das meiste hier selbst gemacht", erzählt die 47-Jährige.

Mit dem Haus fand die quirlige Blondine genug Arbeits- und Staufläche, um sich kreativ austoben zu können. Sie selber würde sich irgendwo zwischen Handwerkerin und Künstlerin einordnen. "Ich liebe alles, was mit Kreativität zu tun hat. Besonders die Dinge, die man nicht kaufen kann. Unikate haben es mir seit meiner Kindheit angetan. So viele Menschen sind heutzutage auf Konsum fixiert. Ich erlebe kaum Leute, die sich selbst verkörpern – mit dem, was sie tragen oder wie sie sich einrichten. Das möchte ich mit meiner Arbeit ändern. Daher nehme ich auch viele individuelle Auftragsarbeiten an."

Fiona Sevenheck sagt von sich selbst, dass sie niemals wirklich ruhig sitzen kann. Immerzu hat sie neue Ideen für Kreativprojekte, die sie durch das Werkeln mit Lederresten, Stoffen oder Hölzern rauslassen muss. Dafür sitzt sie dann, bewaffnet mit ihrem "Kreativhut", in ihrer kleinen Werkstatt unter dem Dach. Die Utensilien für ihre Arbeit findet sie meistens auf dem Sperrmüll oder über Haushaltsauflösungen. Aber auch Freunde und Bekannte bringen ihr regelmäßig die Dinge vorbei, die sie eigentlich auf dem Müll werfen würden. Muffige Pelzmäntel, löchrige Taschen oder vergilbte Handtücher.

Manchmal sind aber auch größere Besonderheiten, wie beispielsweise ein Klavier, mit dabei. "Ich habe den Menschen in meiner Umgebung schon immer gerne und viel gegeben, das kommt durch solche Gesten wieder auf mich zurück", so Fiona Sevenheck. Ich brauche mich zu meiner Arbeit nie zu motivieren - der Antrieb ist einfach da. Was andere in einem Jahr schaffen, erledige ich in einer Woche", sagt sie und lächelt dabei. "Aber manchmal merke ich auch, wie es an meine Kräfte geht. Dann muss ich auf meinen Körper hören und versuchen, mir etwas Ruhe zu gönnen."

Die Ideen für ihre Projekte fliegen ihr aber nicht immer ohne Weiteres zu. Oft lässt sie sich auch von anderen, bereits bestehenden Arbeiten inspirieren. Nachmachen würde sie aber niemals - sie bedient sich nur gerne an positiven Dingen und wandelt diese dann auf ihre ganz eigene Art und Weise um. "Ich bin ein Fan von Kombinieren und Querdenken. Den Tatort löse ich meistens als Erste." Zuletzt bezog sie einen 1950er-Jahre-Servierwagen mit dem Innenfutter einer ausgedienten Jacke. Genauso Klappstühle aus demselben Jahrzehnt mit dem Frotteestoff alter Handtücher oder dem Schlangenleder einer Tasche. "Meist stehen diese Sachen jahrelang ungenutzt im Keller, bis ich ihnen eine neue Verwendung gebe. Dieser nachhaltige Lebensstil macht mich sehr glücklich. Ich besitze fast nur Dinge, die ich aus zweiter oder dritter Hand habe."

Seit vorigem Jahr im Dezember verkauft Fiona Sevenheck ihre Werke in verschiedenen Geschäften in Schleswig-Holstein.

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