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...Birgit Draschba

Das Wohn- und Esszimmer mit seinen warmen Farben ist für Birgit Draschba der perfekte Platz zum Lesen und Plattdeutsch Lernen. Foto: Jennifer Ruske

"Landfrauen und Bauernblatt – Hand in Hand" unter diesem Motto hatte die Redaktion im Mai 2015 alle Ortsvorsitzenden des LandFrauenverbandes gefragt, ob sie eine Vereinskollegin mit einem außergewöhnlichen Hobby oder einem spannenden Beruf kennen. Die Resonanz darauf ist enorm. In der Serie "Auf einen Schnack mit ..." werden wir nun in loser Folge die unterschiedlichsten Landfrauen vorstellen, die alle auf ihre Weise eine spannende Geschichte zu erzählen haben.

Von der Meer- zur Landfrau

"Du bist bei den LandFrauen? Das kann ich ja kaum glauben!" Diesen verwunderten Ausspruch hört Birgit Draschba oft, wenn sie mit alten Freunden spricht. "Ich kann es ihnen nicht verdenken", lacht die 68-Jährige. Denn zu gegensätzlich erschien anfangs auch der früheren Softwareentwicklerin das so bodenständig wirkende Leben der LandFrauen. "Aber ich habe mich eines Besseren belehren lassen", sagt die Heikendorferin. Heute ist sie LandFrau aus Überzeugung – "und sehr glücklich damit".

"Als ich 2014 in Rente ging, bin ich mit meinem Mann Arno nach Heikendorf gezogen", erzählt sie. 22 Jahre lang hatte das Paar im Weserbergland gelebt und dort ein Bildungs- und Veranstaltungszentrum geleitet. "Das war eine schöne Zeit. Aber ich wollte wieder zurück ans Meer, wollte die Weite sehen und Möwen hören", erinnert sich die Norddeutsche. Zwar ist Birgit Draschba als gebürtiger Hamburgerin mit Verwandtschaft in Kiel und Umgebung die Region um die Förde nicht fremd. Doch in Heikendorf kannte sie kaum eine Menschenseele. Also marschierte sie zum Sportverein und suchte auch anderweitige Gelegenheiten, Menschen kennenzulernen. "Ich bin ein kontaktfreudiger Mensch, das fällt mir nicht schwer."

Nur bei den LandFrauen war sie skeptisch. Denn eigentlich sei sie nach Heikendorf gekommen, um eine Strand- und Meerfrau zu werden. "Außerdem bin ich seit 35 Jahren Vegetarierin und war mir nicht sicher, ob das so klappt, wenn ich Landwirtinnen gegenübersitze, die Tiere halten und schlachten. Ich wollte mich nicht ständig erklären oder rechtfertigen müssen", sagt sie. "Aber ich hatte nichts zu verlieren, also bin ich mal hingegangen." Seitdem schwärmt Birgit Draschba von der tollen Gemeinschaft, den bodenständigen, lebensbejahenden und dabei doch überaus modernen Menschen, die sie voll und ganz akzeptiert und sofort freundlich aufgenommen haben.

"Das tut richtig gut, so viele nette Kontakte zu haben und zu pflegen", freut sich die dunkelhaarige, zierliche Frau mit dem sympathischen Lächeln. In seinem Berufsleben hatte das Ehepaar Draschba so viel zu tun, dass die Kontakte sich eher auf die Gruppen beschränkten, die in dem Bildungszentrum ihre Kurse abhielten. Denn: "Wenn wir etwas machen, dann machen wir es mit Herzblut und mit 150 Prozent Einsatz", erzählt die Heikendorferin. Ein Grund mehr für sie, sich mit dem Renteneintritt ganz gezielt zurückzunehmen, sich ihre Auszeit zu gönnen und am Wasser Energie zu tanken. "Das tut mir jetzt einfach gut. Ich arbeite immerhin schon, seitdem ich 15 Jahre alt bin."

In Hamburg hatte das jüngste von vier Kindern Sportartikelkauffrau gelernt. "Ich wollte immer was mit Menschen machen. Im Büro mit Akten zu sitzen, das ist nichts für mich. Ich bin ein freiheitsliebender Mensch, schon immer gewesen", erzählt sie. Vom Sportgeschäft wechselte sie in die Sachbearbeitung einer anderen Firma und landete in den 1980er Jahren in der Computerabteilung. "Ich habe in der Firma ein Rechenzentrum mit eingerichtet, Software entwickelt und programmiert und deutschlandweit Schulungen abgehalten."

Mit 35 Jahren stand sie karrieretechnisch ganz oben auf der Leiter, war Geschäftsführerin einer Firma und erfolgreich – aber nicht wirklich glücklich. "Ich habe mich gefragt, ob ich mein Leben wirklich mag, so wie es ist." Weil die Antwort eindeutig Nein war, hat sie alles hingeschmissen. Den Job gekündigt, die Wohnung aufgegeben, die Möbel verkauft. Mit einer Freundin ist sie für ein Jahr nach Kanada ausgewandert, hat das Land bereist und wirklich jeden Job angenommen. Egal ob Babysitten oder morgens um 4 Uhr auf einer Apfelfarm Bäume pflegen. "Alles aufzugeben und bei null anzufangen war eine tolle Erfahrung. Ich weiß jetzt, ich kann vieles schaffen."

Wieder zurück in Deutschland hat Birgit Draschba auch privat ihr Glück gefunden. "Ich habe meinen Mann Arno kennengelernt und gewusst, das ist er." Ihm ging es genauso. Ein Vierteljahr später hat das Paar geheiratet. Gemeinsam haben die beiden ("wir können uns blind aufeinander verlassen") das Bildungszentrum geleitet, bis sie sich 2014 noch einmal für einen Neuanfang in Heikendorf entschieden. "Das war genau das Richtige", findet Birgit Draschba heute und ergänzt: "Ich bin angekommen." Bei sich selbst, bei ihren familiären Wurzeln und nicht zuletzt am Meer, das ihr Großvater, Vater und Bruder – alle Seefahrer – so schätzen. Und schlussendlich stellte Birgit Draschba für sich fest, dass sie trotz aller Freiheitsliebe doch sehr norddeutsch-bodenständig ist. Ganz LandFrau eben. Jennifer Ruske

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