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09.04.2010 -  

Milchmarktbericht: EU-Kommission spricht von Zeichen der Erholung

Bild - Milchmarktbericht: EU-Kommission spricht von Zeichen der Erholung

Ciolos sieht „gewisse Stabilität“
Für Produkte mit hohem Mehrwert – zum Beispiel Käse – bleiben die Aussichten  mittelfristig günstig, sagen die Experten der Europäischen Kommission bei ihrem Ausblick auf die Märkte. Foto: Elke Salzer/pixelio

Die Europäische Kommission sieht weiterhin Zeichen der Erholung am Milchmarkt. EU-Agrarkommissar Dr. Dacian  Ciolos  sprach beim Treffen der Landwirtschaftsminister am Montag voriger   Woche anlässlich der Vorstellung des vierteljährlichen Milchmarktberichts von einer „gewissen Stabilität“, die sich mittlerweile eingestellt habe. Die Preisschwankungen bewegten sich in einem normalen Bereich. Allerdings werde es noch einige Zeit dauern, bis sich der Milchsektor von der jüngsten Krise erholt habe. 
Ciolos’ Präsentation wurde von den EU-Agrarministern schweigend zur Kenntnis genommen: Ungewöhnlicherweise ergriff keine Delegation das Wort, um auf den Bericht zu reagieren. Der französische Landwirtschaftsminister Bruno Le  Maire  warnte jedoch vor Journalisten, die Situation am Milchmarkt zu optimistisch einzuschätzen. Dieser Befund wird vom CSU-Europapolitiker Markus  Ferber  geteilt. Die leichte Erholung der Milchpreise ändere nichts daran, dass die Lage für viele Familienbetriebe nach wie vor unsicher sei, betonte dieser in Reaktion auf den Milchbericht. Er bekräftigte die deutsche Kritik an der Ausweitung der Milchquote und nannte den Beschluss falsch. Dadurch könne der Preis in Zukunft wieder nach unten gedrückt werden, so Ferber.
Bereits am vorvorigen Freitag präsentierte Martin  van  Driel, der Milchexperte im Kabinett der ehemaligen Agrarkommissarin Mariann  Fischer  Boel, auf der Konferenz „Welche Zukunft für die Milch?“ Schätzungen, wonach 2009/10 lediglich Dänemark und die Niederlande ihre jeweilige nationale Quote überliefern dürften. Deutschland, Österreich, Belgien, Polen, Luxemburg und Zypern waren zuletzt nahe am Limit. Eine immer größere Anzahl der Mitgliedstaaten schöpft laut Kommission die Quote nicht vollständig aus.

Geringere Anlieferung
Wie aus dem Milchbericht hervorgeht, stieg der durchschnittliche EU-Rohmilchpreis von Mai bis November 2009 um annähernd 4  auf 28,38 ct/l. Ein erneuter Rückgang im Dezember um knapp 0,1 ct/l wird auf übliche saisonale Umstände zurückgeführt. Erste Schätzungen für Januar 2010 bestätigen laut Kommission dieses Niveau, während die Rohstoffpreise der Hauptmilchprodukte weit über der Interventionsschwelle lagen. Die EU-Anlieferungen endeten im Kalenderjahr 2009 mit 133,367 Mio. t um 0,6 % unter dem Vorjahreswert – und dies „trotz der einprozentigen Quotenanhebung für das Milchwirtschaftsjahr 2009/10“.

Acht im Plus
Dabei stand eine Ausdehnung der Milchproduktion im ersten Halbjahr, teilweise aufgrund sehr guter Weidebedingungen, einer im Mittel geschrumpften Erzeugung während der Monate Juli bis Dezember gegenüber. Allerdings gab es 2009 unter dem Strich in insgesamt acht Mitgliedstaaten ein Produktionsplus, darunter in Deutschland und Österreich.
Laut Kommissionsstatistik wurden in der Bundesrepublik 2009 insgesamt 28,248 Mio. t Rohmilch angeliefert, 2,8 % mehr als 2008. Gleichzeitig wurde in Österreich ein Plus von 0,1 % auf 2,709 Mio. t registriert. Im bisherigen Verlauf des Quotenjahres wiederum wurden von April 2009 bis Januar 2010 EU-weit schätzungsweise 109,58 Mio. t Rohmilch angeliefert, knapp 0,4 % weniger als im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Dabei rechnete die Kommission für den Januar nur mit Zahlen von 15 Mitgliedstaaten.

Weniger Betriebe
Der Kommissionsbeamte  ging davon aus, dass voraussichtlich selbst Italien 2009/10 unter der Obergrenze bleibt. Damit müsste Rom erstmals seit Einführung des Milchquotensystems 1984 keine Superabgabe zahlen. Landwirtschaftsminister Luca  Zaia hatte bei den Health-Check-Verhandlungen durchgesetzt, dass Italien die vorgesehene stufenweise Milchquotenerhöhung um jährlich 1 % bis 2013/14 bereits 2009/10 auf einen Rutsch einführen durfte.
 Van Driel betonte, dass der Wert der Milchquoten – wie gewünscht – in zahlreichen EU-Mitgliedstaaten gesunken sei. Die EU-Milchproduktion werde mehr und mehr von den Landwirten selbst, nicht vom Quotenniveau bestimmt, so der Kommissionsbeamte, der sich mittlerweile eigentlich mit Agrarfragen im Bereich EU-Erweiterung beschäftigt.
 Die Marktorientierung habe zugenommen, während entscheidende Marktinstrumente verblieben seien. Der Umstrukturierungsprozess werde weitergehen. Für die Zukunft wünsche man sich einen widerstandsfähigen Milchsektor; das habe jedoch nichts mit der Betriebsgröße zu tun.
Auf die Frage eines Landwirts, ob die Kommission die Abnahme der Zahl von EU-Milcherzeugern um 500.000 während eines einzigen Jahres als „weiche Landung“ bezeichne, konterte van Driel, das sei keine neue Entwicklung: Die Zahl der Betriebe sei in der Vergangenheit trotz des Quotensystems geschrumpft. Gegenüber dem Stand von 1984 seien nur noch 20 % der Milcherzeuger verblieben.

Günstige Aussichten

Van Driels Kollege Pierluigi  Londero  sah in einem Ausblick auf die weitere Marktentwicklung mittelfristig günstige Aussichten für Produkte mit hohem Mehrwert, insbesondere Käse. Das brachte er in Zusammenhang mit der wieder anziehenden Gesamtwirtschaft, was der heimischen Nachfrage Auftrieb geben dürfte. Der Einbruch im vergangenen Jahr sei vor allem der Wirtschaftskrise geschuldet gewesen. Das bedeute allerdings umgekehrt in Wachstumszeiten auch eine rasche Erholung des Marktes. Der 2009 erfolgte Nachfragerückgang wird von Londero und Van Driel auf etwa 2 % der EU-Milchproduktion geschätzt – bezogen auf die Milchäquivalente, die durch die Maßnahmen der Kommission vom Markt genommen wurden. Für Milchfett geht Londero von einem ausgeglichenen Markt aus, während die Nachfrage nach Milcheiweiß in Form von Pulver begrenzt bleiben dürfte.
Einschränkend fügte der Italiener hinzu, dass die Milchinterventionsbestände aus dem vergangenen Jahr den Markt weiter belasteten. Sie dürften die Preiserholung insbesondere für Proteinrohstoffe verzögern und größere Anstiege der Erzeugerpreise beschränken. b


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