Bauernblatt Schleswig-Holstein
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26.01.2010 -
Internationales Forum für Ernährung und Landwirtschaft
Im Schulterschluss gegen Welthunger und Klimawandel – die Agrarminister vor dem Brandenburger Tor. Foto: Ralph Judisch
Neue Konzepte gefordert – doch woher kommt das Geld?
Die 75. Grüne Woche wurde maßgeblich vom dreitägigen „Global Forum for Food and Agriculture“ geprägt. Politiker, Wirtschaftsfachleute und Wissenschaftler aus aller Herren Länder nahmen daran teil. Klimawandel und Ernährungssicherung standen im Mittelpunkt des internationalen Agrarministerpodiums am vergangenen Sonnabend.Die wichtigste Botschaft brachte Alexander Müller, stellvertretender Generaldirektor der Welternährungsorganisation FAO, gleich zu Beginn auf den Punkt: „Wir können die Welternährung nicht sichern, wenn wir nicht den Klimawandel in den Griff bekommen. Und wir bekommen den Klimawandel nicht in den Griff, wenn wir nicht global eine effiziente und nachhaltige Landwirtschaft sichern.“
Jeder Siebte hungert
Nach Schätzungen der Vereinten Nationen werde die Weltbevölkerung bis 2050 um nahezu drei auf neun Milliarden Menschen wachsen. Es würden dann weitaus mehr Menschen in Städten – nämlich 80 % – als auf dem Land leben. Das habe erhebliche Konsequenzen für die Nahrungsmittelproduktion. Schon heute leide jeder siebte Mensch an Hunger und Armut, eine Milliarde habe nicht genug zu essen.
Der Klimawandel habe stark negative Auswirkungen auf die Landwirtschaft, so durch Wüstenbildung, Wassermangel, Verlust von genetischen Ressourcen und die Zunahme von extremen Wetterereignissen wie Dürre, Sturm und Hochwasser.
Gerade in den besonders betroffenen Regionen auf der Südhalbkugel seien zum Beispiel viele Getreidearten nicht mehr für die steigenden Temperaturen geeignet. Besorgniserregend sei auch eine Reihe von Tier- und Pflanzenkrankheiten, die vor allem den Bauern in Afrika und Asien vermehrt zu schaffen machten, sich aber immer stärker auch auf den Norden ausbreiteten.
Politik muss handeln
Müller forderte die Politik auf, mithilfe geeigneter Maßnahmen gegenzusteuern. Die regionalen Klimata müssten analysiert und Anpassungsstrategien für die Bauern entwickelt werden. Es gehe zudem um Hilfe bei Ausbildung, Anbauplanung, Management und bei der Schaffung von Bewässerungssystemen sowie – was die Minderung von Treibhausgasemissionen betrifft – anbautechnische Lösungen, um Kohlenstoff im Boden zu binden.
Zwingend nach Müller sei, dass der landwirtschaftliche Sachverstand stärker als bisher in die Welternährungs- und Klimadebatte einbezogen werde. Und dringend nötig seien „neue Finanzierungsmodelle“, um all das umsetzen zu können.
Probleme als Einheit sehenAuch nach Ansicht von Bundesagrarministerin Ilse Aigner ist es wichtig, künftig die Bereiche Welternährung und Klimawandel als Einheit zu betrachten und beherzt an die Lösung der Probleme zu gehen. Hierbei könne die Landwirtschaft maßgeblich mitwirken. Sie sei Täter und Opfer zugleich. Ein erster entscheidender Schritt in die richtige Richtung sei der Berliner Agrarministergipfel (siehe nebenstehenden Beitrag und Foto unten).
Die russische Landwirtschaftsministerin Jelena Skrinnik unterstrich ebenfalls die weltweite Bedeutung des Problems. In ihrem Land gebe es bereits erste regionale Vorhaben, mit deren Hilfe es gelungen sei, die Treibhausgasemissionen um etwa ein Drittel zu verringern. Verschiedene Branchen seien eingebunden, um Klima- und Ressourcen schonende Produktionsverfahren zu entwickeln und anzuwenden. „Das ist der richtige Ansatz.“ Ähnliches berichtete Laurent Sédego aus Burkina Faso, wo die Verschlechterung der Böden zwar mittlerweile gezielt bekämpft werde, man dabei aber noch viel vor sich habe.
Gerda Verburg bestätigte, dass es schon allerhand Wissen und gute Beispiele für die Lösung der Probleme gebe. „Nun müssen Regierungen und die Privatwirtschaft die Führungsrolle übernehmen, sowohl in den Industrie- als auch in den Schwellen- und Entwicklungsländern“, betonte die niederländische Landwirtschaftsministerin. Hierbei werde auch China seinen Beitrag leisten, versicherte Vizeagrarminister Dun Niu und rief „alle Länder zu Konsens“ auf. Nach seiner Meinung habe sich China schon in Kopenhagen beim jüngst gescheiterten Weltklimagipfel „verantwortungsbewusst verhalten“.
Einen weiteren Aspekt brachte Jurij Melnik ins Spiel: die Erneuerbaren Energien. Der Ukrainer ist der Auffassung, dass sich die Landwirtschaft angesichts der knapper und teurer werdenden fossilen Energieressourcen sowie zur Schonung des Klimas in diesem Bereich weltweit noch stärker engagieren sollte.
Konstruktiv einbringen
Der Präsident des Weltbauernverbandes, Ajay Vashee aus Sambia, sagte, „wenn das Thema in seiner vielschichtigen Gesamtheit richtig angepackt wird, haben wir eine Win-win-Situation für alle“. Er forderte von Politik, Wirtschaft, Landwirtschaft und Umweltschützern, sich konstruktiv einzubringen. Nötig seien unter anderem mehr Forschung, Technologietransfer und finanzielle Mittel. Vashee: „Der beste Weg, den Klimawandel zu bekämpfen, ist es, in eine nachhaltige Landwirtschaft zu investieren.Ralph Judisch





