Bauernblatt Schleswig-Holstein
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24.07.2009 -
Neues Kooperationskonzept der Meiereien - Schleswig-Holstein Milch eG vor dem Start
Claus-Peter Witt (li.), Dr. Burkhard Otto und Godber Carstensen stellen das Konzept der Schleswig-Holstein Milch eG vor. Foto: Sönke Hauschild
14 Meiereien gibt es in Schleswig-Holstein, und das soll auch so bleiben. Das machte der Sprecher der Meiereigenossenschaften in Schleswig-Holstein, Godber Carstensen, am Donnerstag voriger Woche deutlich. Doch will man gemeinsam die Handlungsfähigkeit der genossenschaftlichen Meiereiunternehmen in Schleswig-Holstein stärken. Ziel sind höhere Milchpreise für die Milcherzeuger.Auf der Meiereiversammlung des Genossenschaftsverbandes in der Rendsburger Geschäftstelle sprachen sich die Vorstands- und Aufsichtsratsvorsitzenden sowie die Geschäftsführer der Meiereigenossenschaften am vorigen Freitag für die Gründung einer neuen „Schleswig-Holstein Milch eG“. Das Unternehmen könnte nach derzeitigem Planungsstand im Herbst gegründet werden und bereits zum 1. Januar 2010 das operative Geschäft aufnehmen. Die endgültige Entscheidung muss nun von den Gremien der Meiereigenossenschaften abgesegnet werden. Ziel der Schleswig-Holstein Milch eG soll die Bündelung des Rohstoffs durch langfristige und verbindliche Lieferverträge zwischen den Meiereien und der Schleswig-Holstein Milch eG sein. Über die Schleswig-Holstein Milch eG sollen so freie Verarbeitungskapazitäten in Meiereien mit freien Milchmengen aus anderen Meiereien im Werklohnverfahren ausgeglichen werden. Diese Koordinierung haben bisher die Milchhändler übernommen. Dr. Burkhard Otto, Abteilungsleiter Milchwirtschaft im Genossenschaftsverband erklärt, dass man den privaten Milchhandel damit so weit wie möglich ausschließen möchte. Damit soll ein „erster Schritt zu besseren Milchauszahlungspreisen“ gemacht werden. Otto erhofft sich weiterhin geringere Logistikkosten, weil sich „die Tankwagen in den Dörfern nicht mehr die Spiegel abfahren“, sowie eine bessere Auslastung der vorhandenen freien Verarbeitungskapazitäten und damit eine Reduktion der Fixkosten in den Meiereien. Die Vermarktung der Produkte wolle man dagegen „nicht neu erfinden“, sondern in den bewährten Händen belassen. Carstensen betont die hohe vertragliche Verbindlichkeit der Kooperation in der Milch eG. Der Milchfluss werde über klare Milchlieferverträge einerseits und Werklohnverträge andererseits geregelt. Angesichts der Vielfalt innerhalb der Meiereien bezeichnete Otto die Rechtsform einer eingetragenen Genossenschaft als „bewusst gewählt“. Denn hier gelte „ein Mann, eine Stimme“. Bis Anfang September erwartet Sprecher Carstensen nun eine Rückmeldung aus den Gremien der Meiereien, bis Ende September könnte die Gründungsversammlung abgehalten werden. Zum 1. Januar 2010 könnte die Schleswig-Holstein Milch eG ihre Geschäftstätigkeit aufnehmen. Wie Carstensen betonte, eröffne auch die Milch eG nur eine kleine Möglichkeit zur Verbesserung der Erzeugerpreise. Insgesamt aber werde man aus der Krise stärker hervorgehen. Bauernverband und Landwirtschaftsministerium wurden über die neue Struktur informiert und äußerten sich positiv. Eine Kooperation sei die richtige Antwort auf die Frage, wie der Milchstandort Schleswig-Holstein gesichert werden kann. So könne der Machtlosigkeit der Landwirte am Markt begegnet und zugleich die Marge für die Erzeuger erhöht werden. Der Bundesverband Deutscher Milcherzeuger (BDM) hatte ein Informationsangebot über das Zukunftskonzept ausgeschlagen und stattdessen vor der Geschäftstelle für eine Quotenkürzung demonstriert. In einem Schreiben begrüßt der BDM die Anstrengungen des Genossenschaftsverbandes, hält sie aber für nicht zielführend. Deutlich gemacht wurde auch, dass dieses Konzept nur funktioniert, wenn Milch liefernde und Milch aufnehmende Meiereien in der Milch eG zusammenfinden. Vor diesem Hintergrund erläutert Claus-Peter Witt, Vorsitzender des Fachausschusses Milch im Genossenschaftsverband, das Kooperationsangebot an die nordfriesische Meierei Viöl. Dieses Angebot der schleswig-holsteinischen Meiereien wurde vor dem Hintergrund gemacht, dass Viöl beabsichtigt, mit dem international tätigen Milchhändler Apollo ein Trockenwerk mit einer Verarbeitungskapazität von zirka 300 Mio. Kilogramm Milch zu errichten. Dieses Vorhaben würde negativ auf die geplante verbindliche Zusammenarbeit der Meiereigenossenschaften in Schleswig-Holstein wirken. Daher haben sich in einem ersten Schritt vier Unternehmen zusammengetan und der Meierei Viöl ein kurzfristiges Kooperationsangebot gemacht. Neben der Meiereigenossenschaft Barmstedt aus Schleswig-Holstein sind es die Nordmilch und die Uelzena aus Niedersachsen sowie die Hansa-Milch aus Mecklenburg-Vorpommern. Das Kooperationsangebot umfasst die Gründung einer Betreibergesellschaft, die den Produktionsbetrieb Viöl übernimmt. Die Meierei Viöl würde als fünfter gleichberechtigter Partner der Betreibergesellschaft in eine Milchliefergenossenschaft umgewandelt. Ziel, so machte Witt deutlich, sei ein stabiler Milchpreis für die Viöler Milchlieferanten durch eine breitere Verwertung der Milch. Nach einer Übergangszeit könnte in einem zweiten Schritt die Betreibergesellschaft in das Gesamtkonzept der Schleswig-Holstein Milch eG einfließen. Als Vorteil für Viöl stellte Otto dar, dass „die Mitglieder kein Geld in die Hand nehmen müssen, aber in der Verwertung auf Augenhöhe mit den anderen Meiereien stehen“.Carstensen zeigte sich optimistisch, dass die Gremien der Meiereien ihre Zustimmung zu dem Konzept geben. Otto sprach von einem Modell für die Zukunft, das den Strukturwandel in der Meiereiwirtschaft flexibel begleiten könne. Am Ende des Weges könnten schlagkräftige und wettbewerbsfähige Produktionseinheiten in Schleswig-Holstein stehen. Otto wies auf die Potenzialanalyse hin, die das Kieler ife-Forschungsinstitut im Auftrag des Landes erstellt habe. Demnach werde die Milcherzeugung in Schleswig-Holstein bis zum Jahr 2020 kräftig anwachsen. Mit einer solchen Struktur biete man auch der zu erwartenden steigenden Milcherzeugung im Lande einen aufnahmefähigen Rahmen. Nun liegt die Entscheidung in den Händen der Genossen der 14 Meiereien in Schleswig-Holstein. „Ob es gelingt, werden uns die Landwirte sagen“, gab Witt die Verantwortung für die Zukunft der Meiereiwirtschaft zurück in die Hände der Landwirte.Sönke Hauschildsoenke.hauschild@bauernverbandsh.deTelefon 04331-1277-27





