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20.03.2009 -  

Sonnleitner fordert von EU-Agrarkommissarin Fischer Boel und Bundeslandwirtschaftsministerin Aigner: Die Milchbauern politisch unterstützen – Exporte ankurbeln

Bild - Sonnleitner fordert von EU-Agrarkommissarin Fischer Boel und Bundeslandwirtschaftsministerin Aigner: Die Milchbauern politisch unterstützen – Exporte ankurbeln

Forderungen zur weiteren politischen Unterstützung der Milchbauern werden immer lauter. Foto: DeLaval

Die angespannte Situation auf dem Milchmarkt lässt Forderungen nach weiterer politischer Unterstützung für die Milcherzeuger immer lauter werden. Der Präsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV), Gerd Sonnleitner, verlangte vorige Woche in Schreiben an EU-Agrarkommissarin Mariann Fischer Boel und Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner eine deutliche Erhöhung der Exporterstattungen für Milcherzeugnisse.

Zudem müsse das Ausschreibungsverfahren für Butter und möglicherweise auch Magermilchpulver so gestaltet werden, dass es zu keinem weiteren Marktdruck komme. Schließlich müssten die zum 30. Juni 2009 auslaufenden Beihilfen beispielsweise für Milchaustauscher und Bäckerbutter wieder aktiviert und für mindestens ein Jahr weiter gewährt werden. Sonnleitner appellierte an die beiden Politikerinnen, sich auf dem März-Agrarrat nachhaltig für die Interessen der deutschen und europäischen Milchbauern einzusetzen. Auch die Lebensmittelindustrie forderte der DBV in der vorigen Woche auf, einen Beitrag zur Verbesserung der Lage auf dem Milchmarkt zu leisten. Es sei nicht hinzunehmen, so der Bauernverband in einer Presseverlautbarung, dass gerade in dieser angespannten Situation Lebensmittelunternehmen in einem beträchtlichen Ausmaß Milchfett durch Pflanzenfette und -öle austauschten.

Unterdessen beschloss das bayerische Kabinett, 31 Mio. Euro aus dem Landeshaushalt für die Gewährung einer Milchkuhprämie von 25 Euro pro Tier bereitzustellen. Sachsen-Anhalt kündigte an, zur Unterstützung der Milchviehbetriebe die Ausgleichszulage von 3 Mio. Euro auf 9 Mio. Euro im Jahr anzuheben.

Absatzrückgänge als Hauptursachen

Sonnleitner bezeichnete die Entwicklung auf dem deutschen und europäischen Milchmarkt als katastrophal. Eine solch dramatische und bisher nie dagewesene Situation verlange nach schnellen und unkonventionellen Lösungen. Bei der Jahreshauptversammlung des Kreisbauernverbandes Fulda-Hünfeld warnte der DBV-Präsident zugleich vor einfachen Erklärungsmustern. „Was wir jetzt mit Mengenproblem beschreiben, ist aber keine Folge einer Überproduktion, sondern die Folge eines deutlichen Absatzrückgangs beim Binnenkonsum, der Ernährungsindustrie und im Export“, erklärte Sonnleitner und wies darauf hin, dass die Milchanlieferung in Deutschland und in Europa im vergangenen Jahr sogar zurückgegangen sei. Um so wichtiger seien jetzt umgehend Maßnahmen, die zu einer Marktentlastung führten.

EU-Exporterstattungen seien allein dadurch gerechtfertigt, weil sie nicht Ursache, sondern eine Folge der weltweit abstürzenden Preise seien. Keinesfalls dürften die von der Kommission vorgesehenen Ausschreibungsverfahren für Butter und Magermilchpulver den Preisdruck erhöhen. Zudem müsse Brüssel den direkten Marktabsatz durch die sofortige Wiederzulassung von Beihilfen fördern.

Schulmilchprogramm ohne Zeitverzug umsetzen

Schließlich gehöre auch eine effiziente, schnelle und vor allem auch umsetzbare Schulmilchkampagne zu den absatzfördernden Maßnahmen. Das Schulmilchprogramm müsse ohne Zeitverzug und ohne großen bürokratischen Aufwand in allen Mitgliedstaaten umgesetzt werden. Erneut machte der DBV-Präsident auf den Handlungsbedarf in der Milchverarbeitung aufmerksam. Mittlerweile sei unstrittig, dass eine Anpassung der Molkereistrukturen zu einer Steigung der Effizienz, der Senkung der Kosten und einer besseren Marktposition führen könne. Nach wie vor gebe es zu wenige Betriebe, „die ,Lidl- und Aldi-fest’ sind“. Deshalb dränge der DBV die Molkereiwirtschaft zum Handeln, versicherte Sonnleitner.

Die Lebensmittelindustrie sieht der Bauernverband in der Pflicht, ihre Praktiken zu überdenken. So werde bei verschiedenen Arten von Brotaufstrichen Milch durch Pflanzenöl ersetzt. Gleichzeitig griffen Pizzahersteller auf ein pflanzliches Käse-Imitat, den so genannten Analogkäse, zurück. „Dies ist nicht nur eine zusätzliche Belastung des Marktes, sondern auch eine Täuschung der Verbraucher“, stellte DBV-Milchpräsident Udo Folgart fest. Die Lebensmittelindustrie sei daher aufgerufen, den Produktcharakter herkömmlicher Lebensmittel nicht weiter zu verfälschen und Innovationen in der Herstellung auch als solche eindeutig kenntlich zu machen. Hingegen werde ein Verweis auf die Zutatenliste dem Informationsbedarf der Verbraucher über die Zusammensetzung dieser neuen Lebensmittel nicht gerecht. In diesem Zusammenhang äußerte sich der DBV besorgt über die derzeit laufenden Brüsseler Beratungen über nährwert- und gesundheitsbezogene Aussagen bei Lebensmitteln. Bei der Erstellung der so genannten Nährwertprofile, bei deren Einhaltung das Lebensmittel als gesund beworben werden kann, müsse man wieder mehr Sachverstand walten lassen, mahnte der Bauernverband. Milch sei ein allgemein anerkanntes gesundes Lebensmittel. Der Konsum dieses kalziumreichen Naturprodukts sei für die Menschen in jeder Lebensphase für eine ausgewogene und damit gesunde Ernährung unerlässlich. Wenn aber künftig zum Beispiel nur noch bei Einhaltung eines bestimmten Fettgehalts auf die gesunde Wirkung der Milch aufmerksam gemacht werden dürfe, werde dies diesem „Allrounder“ nicht gerecht. Vielmehr werde die Lebensmittelindustrie dadurch geradezu aufgefordert, das wertvolle Naturprodukt immer weiter zu verarbeiten, um dessen Nutzen für die Gesundheit auch ausloben zu können. Ursprüngliches Ziel der Verordnung sei es gewesen, Auswüchsen in der Lebensmittelwerbung wie zum Beispiel die Auslobung des niedrigen Fettgehalts von Süßigkeiten entgegenzuwirken. Dieses Ziel dürfe jetzt nicht ad absurdum geführt werden, indem naturbelassene Lebensmittel wie Milch mit ihrem natürlichen Fettgehalt nicht mehr als gesund ausgelobt werden dürfen. b
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