Pferd und Reiter
06.01.2012 -
Automatisierte Rau- und Kraftfutterautomaten
Foto 1: Anstehen vor dem Raufutter können Pferde lernen, wie im mehrfach ausgezeichneten Aktivstall Behnk in Groß Rönnau. Foto: Karen Diehn
Foto 2: Dieser Klappomat wurde nur mit Heu bestückt. Kraftfutter wäre auch möglich. Foto: sSys Schacher Fütterungssysteme
Foto 3: Mit dem transpondergesteuerten System lässt sich die gesamte Fütterung automatisieren. Foto: Karen Diehn
Pferde- und halterfreundliche Fütterung
Elektronisch gesteuerte Fütterung? Der Gedanke irritiert viele Pferdehalter. Sie behalten die Gabe von Heu, Hafer und Stroh lieber in der eigenen Hand. Ein Futterautomat kann jedoch eine große Erleichterung sein.
Wer den Anspruch hat, sein Pferd artgerecht zu halten, regelmäßig zu bewegen und ausgewogen zu ernähren, muss dafür täglich mehrere Stunden Einsatz zeigen. Weil besonders der Anspruch an eine bedarfsgerechte Fütterung bei vielen Pferdehaltern inzwischen hoch ist, wird der zeitliche Aufwand sogar stetig höher. Es kann zu einem regelrechten Balanceakt werden, den eigenen Lebens- und Arbeitsrhythmus auf die Futter- und Versorgungszeiten der Pferde einstellen zu müssen. Für Wege zum Stall und das eigentliche Füttern geht Zeit verloren, die dann beispielsweise der Familie und anderen Hobbys fehlt. Ganz zu schweigen von den übrigen Arbeiten rund um das Pferd, die zusätzlich anfallen. Nun lässt sich das Ausmisten, Reiten und Pflegen nicht an einen automatischer Helfer delegieren. Hierbei muss der Tierhalter nach wie vor selbst Hand anlegen. Beim Füttern allerdings sieht es anders aus. Hier gibt es praxiserprobte und für viele Haltungsformen taugliche elektrische Helfer, die einem die Arbeit erleichtern und sogar abnehmen können.
Der Markt der Rau- und Kraftfutterautomaten bietet inzwischen eine recht große Auswahl an unterschiedlichen Modellen. Die Höhe der für den Kauf und die Anbringung nötigen Investitionen für einen Fütterungsautomaten mag auf den ersten Blick abschrecken, auf den zweiten Blick kann sich der Einsatz jedoch doppelt auszahlen. Denn durch die Möglichkeit, kleine Mengen Futter portioniert abgeben zu können, kann die Futtermenge an den tatsächlichen Bedarf angepasst werden. Vorratsfütterung oder zu große Mengen können vermieden werden, was letztlich die Futterkosten senkt. Wenn durch das bisherige Über- oder Unterangebot an Futter, zu kurze Fress- und zu lange Leerlaufzeiten oder überhastetes Fressen bereits gesundheitliche Probleme bei den Vierbeinern aufgetreten sind, lohnt sich die Investition in ein automatisches Fütterungssystem doppelt.
Gut dosiert
Reine Kraftfutterautomaten sind für Pferde von Bedeutung, die größere Mengen Krippenfutter erhalten. Die Gabe von Hafer, Pellets oder Müsli lässt sich per Automat über den gesamten Tag verteilen, was dem natürlichen Fressverhalten des Pferdes mehr entspricht als die Aufnahme von großen Mengen zwei oder drei Mal am Tag.
Das bauliche Prinzip der angebotenen Modelle ist in der Regel recht ähnlich. Ein Kraftfuttervorratsbehälter mit unterschiedlichem Füllvolumen wird in oder außerhalb der Box oder an der Stallwand angebracht und mit dem bevorzugten Futter gefüllt. Das Pferd bekommt bodennah aus einer Schüssel oder aus seiner gewohnten Krippe eine festgelegte Menge. Die Anzahl der möglichen Portionen variiert je nach Hersteller.
Für Vierbeiner, die mit geringen Mengen von Zufutter auskommen und eine auf Raufutter basierende Ration erhalten, bringt eine Umstellung auf einen Kraftfutterautomaten meist nicht so viel Fütterungskomfort und für den Pferdehalter weniger Entlastung. Besonders für Herden lohnt sich daher die Investition in einen Raufutterautomaten, denn die Verteilung von großen Mengen Heu und Stroh mehrmals am Tag ist hier im Verhältnis sehr viel zeit- und arbeitsaufwendiger und vor allem weniger dosierbar.
Automatische Raufen
Die Fütterung von mehreren Pferden gleichzeitig lässt sich durch Raufen mit Futtertisch recht praktisch realisieren. Wer bei so einer Fütterungsart aber mengenmäßig dosieren will beziehungsweise nicht rund um die Uhr Zugang geben möchte, kommt nicht umhin, einiges an menschlichem Einsatz zu leisten. Aber auch dieses Fütterungsprinzip lässt sich automatisieren, und zwar mit einer Roll- oder Automatikraufe. Per Zeitschaltuhr gesteuert, wird ein robustes Rollo beziehungsweise ein einem Tor ähnlicher Schiebemechanismus geöffnet, der Raufutter freigibt. Auf diese Weise lassen sich zwar nicht die Aufnahmemengen individualisieren, aber die Fresszeiten steuern und gleichmäßig auf den Tag und die Nacht verteilen, ohne dass es menschliches Eingreifen braucht. Rollraufen gibt es in verschiedenen Varianten und Größen, sowohl als Gruppenraufe als auch als Einzel- oder Portionsraufe.
Die kleineren Modelle lassen sich beispielsweise an einer Boxen- oder Stallwand verbauen oder frei stehend im Paddock aufstellen. Mehrere Einzelautomaten nebeneinander oder an unterschiedlichen Stellen der Anlage unterzubringen, ist möglich und kann, je nach Herdengröße, sogar sinnvoll sein. Allerdings braucht es für den Betrieb Strom, entweder aus einer herkömmlichen Steckdose oder aus einer Batterie. Sichergestellt werden muss außerdem, dass die Anzahl der angebotenen Plätze ausreicht, sodass alle Pferde einen ausreichend großen Fressplatz haben.
Ob die Pferde nach der Raufenöffnung ihr Futter ganz normal aufnehmen können oder ein Gitter oder Netz die Aufnahme nochmals verlangsamt, ist unterschiedlich. Einige Anbieter setzen zusätzlich auf ein variables Durchfressgitter. Roland Hau, dessen Firma Hau Pferdesport den „Heufuchs“ vertreibt, empfiehlt: „Wie man den Abstand einstellt und welche Fresszeiten man wählt, sollte von der Rasse und dem Fressverhalten abhängen.“ Auch wenn es technisch möglich wäre, quasi jede Stunde für kurze Zeit Zugang zum Futter zu gewähren, empfiehlt Thorsten Hinrichs von der Firma HIT aus Weddingstedt, einem Hersteller von Fütterungssystemen, höchstens zehn Mahlzeiten in 24 Stunden, denn „sonst werden die Fresszeiten zu kurz“.
Von Hersteller zu Hersteller variabel sind die Verschluss- und Schiebemechanismen. Wer auf eine Raufe mit Selbstbausystem setzt, erlebt unter Umständen, wie rabiat Pferde sich gegen eine Beschränkung ihrer Fresszeiten zur Wehr setzen können. Denn einige Vierbeiner versuchen, den Verschluss der Raufe zu blockieren. Thorsten Hinrichs kennt das Problem: „Besonders Haflinger und Isländer werden richtig sauer, wenn der Schließmechanismus der Raufe sie am Fressen hindern will.“ Bei HIT setze man daher bei den Automatikraufen auf ausgiebig erprobte Bauteile, die dies wirksam unterbinden, so Hinrichs.
Transpondergesteuert
An Futterautomaten, die eine individuelle Zuteilung von Fresszeiten erlauben, müssen die Pferde für einen Fütterungscomputer identifizierbar gemacht werden. Hierzu setzen die meisten Hersteller auf einen Transponder, der am oder im Pferdekörper angebracht wird. Er signalisiert, wie hoch der Futter- beziehungsweise Fresszeitenanspruch ist. Zur Futteraufnahme dient bei diesem System in der Regel ein Futterstand, der auch Abrufstation genannt wird. Hierin kann das Pferd wie in einem herkömmlichen Fressständer „einparken“. Der Ausgang ist meist auf der anderen Seite, was den Vorteil hat, dass kein Pferd rückwärts aus dem Ständer heraustreten muss, wo hungrige Herdenkollegen anstehen. Das Nachdrängeln wird mechanisch durch eine Art Schranke verhindert, was dem fressenden Pferd die nötige Ruhe verschaffen sollte.
Besteht ein Fresszeitanspruch, bekommt der Vierbeiner für eine voreingestellte Zeit Zugang zum Raufutter, welches natürlich in ausreichender Menge bereitgestellt werden muss. Auf diese Weise lassen sich unterschiedliche Futterbedürfnisse innerhalb einer Herde befriedigen. Dies setzt allerdings voraus, dass die Anzahl der Abrufstationen ausreichend hoch ist für die Anzahl der zu fütternden Pferde. Nur so kommen auch rangniedrige und schwerfuttrige Vierbeiner zu ihrem Recht.
Wer größere bauliche Veränderungen und Umstellungen auf nahezu vollautomatische Fütterung vornehmen möchte, kann nach diesem Prinzip die gesamte Fütterung und sogar die Weidezeiten automatisieren. Hierzu braucht es im Stall ein sogenanntes Selektionssystem, das mit verschiedenen Schleusen, Automatikraufen und Futterstationen arbeitet.
Schranklösungen
In größeren Ställen wird das Prinzip des Vorportionierens bereits praktiziert. Der Pferdehalter bereitet bestimmte Futtermengen vor und stellt sie für das Personal bereit, sodass der gefüllte Behälter nur noch in die Raufe oder Krippe entleert werden muss. Nach dem gleichen Prinzip arbeiten Futterautomaten wie der „Klappomat“. In einer Art Schrank lässt sich Futter in gewünschter Menge auf verschiedenen Einlageböden vorbereiten. Per Zeitschaltuhr gesteuert, klappen die Böden weg, sodass das eingelegte Futter in einen Futtertrog, auf den Stallboden oder auch in eine kleinere Raufe rutscht. Je nach Modell variieren die Anzahl der Einlageböden, die Größe und das Fassungsvermögen und damit die Anzahl der möglichen Portionen. Die meisten dieser Automaten sind baulich bedingt nur für ein oder zwei Pferde ausreichend. Für Herden müssten mehrere kombiniert werden. Der Vorteil dieser Schrankböden: Kraftfutter lässt sich im Wechsel zu Raufutter sehr dosiert füttern.
Toröffner
Der kleine Bruder der Futterautomaten ist der automatische Toröffner. Dieser lässt sich sogar relativ einfach selbst bauen, indem man einen Öffnungsmechanismus von Hühnerklappen modifiziert. Die Einsatzmöglichkeiten sind recht vielfältig.
Im Stall Tomtehus in Möhnsen wurde hiermit beispielsweise das gesamte Fütterungssystem verändert. Einstellerin Britta Lorenzen erzählt: „Unsere vorherige Fütterung wurde zu aufwendig. Wir haben versucht, möglichst geringe Wartezeiten mit kurzen Weidezeiten zu verbinden, ohne dass wir fünfmal zu den Ponys müssen. Das war fast nicht zu leisten, und die Ponys haben mehr Futter erhalten, als ihnen guttut.“ Nach der Umstellung gibt jetzt der Weidetoröffner den Zugang zu einem zweiten Fressplatz mit Heunetzen frei oder den direkten Durchgang zur Weide, sodass mindestens zwei Dienste und einiges an Heu eingespart werden können. Zur Abend- oder Nachtfütterung muss nun keiner der Pferdehalter mehr raus, wohl aber zur Kontrolle und Futtervorbereitung.
Eines kann allerdings kein automatisch-elektrischer Stallhelfer übernehmen: die regelmäßige Kontrolle der Gesundheit und des Wohlbefindens durch die wachsamen Augen des Pferdehalters. Karen Diehn





