Pferd und Reiter
08.12.2011 -
Abschied nehmen vom Haustier
Foto 1: Kinder haben häufig eine sehr innige Beziehung zu ihren Tieren und trauern sehr
Foto 2: In den letzten Jahren haben sich gerade im urbanen Bereich Tierfriedhöfe etablieren können, wo Tierfreunde ihre geliebten Hausgenossen würdig bestatten können. Fotos: Frauke Hellwig
Was tun, wenn das Tier stirbt?
Wenn ein Haustier stirbt, dann geht mit ihm zumeist ein geliebtes Familienmitglied für immer fort. Ein Abschied, der den Besitzern sehr schwer fällt. Da aber die meisten Heimtiere eine weitaus geringere Lebenserwartung als der Mensch haben, wird wohl jeder, der sein Leben mit einem tierischen Hausgenossen teilt, erleben, dass sich die Wege irgendwann einmal trennen werden.
Der Schmerz über den Verlust eines Hundes, einer Katze, aber auch eines Vogels, eines Kaninchens, eines Meerschweinchens oder Hamsters kann sehr groß sein – gerade Kinder oder Alleinstehende pflegen häufig einen ganz besonders innigen Kontakt zu ihrem Tier. Der Tod ist dann ein herber Schlag, der die Betroffenen in tiefe Verzweiflung stürzen kann. Nicht selten stellt sich die Frage, wo man für den guten, alten Freund oder die langjährige treue Gefährtin eine würdige Ruhestätte findet. Viele Tierbesitzer wissen nicht, dass ihr Liebling auch nach dem Einschläfern nicht beim Tierarzt verbleiben muss. Der Gedanke, dass ihr Haustier in einer Tierkörperverwertungsanlage industriell verarbeitet werden könnte, ist für die meisten Tierhalter eine echte Horrorvorstellung.
Doch wo bleibt man mit seinem Hund, dem Meerschweinchen, Hamster oder Kanarienvogel, wenn alles Leben aus ihm gewichen ist?
Alternativer Tierfriedhof
Tierfreunde auf dem Land haben es meist leicht, ihrem langjährigen Lebensbegleiter einen würdigen Abschied zu bereiten. Viele Tierbesitzer leben in den eigenen vier Wänden und haben einen Garten, in dem sie ihre Haustiere beerdigen können und meist auch dürfen. „Es ist aber unbedingt notwendig, sich, bevor das Tier bestattet wird, beim zuständigen Veteråinäramt zu erkundigen, ob dies in der jeweiligen Region auch wirklich gestattet ist“, betont Michael Grieser von der Tierbestattung Rosengarten. Haustiere wie Hunde, Katzen, Kleintiere und Vögel dürfen nach dem Tierkörperbeseitigungsgesetz im Garten begraben werden, allerdings nur sofern sie nicht an einer ansteckenden Krankheit verstorben sind, das Grundstück nicht in einem Wasserschutzgebiet oder in dessen Nähe liegt und die Grabstelle nicht an öffentliche Plätze oder Wege grenzt. Zudem muss sichergestellt sein, dass der Tierkörper mit einer ausreichenden, mindestens 50 cm starken Erdschicht bedeckt ist. So wird verhindert, dass er von anderen Tieren wieder ausgegraben wird. Mieter eines Hauses sollten, bevor das Tier seine letzte Ruhestätte im Garten findet, unbedingt die Erlaubnis des Vermieters einholen. Wer seinen tierischen Freund aber im Wald, am Wegesrand oder anderswo auf öffentlichem Grund bestattet, macht sich strafbar. „Und das kann bis zu 50.000 € kosten“, warnt der Bestatter aus dem schleswig-holsteinischen Neustadt. Wer sich diesen Restriktionen nicht beugen will, der hat durchaus Alternativen. Niemand muss Hund, Katze, Kaninchen, Hamster oder Vogel beim Tierarzt lassen, denn in den letzten Jahren haben sich gerade im urbanen Bereich Tierfriedhöfe etablieren können, wo Tierfreunde ihre geliebten Hausgenossen würdig bestatten können. Insbesondere Kinder, ältere und alleinstehende Menschen, die zu ihrem Tier ein besonders inniges Verhältnis hatten, finden dort zudem eine Anlaufstelle für ihre Trauer. Mindestens jede größere Stadt hat mittlerweile einen Tierbestatter, der sich um die würdevolle Bestattung kümmert und das verstorbene Haustier auch von Zu Hause abholt. Je nach Größe des Tieres kommen für die Bestattung meist zwischen 30 und 300 € auf den Besitzer zu. Auch Tiersärge aus den verschiedensten Materialien, Grabeinfassungen und Grabsteine mit Inschrift werden angeboten. Man muss sich aber auf mehr oder weniger hohe Kosten gefasst machen, denn wer seinen Liebling auf einem Tierfriedhof bestatten möchte, muss mit Miete für die Nutzung einer Grabstelle rechnen, genau wie mit Kosten für eine mögliche Grabpflege, wenn man sie nicht selbst übernehmen kann. Wer sich die Grabpflege nicht aufbürden möchte, der kann sein Tier aber auch anonym bestatten lassen.
Einäscherung auch fürs Tier
Mittlerweile gibt es auch bei verstorbenen Tieren den Trend zur Einäscherung, was Michael Grieser, der seit 2005 als Tierbestatter tätig ist, in seiner täglichen Arbeit immer wieder feststellt. „Die Nachfrage nach unserer Dienstleistung ist in den vergangenen Jahren deutlich angestiegen“, sagt er. Dabei entscheiden sich rund 70 % von Griesers Kunden für eine Einzeleinäscherung, auch wenn diese mit mehreren 100 € zu Buche schlagen kann. „Wer sein Tier einzeln einäschern lässt, kann die Asche bei sich behalten, ins Haus stellen, im Garten mit der Urne bestatten oder die Asche in der Natur oder auf einem See verstreuen, denn sie ist völlig unbedenklich für die Umwelt.“ Relativ neu ist die Möglichkeit, einen Teil der Asche in ein Schmuckstück einarbeiten zu lassen, was es dem Besitzer ermöglicht, seinen Liebling immer bei sich zu tragen. Die verbliebenen 30 % der Tierhalter wählen eine Sammeleinäscherung, bei der die sterblichen Überreste des geliebten Kameraden, Seelentrösters, Wächters und Beschützers später im Rosengarten des Kleintierkrematoriums im niedersächsischen Badbergen verstreut werden. Das ist deutlich günstiger, und das Tier hat dennoch eine friedliche Ruhestätte.
Im Zeitalter des Internets gibt es sogar virtuelle Tierfriedhöfe. Hier kann man des verstorbenen Haustiers mit einem Eintrag gedenken und seine Trauer mit Gleichgesinnten teilen.
Trauerbewältigung durch Reden und Schreiben
Der wichtigste und gleichzeitig auch schwerste Teil ist aber wohl, sich mit dem Unvermeidlichen abzufinden und vor allem den richtigen Moment zu erkennen und loslassen zu können, auch wenn es schmerzhaft ist. Dabei können zum Beispiel Foren im Internet helfen. Auch wenn Trost oder Mitleid oft nur in Maßen helfen, fühlen sich viele Menschen besser, wenn sie mit jemandem ihre Trauer teilen können. Auch Bücher, die den Tod eines Haustieres thematisieren, können in der Trauerphase helfen. Viele Tierfreunde, besonders Kinder, basteln dem verstorbenen Gefährten zum Abschied gern ein kleines Denkmal oder ein Grabkreuz, schreiben Gedichte oder Geschichten über das Haustier, malen ein Bild von ihm. Auch das kann zur Trauerbewältigung förderlich sein.
Ebenso kann eine blühende Staude, eine duftende Rose oder ein Früchte tragender Baum, der auf die Grabstätte gepflanzt wird, diese zu einem ganz besonderen Platz machen, an dem man an das verstorbene Tier denken und sich erinnern kann.
Doch bei all der Trauer sollte man sich selbst nicht vergessen – und dabei kann ein neuer Hausgenosse wahre Wunder wirken. Man öffnet sein Herz einem neuen Gefährten, muss sich um ihn kümmern, ihn erziehen, ihn in sein neues Leben einführen und lenkt sich so ganz nebenbei ein wenig von der Trauer ab. Und wer sich dann noch für ein Tier aus dem Tierheim entscheidet, der tut gleich auf vielerlei Weise Gutes – für sich selbst, aber auch für das Tier, das ein neues Zuhause findet und seinen Platz wiederum für einen anderen Notfall frei machen kann. Das heißt aber noch lange nicht, dass der verstorbene Freund ersetzt oder gar vergessen wird, denn die meisten sind in der Erinnerung ihrer Halter noch viele, viele Jahre lebendig und bleiben damit – manchmal auch für immer – ein Teil von ihnen.
Frauke Hellwig





