Schleswig-Holstein

Zum Buch Nord-Ostsee-Kanal: Begegnungen

Pferd und Reiter

06.05.2011 -  

Norddeutsche Hengstparade der Islandpferde

Bild - Norddeutsche Hengstparade der Islandpferde

Für die Norddeutsche Hengstparade des IPZV Nord kamen Reiter und Hengsthalter aus ganz Deutschland und Skandinavien auf das Gestüt Vindhólar in Stapelfeld.


Foto: Karen Diehn


Zucht und Sport im Einklang


Spitzensport auf der Ovalbahn und die große Schau der Hengste – die Norddeutsche Hengstparade des IPZV Nord verband beides in schönster Form. Reiter und Hengsthalter aus ganz Deutschland und Skandinavien kamen auf das Gestüt Vindhólar in Stapelfeld, um ihre Vierbeiner zu zeigen.


Erst zum zweiten Mal fanden im Rahmen der Norddeutschen Hengstparade am Eröffnungstag eine Jungpferdematerialprüfung und eine Körung durch das Pferdestammbuch Schleswig-Holstein/Hamburg statt. Zur Beurteilung durch die IPZV-Materialrichter Jens Füchtenschnieder und Marlise Grimm kamen allerdings nur fünf Hengste. Mit 7,97 landeten punktgleich zwei Hengste auf dem ersten Platz. Kiljan von Marxen aus der Zucht von Suzan Beuk aus Marxen ist ein Sohn von Merkur vom Birkenlund, mit dem Johanna Beuk später im Sport äußerst erfolgreich unterwegs war. Nökkvi von Myrabaer, der von Uwe Schenk aus Schmalfeld gezogen wurde, stammt ab von Atli von Mýrarbær. Marlise Grimm lobte die Qualität der angetretenen Hengste: „Es waren zwar wenige, aber die waren gut.“ Zur anschließenden Körung und Anerkennung kamen neun Hengste in die Reithalle von Vindhólar.


Der Sonnabend war gänzlich dem sportlichen Wettbewerb gewidmet. Schon am frühen Morgen bekamen die Zuschauer ehemalige WM-Teilnehmer und Meisterschaftskandidaten aus dem In- und Ausland zu sehen, die sich in großartiger Frühjahrsform zeigten. Die Richter vergaben hohe Bewertungen, was spannende A-Finals am Sonntag versprach. Zur Erprobung von jungen Pferden waren die Futurity-Prüfungen ausgeschrieben. Hierbei können die Reiter in einer recht freien Vorstellung, die von den Richtern kommentiert wird, die Eignung ihres Vierbeiners testen. Auch hier waren, das prognostizierte IPZV-Richter André Böhme, viele Pferde am Start, „die man beim Turnier wiedersehen wird, und nicht nur beim Hausturnier“. Szenenapplaus erhielt unter anderem die aus Mecklenburg-Vorpommern angereiste Jaqueline Uelpenich auf dem fünfgängigen Falben Fagur vom Schlossberg für den schicken Trab im Futurity-Fünfgang. „Der könnte bei den Reitponys ohne Weiteres mithalten“, kommentierte André Böhme. Am Abend ließen es die Rennpasser krachen. Gastgeber Einar Hermansson ließ sich den Sieg im Passrennen nicht nehmen und holte mit der bewährten Ljósbrá von Faxaból den Pokal.


Ehe es am Sonntag ans Schaulaufen der Hengste ging, sattelten die Teilnehmer der A-Finals ihre Pferde. Mit einer Note von 7,25 ließ Svenja Schumacher aus Norderstedt im Sattel von Jaki von Aegidienberg die Konkurrenz in der Töltprüfung T4 hinter sich. Auch der Sieg im Speedpass ging nach Schleswig-Holstein: Helmut Bramesfeld aus Neumünster und Blöndal kamen in 8,17 s ins Ziel. Im stark besetzten Feld der Viergangprüfung erhielt die Jugendliche Johanna Beuk mit dem Falbhengst Merkur von Birkenlund die höchste Note. Die zweite goldene Schleife sicherte sich das erfolgreiche Paar aus dem niedersächsischen Marxen in der Töltprüfung T3. Samantha Leidesdorff, mehrfache WM-Teilnehmerin aus Nöpke, ritt den Depill-Sohn Farsaell von Hrafnholt in der Fünfgangprüfung zum Sieg. Zum Schaulaufen vor vollen Tribünen traten schließlich rund 45 Hengste an. Fachkundig kommentiert wurden die meist sportlich gehaltenen Auftritte von Mareike Köhler und André Böhme, der die Zuschauer mit seinem unerschöpflichen Wissen über Abstammungen und Zuchthistorie bestens unterhielt.


Zu den bekannten und bewährten Vererbern gesellten sich Newcomer aus deutscher und isländischer Zucht, darunter Kraftur frá Lýsuhóli, Máni frá Álfhólum, Safir von der Kattbek, Núpur frá Núpakoti und Bjartur vom Hof Osterkamp. Die Gestüts- und Nachzuchtpräsentationen sorgten für Abwechslung beim Schaulaufen. Der zweimalige Zuchtweltmeister Glaður frá Holabakki war nicht selber nach Stapelfeld gekommen, ließ sich aber von einigen Nachkommen vertreten. Kopernikus von Heesberg, aus der Zucht von Daniel Schulz aus Ehndorf, trat dagegen selber auf und hatte hoch beurteilte Söhne und Töchter dabei. Flankiert vom Nachwuchs wurden außerdem der Zucht-WM-Teilnehmer Alsvinnur vom Osterberg und der in Vindhólar beheimatete Tindur frá Reykjavik. Familie Grimm vom Basselthof war aus Isernhagen mit ihren Hengsten Gáski frá Eyrabakka, Njördur frá Vatnsleysu und Magni frá Vestri-Leirágörðum angereist und präsentierte die drei mit Söhnen und Töchtern aus eigener Zucht. Der neunjährige Stormur von Faxabol konnte zum ersten Mal mit gerittenen Nachkommen gezeigt werden. Der braune Fünfgänger aus der Zucht von Jón Steinbjornsson war im Februar anlässlich der Körung zum Elitehengst gekürt worden. Der Kronshof aus Ellringen von Familie Schenzel präsentierte gleich sechs Vererber. Lothar Schenzel ließ es sich nicht nehmen, mit Teigur vom Kronshof und Þrár frá Wetsinghe einen Rappen-Pas-de-deux zu zeigen. Die Norddeutsche Hengstparade zeigte einmal mehr, dass der Norden im Sport auf hohem Niveau unterwegs ist. Der eine oder andere Pferdebesitzer dürfte auf den Geschmack gekommen sein, sich daran zu beteiligen und für Islandpferdenachwuchs zu sorgen.


Karen Diehn


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