Schleswig-Holstein

Zum Buch Nord-Ostsee-Kanal: Begegnungen

Pferd und Reiter

03.09.2010 -  

Beweglich wie eine Katze und treu wie ein Hund

Bild - Beweglich wie eine Katze und treu wie ein Hund
© Foto: Katja Gretscher-Said

Pferderassen im Portrait: Berber

Sie sind echte Gebirgspferde, wie die hierzulande weitverbreiteten Haflinger aus den Tiroler Alpen. Doch die aus dem Maghreb-Gebirge im Norden Afrikas stammenden Berber sind hier eher selten zu sehen. Dabei sind sie ganz besondere Pferde, und das nicht nur aufgrund ihres orientalischen Einschlags.

 

Herausragende Merkmale des Berbers sind seine Menschenbezogenheit, Treue und Zuverlässigkeit. Aus diesem Grund wird er auch als „Hund, den man reiten kann“ bezeichnet. Das ausgeprägte Sozialverhalten stammt aus der Zeit, in der die Pferde stark mit dem Volk der nordafrikanischen Berber, Nomaden und Bauern, verbunden waren.

Um diese Eigenschaften weiß auch Ina Krüger-Oesert, die in Großbarkau eine „Schule für anspruchsvolles Freizeitreiten“ führt. Neben einigen anderen Pferderassen hält sie auf ihrem Hof zwei Berberstuten. „Beide setze ich erfolgreich im Reitunterricht ein, den ich nach klassischen Grundsätzen führe. Die Berber zeichnen sich dabei auch durch ihre Gelehrigkeit und ihren guten Willen aus“, erzählt Krüger-Oesert, die sich vor 22 Jahren entschied, das Reiten zum Beruf zu machen.


Nach einer Anstellung bei Wolfgang Krischke bei der heutigen Hofreitschule Bückeburg als Kotrainerin machte sie sich in Kiel mit Lehrpferden selbstständig und eröffnete vor 16 Jahren ihre Schule für anspruchsvolles Freizeitreiten in Großbarkau. Ihr ehemaliger Chef Krischke war es auch, der sie damals auf die Berberpferde aufmerksam machte.

 

Vor 15 Jahren erwarb Krüger-Oesert dann Ulisha, eine rein gezogene weiße algerische Berberstute, bei Heide Graf in Menslage. Sie wurde vom VFZB (Verein der Freunde und Züchter des Berberpferdes), einer bundesweit anerkannten Züchtervereinigung für Berber- und Araber-Berberpferde, in die Prämienklasse eins eingestuft und jahrelang in der Zucht eingesetzt.

 

Nach einer Totgeburt bekam sie drei Fohlen, die heute in der Nähe von Tarp und Sören bei Bordesholm leben. Einige Jahre später bekam Krüger-Oesert von Heide Graf noch die Berberstute Uyani zur Verfügung gestellt. Uyani, die mit ihrer Dunkelfuchsfarbe etwas ganz Besonderes ist, geht seitdem verlässlich im Gelände und in der Western-Trail-Arbeit.

Ursprünglich wurden die Berber in Tunesien, Algerien und Marokko gezüchtet, sind aber auch in den angrenzenden Staaten wie Mauretanien und Libyen verbreitet. Das Zuchtgebiet der 148 bis 160 cm großen Pferde erstreckt sich fast über die komplette Breite des nordafrikanischen Kontinents, wo sie schon vor Beginn der Zeitrechnung gezüchtet wurden. In kriegerischen Zeiten des Barocks und in der Renaissance waren die Pferde mit die besten Waffen: schnell, mutig, wendig, zuverlässig, robust und voller Arbeitseifer. Außerdem galt das Berberpferd als Statussymbol und ist für die hohe Reitkunst wie geschaffen.

 

„Die Berber verfügen über eine natürliche Gabe zur Versammlung. Ihre Bewegungen sind wie die einer Katze: dynamisch, energisch, weich, sehr leichtfüßig, federnd und fleißig – mit einer weit untertretenden Hinterhand. Dank dieser Begabung, ihrer schnellen Auffassungsgabe und ihres Willens zum Lernen können Berber in verschiedenen Westerndisziplinen sowie klassisch-barock bis hin zur Hohen Schule ausgebildet werden“, erzählt Krüger-Oesert, die außer für die Ausbildung von Pferd und Reiter auch für ihre Show-Reitkünste bekannt ist. Auf Messen und Veranstaltungen zeigt sie Schauprogramme mit zahlreichen spektakulären und fantasievollen Schaubildern.

 

Auch Ulisha ist mit ihrem Feuer- und Seilspringen eine feste Größe in Krüger-Oeserts Programm. „Ulisha kam bereits als Absatzfohlen auf meinen Hof. Ich zog sie groß und bildete sie aus. Da ich in meiner reiterlichen Karriere von den Islandpferden zur klassischen Reiterei und später zur ,Leichten Reitweise’ und zum Westernreiten kam, wurde auch Ulisha westernmäßig ausgebildet. Neben dem Westerntrail mit Stangen-L, Wippe und Plastikplane liegen Ulishas Stärken aber vor allem in den fliegenden Wechseln und den zirzensischen Lektionen. Diese konnte sie schon bei zahlreichen Veranstaltungen wie der Galashow Futterkamp, der Baltic Horse Show, der Nordpferd oder der Hansepferd unter Beweis stellen“, schwärmt Ina Krüger-Oesert.

Melanie Kayser


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