Pferd und Reiter
27.08.2010 -
Pferderassen im Portait: Lehmkuhlener Pony
Sie sind neben dem Holsteiner und dem Schleswiger Kaltblut eine weitere aus Schleswig-Holstein stammende Pferderasse. Und doch kennen nur wenige die Lehmkuhlener Ponys, denn es gibt nur noch sehr wenige Tiere aus dieser Privatzucht. Somit gilt das Lehmkuhlener Pony als extrem gefährdet.Die einzige Herde Lehmkuhlener Ponys befindet sich auf Götz von Donners Hof in Wielen. Mit derzeit 15 Lehmkuhlener Ponys führt er die Anfang des 20. Jahrhunderts begründete private Zucht seiner Großmutter Agnes Baronin von Donner weiter. Diese züchtete die Lehmkuhlener Ponys auf dem Gut Lehmkuhlen bei Preetz in Schleswig-Holstein. „Meine Großeltern hatten fünf Kinder, für die die Ponys gezüchtet werden sollten. Dies geschah anfangs ohne genaues Zuchtziel, später setzte man ganz gezielt Pferde ein. Shetlandponys, Hackneys, Dülmener Wildpferde, Dartmoor-Ponys und Westmoorland-Ponys gehörten dazu“, erzählt Götz von Donner. Das Bemerkenswerte am Lehmkuhlener ist, dass vom ersten Tag an ein Zuchtbuch geführt wurde. Die Zucht der Lehmkuhlener Ponys basiert im Ursprung auf einigen wenigen Ponys. Diese waren unter anderem „Schneck“, eine Hackney-Stute aus England, die Beutepony-Stute „Lina“, „Grille“ die dem Typ nach ein Dartmoor- oder Westmoorland-Pony war und den Dülmener Wildpferdestuten „Wiltrud“ und „Griseldis“.
„Die Dülmener Stuten stammten aus der Dülmener Wildlingsherde im Meerfelder Bruch von Herzog von Croy in Westfalen. Meine Großeltern, die ein Wildgatter mit Mufflons hatten, waren mit ihm befreundet und tauschten einige Wildschafe gegen die beiden Stuten ein. Dies war eine große Ausnahme, denn der Herzog von Croy gab ansonsten nur Hengstfohlen ab“, erzählt von Donner. Neben diesen Stuten wurden „Marquis Ito“, ein schwarzer Hengst, gezogen aus zwei aus England importierten Ponys, und dessen Söhne „Favorito“ und „Grane“ sowie der Dülmener Hengst „Pedro“ zur Zucht eingesetzt. Aus diesen Anpaarungen entstanden genügsame, harte und widerstandfähige Ponys mit einer ausgezeichneten Gesundheit, Langlebigkeit, Fruchtbarkeit, Umgänglichkeit und Robustheit. Von Donners Lehmkuhlener Ponys leben ganzjährig draußen und werden nur im Winter mit Heu zugefüttert. Bei einem Stockmaß von 125 bis 135 cm sind die Lehmkuhlener Ponys edel und besitzen ein ansprechendes Exterieur. Vorherrschend sind Dunkelbraune und Braune, häufig mit Aalstrich, sowie Graufarbene mit Wildzeichnung und Rappen. Weiße Abzeichen kommen an Stirn, Blässe und an den Kronbeinen und Fesseln vor. Der Kopf ist fein und edel, die Augen sind aufgeweckt und die Ponyohren klein, die Brust ist breit, die mächtige Kruppe zeigt einen tiefen Schweifansatz, und die Hufe und Sehnen sind stabil. Das Fundament ist von angemessener Stärke, trocken und extrem hart. Der Hals ist günstig geformt und das Genick leicht. Der Widerrist ist mäßig ausgeprägt und der Rücken elastisch und gut liniert. Die Lehmkuhlener Ponys besitzen leichte, raumgreifende Bewegungen in allen drei Gangarten mit einem starken Schub aus der Hinterhand. Zudem leisten sie gute Zug- und Transportarbeiten mit einer ausgesprochenen Arbeitsfreudigkeit, Ausdauer und Zugkraft. Dies bewiesen auch die Lehmkuhlener Gespannhengste „Pascha“ und „Pedro“ der Spedition Neelsen, die durch zahlreiche Auftritte bei den Ostseehallenturnieren bekannt geworden sind.
Bis Ende der 1950er Jahre leisteten sie in Kiel die Bahnarbeiten der heutigen Baltic Horse Show. „Die alten Lehmkuhlener sagten immer: Ein Lehmkuhlener Ponysgespann zieht so viel wie ein Kaltblutgespann“, erzählt Götz von Donner lachend, der in seiner Kindheit auch ein Lehmkuhlener Pony besaß. Doch in den 1950er Jahren wurde die Lehmkuhlener Ponyzucht aufgelöst und das Gut Lehmkuhlen geschlossen. „In der Nachkriegszeit herrschten schwierige Verhältnisse, wir konnten uns die Ponyzucht nicht mehr leisten.
Bis auf meinen Lehmkuhlener Ponywallach wurden alle Tiere verkauft. Wohin, wusste niemand genau. Einige Tiere kamen zu Hans Kurt von Eben aus Niederkleveez bei Plön, der Ende der 1950er Jahre eine neue Zucht mit ihnen aufbaute. Als von Eben vor einigen Jahren verstarb, übernahm ich einen Großteil seiner Pferde sowie einige Lehmkuhlener Ponys aus der Umgebung“, sagt Götz von Donner, der sich fortan sehr um die Erhaltung der Lehmkuhlener Ponys bemühte und eine Erhaltungszucht betreibt.
Neben von Donners Lehmkuhlenern gibt es noch einige wenige in Schleswig-Holstein, ein paar werden in Bayern und Württemberg vermutet. Da es jedoch nicht mehr viele zuchtfähige Stuten und sehr wenige Lehmkuhlener Hengste gibt, wird das Lehmkuhlener Pony deshalb auf der Roten Liste der extrem bedrohten Haustierrassen geführt. Von besonderer Bedeutung ist das Lehmkuhlener Pony, da es sich von der züchterischen Basis her um die Nachfahren des Westmoorlandponys aus Großbritannien handelt. Diese Rasse existiert im Ursprungsland nicht mehr, und deshalb stellt das Lehmkuhlener Pony eine Besonderheit unter den europäischen Pferderassen dar.
Melanie Kayser





