Schleswig-Holstein

Zum Buch Nord-Ostsee-Kanal: Begegnungen

Pferd und Reiter

20.08.2010 -  

Landesbreitensportturnier in Bad Segeberg

Bild - Landesbreitensportturnier in Bad Segeberg


Foto 1: Beim Aufmarsch am Ende der Veranstaltung standen die Reiter der verschiedenen Klassen Seite an Seite.


Foto 2: Schwanensee mal anders: 16 Reiterinnen und Reiter zeigten eine tolle Springquadrille mit Kostümen.


Fotos: Nadine Sorgenfrei


Schwanenreiter, ein Nikolaus im Sommer und jede Menge Action


Fröhliche Gesichter und zufriedene Pferde prägten das Bild des 15. Landesbreitensportturniers am vergangenen Wochenende in Bad Segeberg. Egal ob Westernreiter, Ringreiter, Voltigierer, Kutschfahrer oder Islandpferdereiter – auf dem größten Pferdefest des Nordens konnte jeder zeigen, was man mit dem Partner Pferd oder Pony alles machen kann. Zudem setzten sich zahlreiche Stafettenreiter für das Projekt „Reiten für Reitwege“ ein.


„Wir sind auch in diesem Jahr hochzufrieden mit dem Verlauf des Turniers. Über 400 Pferde und Ponys waren wieder am Start, mehr als 750 Reiter, Fahrer, Führer und Voltigierer sowie rund 9.000 Besucher kamen auf den Landesturnierplatz – viele sind bereits seit dem ersten Breitensportfestival vor 15 Jahren dabei“, sagte Dörte Rehse-Behncke, Breitensportreferentin des Pferdesportverbandes Schleswig-Holstein. „Dieser enorme Zulauf zeigt uns, dass wir von der Breitensportsparte wirklich eine wichtige Aufgabe für viele Pferdefreunde im Land haben.“


Seit dem ersten Turnier ist auch Maria Petzold dabei. Die 59-Jährige aus Klixbüll an der dänischen Grenze kam bisher jedes Jahr nach Bad Segeberg. „Dies ist wirklich ein außergewöhnliches Turnier. Die Atmosphäre ist freundlich und fröhlich – sowohl bei den Teilnehmern und Organisatoren wie auch bei den Pferden. Hier zählt nicht das Materielle, sondern das Zusammensein mit Gleichgesinnten. Es geht ums Pferd, nicht um Preise. Zudem kann man zeigen, was man das ganze Jahr über mit seinem Pferd gemacht hat.“ Dieses Mal hatte die Freizeitreiterin ihr Islandpferd „Laukur von drei Eichen“ mitgebracht. Mit dem Wallach startete sie bei zwei Gelassenheitsprüfungen (GHP), beim Aktionsparcours und bei der Ralley am Ihlsee. Von Freitag bis Sonntag schlief sie zusammen mit sechs Freunden, drei Pferden und einem Hund auf dem Turniergelände, ihr Bett stand im Pferdeanhänger. „Für mich ist dieses Wochenende immer wie ein kurzer Urlaub“, erzählte sie. „Ich genieße die drei Tage in vollen Zügen.“


„So eine Begeisterung und Treue der Veranstaltung gegenüber freut uns natürlich sehr“, sagte Anke Vosswinkel, Breitensportbeauftragte des Pferdesportverbandes Schleswig-Holstein. „Wir bemühen uns in jedem Jahr wieder, möglichst vielen Pferdesportlern gerecht zu werden und stets offen für Neues zu sein. Das hat sich unter anderem beim Pferdefußball bewährt, dass erst nur ein Schaubild war und sich mittlerweile zu einer festen Prüfung des Turniers entwickelt hat. Außerdem möchten wir auch Pferde-Neulinge auf unseren Sport neugierig machen. In diesem Jahr haben wir ein Holzpferd bereitgestellt, auf dem jeder – auch die Zuschauer – einmal Voltigieren ausprobieren konnten. Ich bin mir sicher, dass diese bemerkenswerte Vielfalt, die hier geboten wird, und die Möglichkeiten, sich selbst einmal aufs (Holz-)Pferd zu wagen, für den Pferdesport-Nachwuchs ganz wichtig sind.“


Den Wunsch, in den Reitsport einzusteigen, weckten bei vielen Kindern sicherlich die rasanten Mounted-Games Reiter. Die Disziplin, die jedes Jahr wieder zu den Publikumslieblingen gehört, zeichnet sich durch Schnelligkeit, Geschicklichkeit und eine besonders lässige Art zu reiten aus. Statt Jackett und polierten Stiefeln, tragen die Teams bunte Hemden und kurze Stiefeletten, um sich auch im vollen Galopp auf ihr Pony schwingen zu können. Zudem kämpft nicht jeder allein im Springparcours oder Dressurviereck, bei den Mannschaftswettkämpfen herrschen Teamgeist und gegenseitige Unterstützung vor.


Eine Ära ging auf diesem Turnier zu Ende – zumindest für den schleswig-holsteinischen Ringreiterbund. Der Mitbegründer und seit 25 Jahren Vorsitzende Horst Buchholz aus Ostenfeld bei Husum, verabschiedete sich von seinem Amt. Der 70-Jährige war bisher auf jedem Breitensportturnier in Bad Segeberg vertreten, seit Beginn vor 15 Jahren wurde die Landesmeisterschaft der Junioren auf dem Turnier ausgetragen. Ebenfalls zurückziehen wird sich Max Theodor Rethwisch, der sich 40 Jahre lang dem Reitverein Borghorsterhütten und der Ponyzucht widmete und vor allem in der Jugendarbeit viel bewegte. Er unterstützte ebenfalls seit 15 Jahren die Ringreiter auf dem Turnier. „Das Landesbreitensportturnier ist wirklich für alle Reiter und Ponyzüchter das Mekka des Pferdelandes Schleswig-Holstein“, sagte Rethwisch. Beide Herren wurden für ihre Verdienste im Reitsport vom Vorsitzenden des Pferdesportverbandes Dieter Medow mit der Ehrennadel des Pferdesportverbandes ausgezeichnet.


„Reiten für Reitwege“ heißt die Aktion, die mit Schirmherr Ernst-Wilhelm Rabius, dem Staatssekretär im Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume, für bessere Reitwege wirbt. Zahlreiche Reiter in Schleswig-Holstein ritten bereits das siebte Jahr unter diesem Motto und hoffen so auf mehr Aufmerksamkeit und bessere Bedingungen für Ausritte mit ihren Pferden.


Ein besonderer Höhepunkt wurde den Zuschauern dann noch am Sonntagnachmittag geboten: Der Reitverein Gläserkoppel aus Preetz führte unter der Leitung von Ernst Först das Schaubild „Schwanensee“ auf. 16 Schimmelponys und 24 Balletttänzerinnen zeigten in fantasievollen Kostümen eine gekonnte Springquadrille unter wunderschönen Wasserspielen.


„Ein großartiges und erfolgreiches 15. Landesbreitensportturnier“, lobte Schirmherr Dr. Ekkehard Wienholtz, Präsident des Landessportverbandes das Pferdefest. „Diese Veranstaltung ist einmalig in der Bundesrepublik, es ist nicht nur eine Plattform für alle Pferdefreunde, sondern auch ein fröhliches und herzliches Familienfest, das vor allem durch ein engagiertes Miteinander zahlreicher größtenteils ehrenamtlicher Helfer möglich gemacht wird.“


Nadine Sorgenfrei


 


 


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