Pferd und Reiter
13.08.2010 -
Omi – als Vater so gut wie auf dem Rennplatz
Ganz cooles Rennpferd: Omi fran Stav mit seiner Reiterin Marie Lange-Fuchs. Foto: Karen Diehn
Meistertitel im Islandpferdesport ging an Marie Lange-Fuchs und ihren Hengst
Wer den Islandhengst Omi från Stav auf der Weide sieht, der glaubt kaum, dass er den amtierenden Deutschen Meister im 250 m Passrennen und damit einen der schnellsten Rennpasser Deutschlands vor sich hat. Denn der Achtjährige zeigt sich inmitten seiner Stuten von der eher gemütlichen Seite und wirkt kaum wie ein heißblütiges Rennpferd. Wie schnell Omi auf der Passbahn sein kann, wusste seine Besitzerin Marie Lange-Fuchs bis zur Offenen Deutschen Islandpferdemeisterschaft (DIM) in Lingen Mitte Juli noch nicht. Denn der Isabell-Hengst mit der markanten Blesse war erst Mitte März in ihren Besitz gewechselt, nachdem sie seine Verkaufsanzeige eher zufällig in einer Internet-Pferdebörse im vergangenen Winter entdeckt hatte. „Den will ich haben“, habe sie sofort gedacht, als sie das Bild und die Beschreibung das erste Mal sah, erzählt die neue Deutsche Meisterin. Ehe sie ihr Traumpferd zu sich auf den Hof Kjölavík nach Hohenfelde holte, vergingen noch einige Monate. Denn trotz der spontanen Begeisterung habe sie „lange überlegt“ und sei immer wieder um die Anzeige „herumgeschlichen“, ehe sie sich zu einer Reise nach Schweden, dem ersten Proberitt und schließlich dem Kauf entschieden habe.
Zwar war ihr vierbeiniger Neuerwerb in seiner alten Heimat keine Sportturniere gelaufen, seine Abstammung und die Noten seiner abgelegten Zuchtprüfung waren allerdings überaus vielversprechend. Immerhin war Omi mit einer Gesamtnote von 8,29 als Fünfjähriger sogar der am höchsten beurteilte Hengst seiner Altersklasse außerhalb Islands und als Zuchtpferd für die schwedische WM-Mannschaft qualifiziert. Auf einen WM-Einsatz verzichteten die Vorbesitzer allerdings. Stattdessen wurde der Hengst überwiegend in der Zucht eingesetzt und sorgte in Schweden schon für mehr als 60 Nachkommen.
Die gelungene Turnierpremiere absolvierte Marie Lange-Fuchs mit ihrem neuen Pferd im April im Rahmen der Norddeutschen Hengstschau in Ehndorf. Im Mai folgte der zweite Start im Sport, diesmal im niedersächsischen Ellringen. Wieder ging die Profireiterin mit ihrem Vierbeiner in mehreren Prüfungen an den Start. In der Passprüfung holten sie den Sieg und wurden im 250 m Passrennen Zweite.
„Für die DIM hatte ich mir deswegen eher Chancen in der Passprüfung ausgerechnet“, erzählt die IPZV-Trainerin, die seit Jahren erfolgreich Pferde vorstellt. In Lingen sei ihr allerdings in der Passprüfung ein Fehler unterlaufen, was sie in der Meisterschaftswertung nach hinten geworfen habe. Am Ende wurde es in dieser Disziplin nur Platz 17.
Im Passrennen lief dagegen alles rund: Mit einer Zeit von 22,74 s fegte Omi über die Distanz. Schneller war nur der Weltrekordpasser Lotus frá Aldenghoor unter dem isländischen Reiter Beggi Eggertsson, der in 22,23 s im Ziel war. Als bestes deutsches Paar bekam aber Marie Lange-Fuchs mit Omi från Stav den Titel und die Meisterschärpe. Sarah Kuhls aus Hornbek, die im Vorjahr Vizemeisterin im Speedpass geworden war, wurde im Sattel von Saga vom Störtal, mit 23,04 s Vierte und sicherte sich darüber hinaus Rang fünf im Speedpass.
Dass ihr Omi angesichts der starken Konkurrenz mithalten könnte, hatte seine Besitzerin nicht für möglich gehalten: „Ich wusste ja, dass der Pass gut ist, aber so gut?“ Um schnell zu sein, habe sie mit ihrem vielseitigen Vierbeiner nicht einmal ein gezieltes Vorbereitungsprogramm absolviert. „Seit der Hengstschau im April stand Omi bei den Stuten. Vor der DIM habe ich vielleicht zehn Tage gezielt trainiert,“ verrät Marie Lange-Fuchs. Durch die starke Leistung auf der DIM sei Bundestrainer Horst Klinghardt auf sie und den schnellen Omi aufmerksam geworden.
An ihrem Hengst schätzt die 33-Jährige, die auch gelernte Pferdewirtin ist, die tollen Gänge, aber vor allem seinen Charakter. Wenn sie über ihren Hengst spricht, gerät sie regelrecht ins Schwärmen. „Er macht einfach nur Spaß!“ Und selbst unter Rennbedingungen bliebe er immer ganz cool und ließe sich quasi an- und ausschalten. „Beim Start sagt man ihm: Jetzt lauf mal, Omi, das macht er dann. Danach ist er wieder ganz ruhig und gelassen.“
Vorerst hat der schicke Isabell eine Sportpause eingelegt und widmet sich hingebungsvoll seiner Aufgabe als Vatertier. Weitere Ausflüge auf die Passbahn sind allerdings in diesem Jahr nicht ausgeschlossen, im September findet schließlich noch das Passchampionat in der Nähe von Hannover statt.
Die diesjährige Deutsche Meisterschaft der Islandpferde bescherte noch weiteren Reitern aus dem Norden gute Platzierungen und Meisterschärpen. Svenja Schumacher, eine der starken Teilnehmerinnen aus dem Juniorenlager, kam in der Gehorsam Kür und der Gehorsam A auf vordere Plätze, und das gleich mit zwei Pferden. Die mehrfache Deutsche Jugendmeisterin aus Norderstedt ritt mit dem Schimmelhengst Jaki von Aegidienberg in beiden Prüfungen auf Rang drei. Mit dem in Dänemark gezogenen Mundilfari frá Lundehøjgård belegte sie außerdem einen fünften Platz in der Kür.
Stephanie Bruckert-Nagel (Grothusenkoog) erritt sich mit ihrem Fuchs Hreinn frá Votmúla über das C- und B-Finale das Ticket für die Endrunde des Deutschen Viergangpreises. Hier reichte es nicht ganz fürs Treppchen, denn das Paar kam auf Rang vier.
Eine beachtliche Siegesserie legte Frauke Schenzel aus Ellringen hin. Die mehrfache WM-Teilnehmerin wurde Meisterin im Deutschen Viergangpreis und holte den Vizemeister-Titel im Töltpreis mit dem Fuchswallach Tigull vom Kronshof. Mit Teigur vom Kronshof holte die Profireiterin den Sieg im Deutschen Fünfgangpreis. Die Vorjahresmeisterin Vicky Eggertsson landete in dieser Prüfung mit dem auf dem Barghof (Görnitz) gezogenen Kvikur auf Rang drei. Ihre dritte Meisterschärpe nahm Frauke Schenzel für den Sieg in der Fünfgangkombination in Empfang.
Karen Diehn





