Pferd und Reiter
04.06.2010 -
Pferderassen im Portrait: Paso Peruano
In seinem Herkunftsland Peru wird der Paso Peruano als Ein-Gang-Pferd im viertaktigen Tölt Paso Llano geritten.
Der Peruaner mit dem Feuer
Edle Pferde mit feurigem Temperament und einer anmutigen Ausstrahlung: Mit ihren bequemen Gängen, dem Paso Llano und dem passähnlichen Sobreandando dienten die Pasos Peruanos den peruanischen Großgrundbesitzern spanischer Herkunft zum Abreiten der Ländereien. Sabine Gaack aus der Nähe von Meldorf in Dithmarschen züchtet diese Rasse und reiste für ihre Vierbeiner auch schon nach Peru.
„Man versteht seine Pferde erst richtig, wenn man einmal in ihrem Ursprungsland gewesen ist“, sagt Sabine Gaack, die in den letzten fünf Jahren zwei Mal nach Peru flog. Auf ihren Reisen besuchte sie ihre Tochter, die vier Jahre in Peru lebte und ein Zuchtturnier, welches jedes Jahr im April stattfindet. „In einer Woche reisen dort über 700 Pasos an. Das sind so viele, wie in ganz Europa registriert sind“, schwärmt Gaack, die auf ihren Reisen Land und Leute kennenlernte und viele Kontakte zu Züchtern knüpfen konnte.
Der Paso Peruano wird seit 1534 gezüchtet und stammt von altspanischen und nordafrikanischen Pferden ab, die durch spanische Eroberer im 16. Jahrhundert als Kriegspferde nach Peru gelangten. Dort werden die 143 bis 155 cm großen Pferde auch heute noch von den Großgrundbesitzern zum täglichen Abreiten der Ländereien genutzt. „Dafür müssen sie sehr anspruchslos, hart und bequem zu sitzen sein, gleichzeitig aber auch imposant wirken. Denn die peruanischen Großgrundbesitzer spanischer Herkunft sind ziemliche Machos. Ein edler Paso wirkt wie ein Mercedes hierzulande“, sagt die Züchterin lachend.
Das feurige Temperament und ihre edle Ausstrahlung wird in Peru auch „Brio“ genannt. Das heißt übersetzt Feuer. Denn trotz ihrer sensiblen und menschenbezogenen Art sind die Pasos Peruanos sehr temperamentvoll. Ihren bequemen Sitz verdanken sie ihrem viertaktigen Tölt, dem Paso Llano, und ihrem zum Pass tendierenden Gang Sobreandando. Das macht sie auch heute besonders beliebt bei Freizeit-, Wander- und Distanzreitern. Weiterhin zeichnen sich die peruanischen Pferde durch das sogenannte Termino aus, ein seitliches Ausgreifen der Vorderbeine aus der Schulter heraus. „Dies ist kein Stellungsfehler, wie es so oft vermutet wird, sondern wurde gezüchtet, um einen noch weicheren Sitz zu erreichen. Im Freilauf kann der Paso auch traben und galoppieren. Diese Gangarten sind aber oft nicht so sauber und taktklar. In seiner Heimat wird er nur als Ein-Gang-Pferd im Paso Llano geritten“, erklärt die Züchterin, die sich gut mit Gangpferden auskennt.
Vor ihren Pasos Peruanos, die sie zusammen mit ihrem Mann seit sieben Jahren züchtet, betrieb Familie Gaack 30 Jahre eine Isländerzucht in Hamburg und später in Niedersachsen. „Parallel interessierte ich mich aber auch für andere Gangpferde und informierte mich über die verschiedenen Rassen. Wegen ihres Temperaments interessierten mich die Pasos Peruanos am meisten, doch wir hatten keine Gelegenheit die Pferde kennenzulernen. Eines Tages las ich jedoch in der Tageszeitung von einem Gangpferderitt ganz in der Nähe, bei dem auch Pasos teilnehmen sollten. Kurzerhand fuhren wir hin, nahmen Kontakt mit den Haltern auf und durften ihre Pasos auch ausprobieren“, erzählt Gaack, die nach langjähriger Isländerzucht Lust hatte, etwas Neues zu probieren.
So entschloss sie sich, ihre Zucht umzustellen. Sie recherchierte nach Züchtern, schaute sich Pferde an und kaufte schließlich einen Junghengst und später eine Jungstute aus dem Westerwald. Nach erfolgreicher Aufzucht und Körung folgten weitere Pasos Peruanos. Anfangs züchtete Familie Gaack Isländer und Pasos parallel, doch bald wollten sie sich für eine Rasse entscheiden. Die Isländer mussten gehen. Heute lebt die Familie in Nindorf, in der Nähe von Meldorf in Dithmarschen, wo Sabine Gaack vor drei Jahren die Leitung der Bibliothek übernahm. Zu ihrem kleinen Gestüt Qorikancha, das nach einem Gebäude der Inkas in Peru benannt ist, zählen heute sieben Pasos Peruanos. Unter ihnen der einzige in Schleswig Holstein lebende anerkannte Deckhengst, drei erwachsene Stuten, ein Wallach und zwei kleine Fohlen. Ein weiteres Fohlen soll in den nächsten Tagen zur Welt kommen.
Neben den Pferden von Familie Gaack gibt es in Schleswig-Holstein etwa fünf bis sechs Einzelbesitzer von Pasos Peruanos. „In ganz Deutschland sind es etwa 400 bis 500 Pferde. Diese werden von der Paso Peruano Europa (PPE) betreut. Hier habe ich auch lange Zeit die Geschäftsstelle betreut. Im Januar musste ich mein Amt allerdings abgeben, da die Ausbildung meiner Pferde viel Zeit in Anspruch nimmt“, sagt Gaack, die ihre Pferde nach altbewährten Traditionen aus Peru ausbildet. Dabei werden die Fohlen und Jungpferde schon früh an das Halfter, Bodenarbeit und die Longe gewöhnt.
Eingeritten werden die Pasos Peruanos dann erst mit etwa vier Jahren. Dazu wird im ersten Jahr der Ausbildung ein gebissloses peruanisches oder kolumbianisches Bosal verwendet, das später durch die peruanische Kandare ersetzt wird. Nach einer guten Ausbildung kann der Pasos Peruano fast unsichtbar mit leichten Gewicht- und Zügelhilfen am durchhängenden Zügel mit einer Hand geritten werden. Bei speziellen Turnieren für Gangpferde werden die Paso Peruanos in Sportprüfungen und Zuchtprüfungen vorgestellt. Die Sportprüfungen können zum Beispiel als Dreigang-, Handpferde-, Gehorsamsprüfungen oder Trails abgelegt werden. Für die Zuchtprüfungen ist ein traditionelles Outfit, bestehend aus einem weißen oder farbigen Poncho, einem Sombrero, einer weißen Hose und einem weißen Halstuch vorgeschrieben. „Mein Ziel ist es, demnächst auch bei diesen Turnieren teilzunehmen und den Paso Peruano bekannter zu machen. Weiterhin würde ich in Schleswig-Holstein gerne Showreiten und Seminare mit meinen Pferden anbieten“, erzählt die Züchterin der peruanischen Pferde.
Lena Dittmer





