Pferd und Reiter
04.06.2010 -
160 Kilometer mit Pferd und Rad durch den Regen
Auf den letzten Metern zum Haupt- und Landesgestüt ging es durch eine schöne Allee. Foto: Stadler
Reiten, Radeln und Regen
Ein Wanderritt zu Pferd und Drahtesel. Ungewöhnlich? Nicht für Anja Stadler und ihren Mann Jan aus Eggebek bei Tarp. Die begeisterte Reiterin und ihr nicht reitender Mann fanden ihren ganz eigenen Weg, einen gemeinsamen Wanderurlaub zu unternehmen. Ein Erlebnisbericht von Anja Stadler.
Wie jedes Jahr wollten meine Freundin und ich auch in diesem Frühling einen Wanderritt machen. Hierzu hatten wir uns den Gestütsweg vom mecklenburgischen Landgestüt in Redefin bis zum Brandenburgischen Haupt- und Landgestüt in Neustadt (Dosse) ausgesucht. Gut ausgeschildert führt dieser über rund 160 km durch abwechslungsreiche Landschaften zwischen der Griesengegend, dem Unesco-Biosphärenreservat und dem Westerhavelland.
Leider fiel meine Freundin Ulrike in diesem Jahr aus. Sollten mein Mecklenburger Kaltblut, Roby Nesch, und ich allein los? Spontan und überraschend für mich entschied sich mein Mann, Jan, uns mit dem Fahrrad zu begleiten – dies völlig untrainiert. Nach anfänglicher Skepsis meinerseits wurden auf die Schnelle Packtaschen für den Drahtesel angeschafft. Schon eine halbe Woche später ging es mit Auto und Pferdeanhänger los. Als wir Roby Nesch verluden, bestaunte er den auf der freien Anhängerseite bereits stehenden, liebevoll verzurrten Drahtesel nur kurz. Nach dreistündiger Autofahrt von Eggebek nach Redefin wurden Pferd, Fahrrad und Gepäck ausgeladen und gut untergebracht. Wir mussten uns nun erst einmal um die Logistik kümmern und unseren Fuhrpark an das Ziel der Reise, nach Neustadt, bringen. Dies dauerte tatsächlich den halben Tag.
Ab dem ersten Tag vom Regen begleitet
Am nächsten Morgen starteten wir zur ersten Tagesetappe. Jan mit 13 kg Fahrradgepäck und Roby Nesch und ich mit 10 kg in den Satteltaschen. Man sagt doch immer, Frauen brauchen so viel Gepäck? Es nieselte, wir zogen bereits morgens die Regenbekleidung an. „Was für ein Anfang?“, fragten wir uns. Belohnt wurden wir dann trotz mittlerweile starkem, ganztägigem Regen von dem Anblick der herrlichen Natur. Wir radelten und ritten durch große Kieferwälder und Heidelandschaft. Wie gut, dass bei unserer ersten Unterkunft die Heizungen liefen und wir unsere Sachen bis zum nächsten Morgen trocken bekamen.
Bei der Vorbuchung der Unterkünfte achteten wir bereits darauf, dass das Pferd eine Box beziehungsweise einen luftigen Unterstand hat und somit auch über Nacht abtrocknen kann. Roby Nesch fühlte sich auch offensichtlich wohl, was uns seine Liegespuren am nächsten Morgen bewiesen. Mein Mann Jan hingegen spürte am nächsten Morgen seinen Muskelkater. Aber er schlug sich wacker weiter. Nicht gut war weiterhin das Wetter: Es nieselte nicht nur – es goss gleich morgens. Umso mehr erfreuten wir uns an einem Biber beim Ritt entlang der Elde und an einer kleinen Gruppe vorbeiziehender Wildschweine, ebenso wie an den riesigen Douglasien in der Nähe des Gadower Schlossparkes.
Herdenmitglied: Fahrradfahrer
Roby Nesch hatte Jan mit seinem rollenden Hilfsmittel sehr bald als Herdenmitglied anerkannt. Er drehte sich um und drosselte das Tempo, wenn Jan im Trab oder Galopp mal weiter hinter uns zurückblieb. Sobald Jan mit dem Fahrrad wieder näher herankam, legte er im Tempo wieder zu. Insgesamt sechs Tage waren wir unterwegs. Bis auf einen Sonnentag – den wir in uns aufsogen – hatten wir nur Regen. Aber auch dem Regen konnten wir einiges Gutes abgewinnen: Dadurch waren die losen Sandwege fester und für Pferd und Radler einfacher zu absolvieren.
Für Reiter und Kutschfahrer ist der Gestütsweg vom Streckenverlauf und den Bodenverhältnissen wirklich herrlich. Roby Nesch ist Barhufer, und man sah seinen Hufen nach Ankunft in Neustadt die gelaufenen 160 km überhaupt nicht an.
In Neustadt endet der Gestütsweg. Stolz ritten und radelten wir am Gestütsfriedhof vorbei, durch eine typisch brandenburgische Allee, zum Haupt- und Landgestüt.
Diese neue und gelungene Erfahrung, mit einem nichtreitenden Partner, Familienmitglied oder Freund einen gemeinsamen „Wanderurlaub“ zu unternehmen, findet ja vielleicht ein paar Nachahmer.
Anja Stadler





