Pferd und Reiter
21.05.2010 -
Pferderassen im Portrait: Schwarzwälder Kaltblut
Das Schwärzwälder Kaltblut ist mit einer Größe von 148 bis 160 cm eine eher kleine Kaltblutrasse. Foto: privat
Vom Schwarzwald in den hohen Norden
Ob Schwarzwälder Kirschtorte oder Schwarzwälder Kaltblut, beide haben ihren Ursprung im Süden von Deutschland. Doch auch in Schleswig-Holstein finden sich Liebhaber für Torte und Pferd. Hinnerk Soll ist einer von ihnen, obwohl er im Gegensatz zur Torte die kleinen Kaltblüter erst vor sechs Jahren für sich entdeckte. „Ich reiste quer durch Deutschland in den Schwarzwald, schaute mir Pferde an und unterhielt mich mit Leuten“, erzählt Hinnerk Soll, der sich mit Eintritt ins Rentenalter Pferde anschaffen wollte und nach einer passenden Rasse Ausschau hielt.
„Wichtig bei der Auswahl war mir vor allem, dass ich die Pferde alleine gut händeln kann. Außerdem sollten sie sich zum Fahren eignen, da ich altersbedingt nicht mehr reiten kann. Die Schleswiger Kaltblüter waren mir zu großrahmig, und so entschied ich mich schließlich für das Schwarzwälder Kaltblut“, erzählt der ehemalige Bauleiter im Industriebau weiter. Für seinen Hof plante er den Bau von Stallungen und einer Halle, denn die ersten beiden Stuten aus Niedersachsen waren schon gekauft. Heute stehen auf Solls Hof sechs Pferde und zwei Fohlen, die in diesem Monat zur Welt gekommen sind. Doch auch in seiner Kindheit hatte der Züchter schon viel mit Pferden zu tun. „Meine Eltern besaßen einen landwirtschaftlichen Betrieb mit einigen Schleswiger Kaltblütern, und ich ritt in den umliegenden Reitvereinen. Als der elterliche Betrieb schloss, endete damals aber auch mein Pferdezeitalter“, erzählt Soll, der heute ein leidenschaftlicher Freizeitfahrer ist. „Das Schwarzwälder Kaltblut ist für Freizeitreiter und -fahrer sehr gut geeignet. Mit der Fahrgemeinschaft Schleswig-Holstein/Hamburg war ich bereits bei einigen Ausfahrten, wie etwa dem historische Kutschentreffen am Anfang des Monats in Pronsdorf. Aber auch für den Therapiebereich sind die Füchse gut zu gebrauchen“, berichtet Soll von den Pferden, die auch Sankt Märgener Füchse, Sankt Märgener, Schwarzwälder Füchse, Schwarzwälder Pferde oder einfach nur Wälderpferde genannt werden. Denn das fuchsfarbene Schwarzwälder Kaltblut wird seit dem Mittelalter im Schwarzwald und besonders in Sankt Märgen, das als Hauptgemeinde der Schwarzwälder Kaltblutzucht gilt, gezüchtet. Dort wurde die Rasse für die Landwirtschaft und schweren Waldarbeiten gehalten und passte sich den schwierigen Verhältnissen des Schwarzwaldes an. Die Pferde überstanden harte und lange Winter mit einer kargen Futtergrundlage, engen Platzverhältnissen und unregelmäßigen Arbeitsbelastungen. An diese Lebensbedingungen angepasst, entwickelten sie sich mit 148 bis 160 cm Stockmaß zu kleinen, genügsamen, leichtfuttrigen, gelassenen, zuverlässigen und zähen Pferden.
„Besonders hervorzuheben ist die gute Gesundheit des Schwarzwälder Kaltbluts. In all den Jahren habe ich nicht einmal mit einer Kolik zu tun gehabt. Wichtig ist aber eine angemessene Fütterung, denn die Füchse sind schnell überfüttert und werden zu fett. Während die hierzulande gängigen Pferderassen schon mal dösend auf der Weide stehen, frisst der Schwarzwälder weiter. Wohl ein Erbe seiner Herkunft“, sagt der Züchter lachend, der seine Pferde beim Pferdestammbuch Schleswig-Holstein/Hamburg eintragen lässt. In der Rassebeschreibung ist als Zuchtziel neben der Größe der Hengste bis 160 cm und der Stuten von 148 bis 156 cm eine Fuchs- bis Dunkelfuchsfarbe der Pferde vorgeschrieben. Der Kopf soll kurz und trocken, markant und mit ausdrucksvollen Augen sein, der Hals kräftig und gut aufgesetzt, der Körper leicht bis mittelrahmig, die Schulter schräg und die Kruppe breit und stark bemuskelt. Vom Fundament werden kräftige und klare Gelenke und harte Hufe verlangt, und der Bewegungsablauf soll raumgreifende Gänge zeigen.
„Im Pferdestammbuch Schleswig-Holstein sind zurzeit sechs Stuten eingetragen. Im gesamten Bundesgebiet gibt es aber etwa 800 Stuten und 50 Hengste, wobei das Hauptzuchtgebiet natürlich in Baden-Württemberg liegt. Weiterhin sind die Schwarzwälder auch in Hessen, Niedersachsen und den neuen Bundesländern vertreten“, erklärt Soll. Doch das Schwarzwälder Kaltblut steht auf der Roten Liste der gefährdeten Haustierrassen. Denn durch die starke Technisierung und Motorisierung in der Landwirtschaft war die Arbeitsleistung der Kaltblutpferde nicht mehr gefragt. Von 1.234 Zuchtstuten, die 1947 in den Zuchtbüchern verzeichnet waren, erreichte 1977 die Zucht mit 159 eingetragenen Stuten einen absoluten Tiefstand. In den folgenden Jahren begannen die ersten staatlichen Förderungsmaßnahmen zur Erhaltung der Rasse. Das Haupt- und Landgestüt Marbach übernahm die Hengsthaltung und Jungpferdeaufzucht, und staatliche Zuchterhaltungsprämien für Stuten und Fohlenaufzucht wurden eingeführt.
Hinnerk Soll sieht die Gefährdung nicht mehr als akut an, denn: „Der Schwarzwälder ist die einzige Kaltblutrasse mit einer positiven Tendenz bei den Bedeckungszahlen. Außerdem bin ich mir sicher, dass sich die Zucht der Schwarzwälder schon alleine aufgrund ihrer guten Eigenschaften wieder aufbauen wird.“
Melanie Kayser





