Pferd und Reiter
21.05.2010 -
Titel für die Lokalmatadore
„Ich bin richtig stolz auf uns beide“, verkündete Carsten-Otto Nagel auf Lex Lugar nach seinem Sieg. Foto: Birgit Kraft
Carsten-Otto Nagel und Falk Rosenbauer sind Derbysieger
In Klein Flottbek hielten über 20.000 Besucher den Atem an, als Carsten-Otto Nagel in den Stechparcours einritt, und jubelten, als er fertig war. Der Reiter aus Wedel hatte den Ritt gegen die Uhr gewonnen und siegte mit Lex Lugar im Deutschen Spring-Derby. Auf dem Dressurviereck war es ebenfalls spannend. Zum ersten Mal seit vielen Jahren gab es ein „richtiges“ Derby, das Falk Rosenbauer vom Grönwohldhof gewann.Er hat aufs richtige Pferd gesetzt und gewonnen. „Ich war einfach dran“, strahlte Carsten-Otto Nagel und freute sich über den zweiten Derbysieg nach 1999. Der Reiter aus Wedel ging mit zwei Pferden in die Qualifikationsprüfungen. Sein erprobtes Derbypferd Calle Cool hatte sich vorher im Training am Wall leicht verletzt und wollte danach dort nicht mehr herunterspringen. „Also habe ich am Dienstag Lex Lugar gesattelt und auch mit ihm ein bisschen geübt.“ Mit beiden ging er an den Start und entschied sich kurz vor dem Finale am Sonntag für den erst zehnjährigen Lordanos-Sohn.
Stechen mit vier Reitern sorgte für Spannung
„Ich habe Glück gehabt, als Letzter ins Stechen zu kommen und dann auch als Letzter im Stechen zu starten“, weiß Nagel. In diesem Jahr gab es ein Stechen der vier Reiter mit vier Fehlern, denn keiner der 32 angetretenen Starter konnte den Derby-Parcours fehlerlos beenden. Lex Lugar holte seine Minuspunkte am Pulvermannsgrab, dem einzigen Hindernis, das um 5 cm auf 1,53 m erhöht wurde. Ob die Erhöhung des Hindernisses allerdings der Grund für die fehlenden Nullfehlerritte war, konnte keiner so genau sagen, denn, wie es Sport-Chef Paul Schockemöhle formulierte: „Der Sport ist nicht planbar.“ Auf Rang zwei im wohl schwierigsten Springen der Welt kam Heiko Schmidt aus Mecklenburg-Vorpommern mit Coverlady, der ebenfalls im Stechen keinen Fehler hatte, nur langsamer war als Nagel. „Carsten-Otto hat es einfach noch besser gemacht und hat heute verdient gewonnen“, kommentierte Schmidt.
Ein weiteres Highlight war der Große Preis von Hamburg, der gleichzeitig Qualifikation für die Global Champions Tour war, die höchstdotierte Springserie, bei der es am Ende 285.000 € Preisgeld zu gewinnen gibt. In Klein Flottbek gingen schon mal 95.000 € an die Siegerin Lauren Hough aus den USA. Auf Rang fünf hielt Janne-Friederike Meyer auf Lambrasco die schleswig-holsteinische Flagge hoch.
Wieder „richtiges“ Dressur-Derby
Zum letzten Mal fand 1992 ein „richtiges“ Dressur-Derby statt, denn damals traten alle Reiter im Finale mit ihren eigenen Pferden an. Es gewann seinerzeit Reitlegende Herbert Rehbein vom Grönwohldhof, der insgesamt neun Mal siegte. In den Folgejahren wurden meist Pferde ausgeliehen, um die eigenen zu schonen. In diesem Jahr aber war das Derby bereit für ein Comeback der guten Traditionen. Drei Toppferde starteten im Finale, und der Sieg ging wieder auf den Grönwohldhof vor den Toren Hamburgs, denn an dem dort ansässigen Berufsreiter Falk Rosenbauer kam keiner vorbei. Er belegte mit seinem erst neunjährigen Hengst Desperados Rang vier im Grand Prix und rückte ins Finale der besten drei nach, weil die Drittplatzierte ein verletztes Pferd hatte. Im großen Dressur-Derby am Sonntag traf Rosenbauer dann auf Carola Koppelmann und ihren siebzehnjährigen Le Bo. Das Paar hatte den Grand Prix und die Kür gewonnen. Außerdem mit dabei Oliver Luze mit dem Holsteiner Carabas von Carnaby, der Rang zwei im Grand Prix belegte und im Spezial siegte. „Ich habe Carabas seit Februar wieder und bin sehr froh, dass wir wieder so gut zusammengefunden haben“, erklärte Luze, der seit ungefähr einem Jahr auf dem Helenenhof in Schleswig-Holstein zu Hause ist und Carabas, den er selbst ausgebildet hat, für einige Zeit abgeben musste, da er nach Dänemark verkauft war. Nun sind beide wieder vereint, und Schleswig-Holstein hat ein Erfolgspaar mehr.
Luze kam am Sonntag nach den drei Ritten auf unterschiedlichen Pferden auf Rang zwei, punktgleich mit Carola Koppelmann. „Ganz ehrlich: Mein Pferd reite ich am liebsten. Aber es war eine tolle neue Erfahrung für mich“, sagte Koppelmann nach dem Reiterwechsel, denn auch sie hatte genau wie Oliver Luze noch nie eine Grand-Prix-Prüfung auf einem völlig fremden Pferd bestritten. Falk Rosenbauer hingegen kannte sich aus: „Ich reite sehr viele Pferde und habe den Pferdewechsel auch schon im Berufsreiterchampionat geritten“, erklärte er und gab mit Blick gen Himmel sein eigentliches Derby-Geheimnis preis: „Ich habe Herrn Rehbein gesagt, er soll mir etwas helfen.“
Aber nicht nur für die routinierten Grand-Prix-Pferde gab es eine Tour, sondern auch für Stars von morgen, denn der Medien-Cup machte zum ersten Mal Station in Hamburg. Dieser Nachwuchs-Grand-Prix der Deutschen Reiterlichen Vereinigung für acht- bis zehnjährige Pferde wurde gut angenommen, und knapp dreißig Teilnehmer nutzten die Chance und versuchten sich durch einen der ersten zwölf Plätze in der Intermediaire II für den Medien-Cup zu qualifizieren. Aus Schleswig-Holstein durften schließlich Karin Rehbein (mit zwei Pferden) und die Australierin Kristy Oatley, die mit Rehbein auf dem Grönwohldhof trainiert, Petra Wilm sowie Alexandra Bimschas um die Fahrkarte zum Finale des Medien-Cups in Münster reiten. Bimschas, die mit ihrem zehnjährigen Rapphengst Dick Tracy am Start war, machte das Ziel der Reiter klar: „Ich will den Porsche gewinnen“, sagte sie nach ihrer mit 69,1 % gut gelaufenen Kür. Damit spielte die Reiterin auf den Ehrenpreis des Finales an. Leider reichte es für Bimschas nur für Platz vier. Damit rutschte sie knapp am Finale vorbei, denn nur die ersten drei Reiter werden nach Münster geladen. Es siegte der Däne Sune Hansen mit dem Hengst Blue Hors Romanov vor Birgit Wellhausen-Henschke mit Don Auriello und Vortagssieger Ronald Lüders auf Sancisco OLD.
Insgesamt war der ausgebaute Dressurbereich auf dem neu angelegten Viereck mit Abreiteplatz, überdachten Tribünen und Vip-Zelt eine große Bereicherung. Daniela Domnick





