Pferd und Reiter
14.05.2010 -
Pferderassen im Portrait: New Forest Pony
Ursprünglich stammen die New Forest Ponys aus einem Waldgebiet südlich von London, wo sie auch heute noch in halbwilden Herden gehalten werden. Foto: Jutta Schlüter
Sonntagspicknick in Gesellschaft halbwilder Pferde
Sie leben dort, wo Scharen erholungsbedürftiger Städter ihr sonntägliches Freizeitvergnügen suchen. Der New Forest, einst königlicher Jagdforst, ist heute ein Naherholungsgebiet südlich von London. Er beherbergt eine der größten und ältesten Herden wild lebender Pferderassen in England: das New Forest Pony, ein vielseitiges, nervenstarkes und robustes Pony aus Südengland, das auch in Schleswig-Holstein einige Anhänger gefunden hat.
Dieter Opasinski aus Dannewerk züchtet seit über 30 Jahren New Forest Ponys. Seine Hengststation beherbergt zwei gekörte Hengste und zwei Zuchtstuten. „Zurzeit haben wir noch etwa 16 Jungpferde in der Aufzucht“, berichtet Opasinski, der ursprünglich auf diese Rasse gestoßen war, als er ein Pony für seine Kinder suchte. „Bekannte von uns hielten bereits einige New Forest Ponys. Sie überzeugten uns, es auch mit dieser Rasse zu probieren. Nach kurzer Zeit waren wir von ihrer Gutmütigkeit, Robustheit und ihrer einfachen Handhabung begeistert“, erzählt der Züchter weiter. Kurze Zeit später kam eine zweite Stute dazu, und ein Jahr später kaufte Opasinski seinen ersten Hengst. „Dieser kam aus dem führenden Gestüt Camargil, das die Zucht der New Forest Ponys mit den Hengsten Merrie Mountaineer und Oakley Starlight bundesweit sehr prägte. Mein neu erworbener Hengst Marabu war ein Sohn von Merrie Mountaineer und wurde zum Begründerhengst meiner Station. In den 1980er Jahren musste das Gestüt Camargil leider schließen“, erklärt Opasinski, der in den folgenden Zuchtjahren einige einflussreiche Hengste wie Maritim, Van Gogh oder Poppings Marribo hervorbrachte, ausbildete und zur Körung vorbereitete. Betreut wird das New Forest Pony vom Pferdestammbuch Schleswig-Holstein/Hamburg. Das Zuchtziel ist ein gutmütiges, freundliches und umgängliches Freizeit- und Sportpony, das sowohl für Dressur und Springen als auch für das Fahren geeignet ist. Bei der Größe unterscheidet man zwei Typen: Der kleinere, ponyhafte Typ misst 122 bis 132 cm Stockmaß und eignet sich hervorragend als Kinderreitpony. Die größere Variante erreicht mit 148 cm das Ponyendmaß und kann auch von leichten Erwachsenen geritten werden. Die New Forest Ponys sollten schräge Schultern, eine kräftige Kruppe, starke Knochen, eine gute Körpertiefe, gerade Gliedmaßen und gute, harte, runde Hufe besitzen. Bis auf Schecken sind alle Farben in der New-Forest-Zucht willkommen. Dieter Opasinski hat sich mit seiner Zucht besonders auf das Endmaßpony spezialisiert und legt besonders viel Wert auf gute Eigenschaften: „Gutmütigkeit, Umgänglichkeit und Leichtrittigkeit sind sehr wichtig. Die Ponys sollten ein starkes Nervenkostüm besitzen, damit sie für den Gebrauch mit Kindern geeignet sind. Deswegen schaue ich bei der Auswahl der Hengste neben der Leistungsfähigkeit besonders auf die Eigenschaften der Ponys“, erklärt der Züchter der New Forest Ponys, die wegen ihrer Herkunft auch Forester genannt werden.
Der eigentliche New Forest ist ein riesiges zusammenhängendes Waldgebiet zwischen Southampton und dem heutigen Bournemouth, das vor fast 1.000 Jahren vom damaligen englischen König William Rufus zum neuen Jagdgebiet erklärt wurde. Heute gleicht dieses Gebiet einem enormen Freizeitareal mit Park- und Picknickplätzen und dient vielen Londonern als Naherholungsgebiet. Über 2.000 New Forest Ponys leben in dem staatlichen Naturreservat. Wie die übrigen britischen Berg- und Moorponys hat sich auch diese Rasse hervorragend an die freie Wildbahn angepasst. Das ganze Jahr über leben sie frei, suchen sich ihr Futter selbst und müssen mit Kälte, Regen, Schnee und Trockenheit zurechtkommen. Diese Art zu leben bringt Eigenschaften wie Trittsicherheit und Intelligenz mit sich. Leider wusste man die Härte der Ponys nicht immer zu schätzen, und so gab es im Laufe der Geschichte einige Versuche, die New Forest Ponys durch Fremdblut zu veredeln. Immer wieder wurden Vollblüter, Araber oder Hackneys eingekreuzt. Diese Versuche waren allerdings meist erfolglos, denn das mäßige Futterangebot und die nassen, kalten Winter waren für die Kreuzungen ein Problem. Sie entwickelten sich meist schlecht und ließen nicht selten ihr Leben. Ende des 19. Jahrhunderts besann man sich aber auf die Stärken der Rasse: Leichtfuttrigkeit, Robustheit, geringe Körpergröße bei einem ausgewogenen Körperbau, Intelligenz und Vielseitigkeit. Diese Eigenschaften zeichnen das New Forest Pony auch heute noch aus. Trotzdem ist die Zucht in Deutschland rückläufig. „Derzeit gibt es etwa 400 eingetragene Stuten und 60 Hengste in Deutschland. Davon sind etwa 70 Stuten und elf Hengste in Schleswig-Holstein eingetragen. In den besten Jahren waren es mal 160 Stuten und 15 Hengste. Auch die Deckzahlen sind rückläufig“, bedauert Opasinski, der sich aktiv für die New Forest Ponys einsetzt und Neuzüchter wie Thorsten Gosch aus Seeth unterstützt.
Auf dem Gestüt der Familie Gosch findet am 23. Mai ein Treffen für alle Interessierten, Züchter, Reiter und Fahrer des New Forest Ponys statt. Ab 11 Uhr kann das Gestüt besichtigt werden, können Gespräche zu Zucht, Haltung und Sport geführt werden, und neben den drei Fohlen, die Gosch bis dahin erwartet, wird auch ein Junghengst von Dieter Opasinski mit dabei sein. Weitere Informationen bei der Familie Gosch unter Tel.: 0 48 81-93 72 99.
Daniela Domnick





