Pferd und Reiter
30.04.2010 -
Norddeutsche Hengstschau der Islandpferde
Foto 1: Ulrike Lohse und Gimli vom Störtal zeigten eine sehr freie Vorstellung.
Foto 2: „Es hat Spaß gemacht“, sagte Marie Lange-Fuchs, die Omi från Stav zeigte.
Fotos: Karen Diehn
Auftritt des starken Geschlechts
Den Saisonauftakt im Islandpferdesport markiert im Norden seit Jahren traditionell die Hengstschau. Das große Schaulaufen der norddeutschen Vatertiere wird mit einem Sportturnier kombiniert. Damit bietet sich die erste Möglichkeit, vielversprechende Newcomer mit dem Wettkampftrubel bekannt zu machen und Qualifikationspunkte für die höheren Sportklassen zu ergattern. In diesem Jahr war das in Ehndorf gelegene Islandpferdezentrum Störtal von Daniel und Ina Schulz vom 23. bis 25. April Gastgeber der Traditionsveranstaltung des IPZV-Nord (Islandpferde-Reiter- und Züchterverband e.V im Norden). Das seit Jahren bewährte Hengstschaukonzept erlebte einige Neuerungen: So kam eine Jungpferdematerialprüfung am Freitag mit anschließender Körung beziehungsweise Anerkennung durch das Pferdestammbuch Schleswig-Holstein und Hamburg hinzu. Und die sportlichen Wettbewerbe wurden unter anderem durch eine „Gæðingarkeppni-Prüfung“ ergänzt, sodass die Veranstaltung um einen Tag verlängert wurde und schon am Freitag begann.
Zur Materialprüfung durch die Richter Jens Füchtenschnieder (Gaggenau) und Karin Purrucker-Ströh (Kiel) hatten sich 14 Hengste im Alter zwischen einem und vier Jahren eingefunden. Alle angetretenen Pferde wurden live per Mikrofon kommentiert, sodass die Züchter und Zuschauer die Notengebung und Beurteilung der Richter gut verfolgen konnten. Die höchste Note (8,05) erhielt der einjährige Jupiter aus der Zucht von Suzan Beuk aus Marxen. Das zweitbeste Ergebnis (8,02) erzielte Kopernikus vom Heesberg-Sohn Remus. Gezüchtet wurde dieser Zweijährige vom Gastgeber der Veranstaltung, Daniel Schulz. Elf Hengste stellten sich danach der Körung und Anerkennung durch das Pferdestammbuch, um in Schles-wig-Holstein für Nachkommen zu sorgen.
Der Sonnabend stand ganz im Zeichen der Sportprüfungen. Es ging los mit dem Gæðingarkeppni A-Flokkur, der isländischen Variante der Fünfgangprüfung. Im Sattel der Stute Daðla frá Stora-Hofi siegte Daniel Schulz. Zu den Neuerungen des Hengstschauturnieres gehörte, dass die Ritte in der Leistungsklasse 7, in der vierbeinige Turnierneulinge antreten konnten, live kommentiert wurden. Der IPZV-Ausbilder und Sportrichter Jens Füchtenschnieder griff hierfür zum Mikrofon und sorgte mit seinen Tipps dafür, dass sich einige Pferde während der Prüfung deutlich steigern konnten. Das Prüfungskonzept stieß auf viel positive Resonanz, nicht nur bei den Zuschauern, für die die Ritte aufschlussreicher wurden. Jutta Schlüter, Zuchtwartin des IPZV-Landesverbandes, lobte: „Die Nachwuchsprüfungen für junge Pferde mit der Kommentierung durch einen Richter waren eine tolle Idee.“
Siegerin in der Fünfgangprüfung der Leistungsklasse 7 wurde die aus dem niedersächsischen Ellringen angereiste Frauke Schenzel mit dem von Günther Jöhnk gezogenen Hengst Andvari vom Störtal. Christina Gerdts (Hörpel) sicherte sich mit Manni vom Hof Osterkamp den Sieg in der Viergangprüfung und bekam auf Anhieb, ebenso wie Frauke Schenzel, die nötigen Qualifikationspunkte für die Leistungsklasse 1. Der Sieg in der Passprüfung, die am Abend ausgetragen wurde, ging ebenfalls an einen Niedersachsen: Anoush Andrej Bargh gewann im Sattel von Valsi frá Flagbjarnarholti.
Die Finalrunden der Töltprüfungen fanden zu vorgerückter Stunde im Flutlichtschein statt. Mit dem sechsjährigen Þrár fra Wetsinghe holte Frauke Schenzel den Siegespokal in der T2. Johanna Beuk, Mitglied im Kader junge Reiter des IPZV, erreichte mit Merkur vom Birkenlund in der T3 die höchste Note. Zu noch späterer Stunde fand schließlich die letzte Prüfung des Tages, der Speedpass, statt. Blöndal von Störtal und Helmut Bramesfeld holten den Sieg nach Neumünster und durchbrachen vorerst die Siegesserie der Niedersachsen. IPZV-Sportrichter Andreas Windsio (Lübeck) zeigte sich beeindruckt von den guten Leistungen der Vierbeiner schon in den Vorentscheidungen: „Besonders im Fünfgang waren tolle Pferde dabei, die Noten waren entsprechend hoch.“
Der Sonntag begann, wie der Sonnabend geendet hatte: mit sehenswertem Islandpferdesport. Im ersten Finale des Tages (Viergangprüfung V2) setzte sich wieder ein Reiter aus dem benachbarten Bundesland an die Spitze: Johanna Beuk und der neunjährige Falbhengst Merkur landeten auf Platz eins.
Die hieran anschließenden Töltprüfungen der Leistungsklasse 7 kommentierte wieder gekonnt Jens Füchtenschnieder. Bei den sechsjährigen Pferden siegte Svenja Wagner mit der aus Island stammenden Stute Gletta frá Ægissíðu. In der Prüfung für fünfjährige Pferde, gesponsert vom Pferdestammbuch, kassierte Frauke Schenzel im Sattel von Andvari ihren dritten Sieg und setzte später sogar, diesmal mit dem siebenjährigen Fannar frá Kvistum, in der Fünfgangprüfung F2 der höheren Leistungsklasse ihre Siegesserie noch fort.
Vor dem großen Schaulaufen ehrte der IPZV-Nord seine erfolgreichen Züchter des Jahres 2009. Marlis Oschmann vom Nordsternhof in Balje nahm die Auszeichnung als Züchterin des Jahres entgegen. Von ihrem Hof stammt unter anderem der imposante Schimmel Freyr vom Nordsternhof, der 2009 an der Weltmeisterschaft in Brunnadern teilnahm.
Alleine oder zu zweit wurden nach den Ehrungen rund 40 Hengste und ihre Nachkommen gezeigt. Die Tribüne hatte sich am Sonntagnachmittag gut gefüllt und den Zuschauern wurden viele hoch beurteilte Pferde präsentiert. Unter die „alten Hasen“ mischten sich einige Newcomer, die im Freilauf gezeigt wurden. Die Treiber und Vorsteller kamen angesichts der Lauffreude der Vierbeiner dabei mächtig ins Schwitzen.
Zur viel beschäftigten Hengstvorstellerin avancierte wiederum Frauke Schenzel: Sie stellte nicht nur eigene Hengste vom Kronshof vor, sondern unter anderem auch den für diese Decksaison in Schleswig-Holstein stationierten Rappen Hörður frá Kolneset. Der in Norwegen gezogene WM-Teilnehmer von 2009 erntete Szenenapplaus für seinen spektakulären Trab und Tölt.
Für kleinere Highlights im bunten Reigen der Hengste sorgen stets die Schaubilder von Vererbern, die mit Nachkommen präsentiert wurden. Dabei waren dieses Mal unter anderem Alsvinur vom Osterberg, Stigur vom Störtal und Tónn frá Auðsholtshjáleigu. Einige Reiter warben für die Qualitäten ihres Vierbeiners auf besondere Weise: So demonstrierte beispielsweise Suzan Beuk, dass sie auf Bingo vom Vossbarg im Tölt sogar ohne Zügel unterwegs sein kann. Corinna Langer zeigte den fünfgängigen Nökkvi frá Kjarlalandi vor dem Sulky, während Ulrike Lohse ihren Gimli gebisslos vorstellte.
Obwohl bei einer Hengstschau natürlich eher die männlichen Vierbeiner im Mittelpunkt stehen, stahl eine Stute ihnen kurzfristig die Schau. Die 22-jährige Kolbrá frá Ásmundarstöðum, Stammstute der Heesbergschen Zucht von Daniel Schulz, nahm am Rand der Ovalbahn ganz ladylike Aufstellung. Die Braunfalbstute hatte ein wenige Stunden altes Hengstfohlen bei Fuß und wurde mit dem IPZV-Ehrenpreis für Nachkommen ausgezeichnet. Einer ihrer hoch beurteilten Söhne, der neunjährige Kopernikus vom Heesberg, erhielt diese Auszeichnung im Rahmen der Norddeutschen Hengstschau ebenfalls und brachte zur Demonstration seiner Vererberqualitäten einige seiner Nachkommen mit in die Bahn.
Marie Lange-Fuchs zeigte den in Schweden gezogenen Isabellen Omi från Stav. Für die Profireiterin aus Hohenfelde war der Ritt bei der Hengstschau eine gelungene Premiere: „Mir hat es sehr gut gefallen, es hat Spaß gemacht, hier mitzureiten!“ Auch Jutta Schlüter zog ein positives Resümee des Wochenendes: „Es war eine gut besuchte Veranstaltung, das Interesse an den Hengsten war sehr groß. Und es gab viele herausragende Pferde und viele außerordentlich harmonische Ritte.“
Die Züchter haben nun die Qual der Wahl: Nach dieser geballten Ladung von Vererbern an nur einem Wochenende dürfte es manchem sicherlich schwerfallen, sich für ein Vatertier zu entscheiden. Schließlich hat kaum einer mehr als vierzig Stuten zur Verfügung.
Karen Diehn





