Pferd und Reiter
05.03.2010 -
Pferderassen im Portrait: Das Welsh Pony
Der Welsh Cob soll stark, muskulös und zugleich unempfindlich und mutig sein. Außer Schecken sind alle Farben zugelassen. Foto: privat
Mutige Arbeitsbienen
„Schleswig-Holstein ist eine Hochburg der Welsh-Pony-Zucht“, erzählt Gudrun Wieczorek. Die Welsh-Pony-Züchterin ist begeistert von den engagierten Züchtern und der qualitätsvollen Nachzucht im Land zwischen den Meeren. „Derzeit sind 139 Stuten und 42 Welsh-Pony-Hengste im Pferdestammbuch Schleswig-Holstein und Hamburg eingetragen, und jährlich kommen etwa 38 Fohlen dazu“, weiß die Rassevertreterin.Gudrun Wieczorek und ihre Familie zogen vor fast 25 Jahren von Stuttgart an die Nordsee. „Mein Mann wollte unbedingt wieder nach Hamburg. Letztlich sind wir dann ein bisschen über das Ziel hinausgeschossen“, lacht Wieczorek.
Die Agraringenieurin und ihr Mann fanden einen Hof in Norddeich und kauften ihn. Mit im Preis inbegriffen waren 20 Ponys. „Die waren wild durcheinandergemischt. Einer Rasse gehörten die wenigsten an“, erinnert sich Wieczorek. Schnell wurde klar, dass die Herde für den Ponyhof größer werden musste, und so begab sich Familie Wieczorek auf die Suche. „Mein Leben lang habe ich für Welsh Ponys geschwärmt, ohne jemals eins gekannt oder geritten zu haben. Alleine ihr Name klang magisch für mich“, erinnert sich Wieczorek. Beim Gestüt Bumann in Gettorf fand die Ponyhofbesitzerin das Welsh Pony Santa Monika. „Ich war schnell entschlossen, und die Stute wurde mein neues Pferd. Damals wussten wir noch nicht, ob sich Welsh Ponys für die Arbeit mit Kindern eignen. Santa Monika war fantastisch mit den Kleinen und bewies uns dann schnell, wie wunderbar diese Rasse für die Arbeit auf einem Ponyhof geeignet ist“, erzählt die Züchterin. Kurze Zeit später kaufte die Familie den Jährlingshengst Palatinate Rodrigo, ein Bundessiegerfohlen mit einer sehr guten Abstammung dazu. Santa Monika und Palatinate Rodrigo bilden bis heute den Grundstamm der Zucht von Familie Wieczorek. Die Nachzucht der beiden macht den größten Teil der Herde auf dem Ponyland Norddeich aus, und so ist die Familie mit ihren Welsh Ponys erfolgreich auf Zuchtschauen, Elitestutenschauen und Leistungsprüfungen unterwegs. „Die größte Leistungsprüfung legen unsere Ponys jedoch im täglichen Ferienbetrieb als zuverlässige und einsatzbereite Partner der Kinder ab“, sagt Gudrun Wieczorek über die ehemals nach ihrem Herkunftsort als Waliser bezeichnete Rasse.
Heute kennt man das aus Großbritannien stammende Welsh Pony auch unter dem Namen Mountain Pony, Welsh B Pony, Welsh C Pony und Welsh Cob. Diese Bezeichnungen stammen aus den vier Sektionen, in die das mittlerweile deutschlandweit bekannte Welsh Pony eingeteilt wird, und sind nicht mit der Aufteilung nach Ponygrößen für Leistungsprüfungen zu verwechseln. Sektion A steht für das Welsh Mountain Pony, das sich in über 1.000 Jahren im walisischen Bergland entwickelte. „Die lebhaften, aber gutmütigen Ponys zeichnen sich durch einen kleinen, trockenen Kopf mit großen Augen und breiter Stirn aus und sind in allen Farben außer Schecken zugelassen. Am auffälligsten jedoch ist ihr bemuskelter, kräftiger Körperbau und ihr raumgreifender und energischer Bewegungsablauf. Mit einem Stockmaß von bis zu 122 cm sind die Welsh A Ponys weltweit die erfolgreichsten Kinderponys im Reit- und Fahrsport“, erklärt die Züchterin. Die etwas größeren Welsh B Ponys bilden die jüngste Sektion und entstanden durch die Nachfrage nach größeren Reit-, Turnier- und Fahrponys für Kinder. „Dabei wurden Welsh Mountain Ponys gezielt mit größeren Reitponys gekreuzt, sodass das Welsh B Pony heute ein Stockmaß von bis zu 137 cm erreicht. Gefragt sind gute Reitpferdegänge, gepaart mit viel Ponytyp und Ponycharakter“, erzählt Wieczorek weiter. Das Welsh C Pony, auch Welsh Pony im Cob-Typ genannt, hat ebenfalls ein Stockmaß bis zu 137 cm. Es ist meist sehr muskulös mit viel Substanz und einer energischen Trabaktion. „Früher wurden sie als mutige Arbeitsbienen bezeichnet, erledigten Zugarbeiten, zogen Kutschen, halfen beim Schafehüten und übersprangen Gräben und Hecken. Durch seine Zuverlässigkeit, Gutwilligkeit und Leistungsbereitschaft eignet sich das Welsh C Pony für Erwachsene und Kinder als Reit- und Fahrpferd. Erwartet werden ein barockes Gebäude mit runden Oberlinien, ein starkes Fundament mit einem kurzen Rücken und ein kleiner Ponykopf“, erklärt die Welsh-Pony-Fachfrau. Die vierte Sektion bilden die Welsh Cobs. Sie werden seit mehr als 800 Jahren gezüchtet und bestechen durch ihren imposanten, kräftigen und muskulösen Körperbau und einen energischen, kraftvollen Trab. Mit einem Stockmaß um die 150 cm sind sie beliebte Familien- und Sportpferde, die auf Reit- und Fahrturnieren bis in die höchsten Klassen erfolgreich sind. „Unsere Tochter Pia reitet mit ihrem Welsh-Cob-Wallach erfolgreiche Dressurturniere der Klasse L. Unser Gestütshengst HS Hot Playboy wird in Spring- und Dressurprüfungen der Klasse A und ab diesem Jahr in der Klasse L vorgestellt“, erzählt Wieczorek, die auf ihrem Hof inzwischen 20 Welsh A Ponys, zehn Welsh B Ponys und 30 Welsh Cobs beherbergt. „Unsere Ponys sind hier gezüchtet, geboren und aufgewachsen und werden gründlich und liebevoll ausgebildet“, erzählt sie weiter. Denn in erster Linie werden die selbst gezogenen Ponys im eigenen Reitbetrieb benötigt, der in den Ferien bis zu 70 Kinder beherbergt. In der ferienfreien Zeit werden Klassenfahrten angeboten, und viele Kinder aus dem Dorf kommen zum Reiten auf den Hof. „Der Höhepunkt einer Ferienwoche ist ein Strandritt in St. Peter-Ording. Dazu verladen wir alle Ponys auf den Lkw und fahren an den Strand. Das geht völlig problemlos, denn das Welsh Pony ist ein gutwilliges und mutiges Pony und macht einen Strandritt zum Traum für jeden Reiter“, erzählt Wieczorek, die inzwischen Pferdewirtschaftsmeisterin ist, und schwärmt: „Unsere Liebe gilt den Welsh Ponys, es ist Beruf und Berufung zugleich, und ich kann mir nichts anderes mehr vorstellen.“
Daniela Domnick





