Pferd und Reiter
05.03.2010 -
Mentalpunktur: Nicht nur Hilfe in letzter Sekunde
Ponywallach Choco sollte wegen eines erneuten Reheschubes eingeschläfert werden. Nach der Behandlung mit der Mentalpunktur erholte sich das Pony wieder.Foto: Karin Drewes
Heilung durch freie Energieflüsse
Mit der von ihm entwickelten Mentalpunktur behandelte Dr. Christian Torp vor einiger Zeit die Hufrehe des Ponywallachs Choco. Wie das Bauernblatt im April vergangenen Jahres berichtete, konnte der Veterinär dem kleinen Braunen schnell helfen, und Choco wurde einige Monate problemlos geritten. Nachdem er von einem anderen Pferd getreten wurde und ein Stein aus dem Huf geschnitten werden musste, ging es dem kleinen Braunen wieder schlechter. Ein starker Reheschub setzte ein, und ein zweiter Tierarzt plädierte für Einschläfern. Wieder wurde Dr. Torp gerufen und konnte dem Wallach mit seiner auf der traditionellen chinesischen Medizin beruhenden Behandlungsmethode helfen. Aber wie genau funktioniert die unkonventionelle Methode von Dr. Torp? Karin Drewes hat nachgefragt.
Wie kamen Sie zur Mentalpunktur?
Dr. Christian Torp: In den Akupunktur-Grundkursen wird gelehrt, dass ein guter Akupunkteur sich durch das Setzen weniger Nadeln auszeichnet. Diesem Grundsatz bin ich gefolgt und habe so eine eigene Einnadeltherapie entwickelt, mit der ich seit dem Jahr 2003 sehr erfolgreich arbeite. Im Laufe der letzten Jahre habe ich erfahren, dass die Akupunktur auch gänzlich ohne Nadel möglich ist. Diese Form der Akupunktur ist die Mentalpunktur. Egal ob Akupunktur (mit Nadel), Laserpunktur (Akupunktur mit Laser), Akupressur (Akupunktur durch Fingerdruck), Mentalpunktur (Akupunktur durch Konzentration oder Intention), es geht immer nur um eines: Der gestörte Qi-Fluss (frei übersetzt: Energiefluss), die Ursache aller Erkrankungen, muss behandelt werden, um echte Heilung zu erreichen.
Wird bei Choco zukünftig bei jeder Unregelmäßigkeit wieder ein Reheschub auftreten?
Jeder Körper reagiert bei Störungen des Energieflusses an seiner Schwachstelle. Bei Choco sind es die Hufe, bei einem anderen die Lungen, beim nächsten der Darm und so weiter. Die Behandlung erfolgt in jedem Fall nach dem gleichen Prinzip. Der Zustand wird aber mit jeder Behandlung stabiler. Eine Behandlung wird nicht wiederholt, denn eine einmal ursächlich gelöste Blockade bleibt nachhaltig gelöst. In den Folgebehandlungen werden grundsätzlich andere Therapiepunkte behandelt.
Wie hilft bei Choco mit seiner chronischen Hufrehe die Mentalpunktur?
Bei einer gestörten Gesundheit oder chronischen Erkrankung finden wir einen gestörten Energiefluss vor. Diese Störung war schon vor dem Auftreten der klinischen Erkrankung vorhanden. Darum muss ich den gestörten Energiefluss wieder in Gang bringen, sonst ist echte Heilung nicht möglich. Nach meiner Erfahrung ist die Ursache einer chronischen Erkrankung nie dort zu finden, wo sich die Krankheit manifestiert, also in Erscheinung tritt. Für mich ist es daher zu einem Glaubenssatz geworden, dass ich mich von den Krankheitssymptomen lösen muss, um wirkliche Heilung zu erreichen. Daher untersuche ich das Pony Choco genauso wie ein Pferd mit einer chronischen Lahmheit oder einer Neigung zur Kolik, immer im Vertrauen darauf, dass der freie Qi-Fluss in der Lage ist, alles zu heilen, was noch heilbar ist.
Wie wird diese Mentalpunktur von den Pferdehaltern angenommen?
Anfangs war es für mich sehr schwer zu begreifen, dass der Fortschritt, ohne Nadeln behandeln zu können, zu starker Verunsicherung meiner Kunden geführt hat. Das Setzen der kleinen Nadel vermittelte offensichtlich Seriosität und das Gefühl, etwas nachvollziehen zu können. Seit mir dieses Problem bewusst wurde, nehme ich mir mehr Zeit, den Patientenbesitzern jeden Schritt meiner Therapie zu erklären. Ich zeige den Punkt, den ich früher genadelt hätte und zeige dann auch, was in den letzten zwei Jahren neu hinzugekommen ist. Das sind Elemente aus der Osteopathie, Chiropraktik, Kinesiologie und anderem. Ich erkläre und beweise, dass die Nadel auch eine Begrenzung darstellt und ich durch die Mentalpunktur oder, exakter beschrieben, die akupunkturorientierte Energiearbeit (AOE) viel effizienter behandeln kann als vorher.
Gewinnt die Mentalpunktur an Bedeutung?
Ich fühle mich genau wie vor 20 Jahren. Damals begann ich mit der Akupunktur bei Pferden und wurde als Exot belächelt und täglich mit Ungläubigkeit konfrontiert. Heute ist die Akupunktur gesellschaftsfähig und ein wichtiger Bestandteil der Therapie von Mensch und Tier. Nun behandele ich mittels Mentalpunktur und habe mit derselben Ungläubigkeit zu kämpfen. Mein Kundenstamm hat sich zu einem großen Teil völlig verändert, ist aber wie damals langsam wachsend.
Wie erfolgreich ist Ihre Behandlungsmethode?
Es gibt keine hundertprozentige Garantie auf Heilung. Zu kompliziert sind die biologischen und energetischen Zusammenhänge. Ich bewege mich aber doch in einem Erfolgsbereich von 90 % was chronische Erkrankungen anbelangt. Es gibt wirklich nur wenige Pferde, die nach ein bis vier Behandlungen nicht eine deutlich zu verzeichnende Besserung ihres Gesundheitszustandes erreichen. Meistens sind nur zwei oder drei Behandlungen nötig, manchmal auch vier. Ausnahmen bilden die Fälle, in denen zerstörte Strukturen zugrunde liegen. Das sind beispielsweise Arthrosen im weit fortgeschrittenen Stadium.
Sind die meisten Pferde, zu denen Sie gerufen werden, Problempferde im Endstadium?
Die meisten auf keinen Fall. Aber es sind doch recht viele, zu denen ich erst gerufen werde, wenn wirklich alles andere zu keinem Erfolg geführt hat. Das ist sehr schade, denn die eigentliche Stärke der akupunkturorientierten Energiearbeit liegt im vorbeugenden Bereich oder im Bereich der Krankheitsentstehung. Nehmen Sie die Hufrollenerkrankung des Pferdes. Schon lange vor dem Auftreten klinischer Erscheinungen (Lahmheit, positiver Röntgenbefund) zeigt das Pferd spezifische energetische Blockaden, eventuell auch gepaart mit ersten Verhaltensauffälligkeiten wie beispielsweise Stolpern oder häufigem Verfallen in den Kreuzgalopp. In dieser ersten Phase lässt sich noch vieles durch eine gute Reitweise kompensieren, und eine schulmedizinische Untersuchung wird zu keinem klinischen Befund führen. Aber der Organismus läuft nicht mehr rund, signalisiert die Störung, die leicht, sicher und nachhaltig behebbar wäre. Die Behandlung zu diesem Zeitpunkt würde viele Kosten sparen und Pferd und Halter Leid ersparen.
Das Interview führte Karin Drewes





