Pferd und Reiter
26.02.2010 -
Pferderassen im Portrait: American Paint Horse
Die tragende Zuchtstute Buddy Indian Star von Lampes Moorhof fällt durch ihr rassetypisches Aussehen auf, zu dem die blauen Augen gehören.
Geliebte Schecken
Aus den gescheckten Nachkommen des Quarter Horse, die durch ihre Fellfarbe nicht mehr anerkannt wurden, entwickelte sich die Rasse des American Paint Horse. Inzwischen haben sich die Schecken zur zweitgrößten Pferderasse der Welt entwickelt. In Schleswig-Holstein sind die bunten Westernpferde bisher nur wenig verbreitet.
Petra Lampe aus Sereetz betreibt zusammen mit ihrem Mann den Pensionsbetrieb Lampes Moorhof. Zusätzlich zu der Bewirtschaftung des Hofes mit etwa 60 Einstellpferden widmet sie sich seit zwei Jahren der Zucht von American Paint Horses. „Auf unserem Hof haben wir einen Zuchthengst, zwei eigene und zwei ausgeliehene Stuten. In diesem Jahr erwarten wir sogar vier Fohlen.“
„Uns hat das Paint-Fieber gepackt“, lacht Petra Lampe. Obwohl sie ihre American Paintstute seit acht Jahren besitzt, waren sie und ihr Mann sich anfangs nicht sicher, ob sie mit Quarter Horses oder mit American Paint Horse züchten wollten. „Als sich mein Mann allerdings in eine Paintstute verliebte, war klar, dass wir bei den bunt gescheckten Tieren bleiben. Eigentlich sind sie ja auch Quarter Horses, die nur nicht mehr als solche anerkannt werden“, sagt die Züchterin.
So zeichnen sich beide durch die gleichen rassespezifischen Eigenschaften wie Ausgeglichenheit und Ruhe aus und unterscheiden sich lediglich in der Farbe. „ Diese wird bei den American Paint Horses in zwei Grundmuster, dem Tobiano und dem Overo, unterteilt“, erklärt Petra Lampe. „Bei den Tobianos verläuft die weiße Zeichnung meist über die Rückenlinie und der Kopf ist nur wenig weiß. Bei den Overos gibt es unterschiedliche Muster. Oft geht das Weiß vom Bauch oder von der Seite aus, die Beine sind dunkel, das Gesicht meistens Weiß mit blauen Augen. Andere haben an Beinen, Kopf und manchmal am Bauch weiße Farbe oder sind einfarbig mit Stichelhaaren an Flanken, Bauch und Schweifansatz.“
Jedes American Paint Horse ist in seiner Farbe einzigartig und bei der Geburt für den Züchter immer wieder eine Überraschung, da ein Pferd eine oder mehrere Zeichenmuster in seinen Erbanlagen tragen kann. In sehr seltenen Fällen tritt ein tödlicher Gendefekt auf, der mit dem Scheckengen Frame Overo verbunden ist. Bekommt ein Pferd von seinen Eltern zwei Frame Overo Scheckengene und ist somit reinerbig, wird es als ein nicht lebensfähiges weißes Fohlen geboren und stirbt meist schon wenige Stunden nach der Geburt. „Diese tödliche Erbanlage tritt zum Glück sehr selten auf. Jeder Züchter kann durch einen Gentest, der Frame Overo Träger sicher erkennt, Vorsorge leisten“, erklärt die Paintzüchterin. Anders ist es mit den American Paint Horses die zu wenig Weiß mitbekommen haben. „Sind ihre weißen Flecken kleiner als die Größe einer Fünf-Dollar-Münze, werden diese Pferde Solid Paint-Bred genannt. Sie werden zwar anders bezeichnet, weil sie aber auch gescheckte Fohlen bekommen können, werden sie in der Zucht gleichrangig behandelt“, berichtet Lampe weiter. Allerdings werden sie in einem eigenen Register der American Paint Horse Association (Apha) eingetragen.
Die Apha mit Sitz in Amerika ist der offizielle Verband des American Paint Horses. „Nach dem Quarter Horse stellt das American Paint Horse die zweitgrößte Pferdezucht der Welt dar. Unter den eingetragenen Pferden sind viele mit einer Quarter Horse-Mutter oder einem Quarter Horse-Vater. Ansonsten sind Einkreuzungen anderer Rassen nur durch das Englische Vollblut erlaubt“, sagt Petra Lampe. Für die Paint Horse Züchter aus Deutschland ist der Paint Horse Club Germany Ansprechpartner. Er ist anerkannter Regionalverband der Apha und richtet Turniere und Zuchtshows in Deutschland aus.
„Jährlich finden zwei Körungen für alle Paint Horses in Deutschland statt. Zum einen die Herbstkörung in Bayern und die Frühjahrskörung, für die wir uns als Veranstaltungsort beworben haben. Dieses Frühjahr soll unser vierjähriger Hengst Sonnys Snow Boy vorgestellt werden. So weit ich weiß, ist er der einzige Paint Horse Hengst in Schleswig-Holstein“, erzählt sie weiter. Damit er auch gekört wird, sollte er den korrekten Anforderungen in Körperform und Bewegung entsprechen, die in der Zuchtbuchordnung des PHCG geregelt sind. „Die angestrebte Widerristhöhe liegt bei 142 bis 165 cm. Der Kopf sollte kurz, keilförmig, mit einer geraden Nasenlinie, einer breiten Stirn, einer kleinen festen Maulpartie, großen freundlichen Augen, kleinen feingeformten Ohren und starken Ganaschen sein. Der gewünschte Körperbau des American Paint Horses ist ein beweglicher und genügend langer Hals, ein quadratischer muskulöser Körper mit einer langen schrägen Schulter und einem kurzen Rücken sowie einer langen Kruppe“, erklärt die Züchterin. „Weiter sollte der Bewegungsablauf elastisch, korrekt, taktrein und mit einem guten Schub aus der Hinterhand sein. Durch Nervenstärke, Intelligenz und ein gutartiges, freundliches Wesen sind die American Paint Horses ideale Turnier- und Freizeitpferde für Western-, Spazier- und Wanderreiter,“ erklärt Lampe, die seit etwa 16 Jahren Westernreiterin ist und regelmäßig bei Westernturnieren startet.
Besonders bei der Disziplin des Cuttings, bei der mit Rindern gearbeitet wird, ist ein rassetypischer Sinn der American Paint Horses sehr nützlich. „Der Cow Sence – der Sinn für die Kuh, ist eine meist angeborene Fähigkeit der Pferde, möglichst selbsttätig auf Reaktionen der Herde zu reagieren und sich aktiv an der Absonderung eines Rindes zu beteiligen.“
Das nächste Westernturnier für American Paint Horses und Appaloosa Horses in Schleswig-Holstein wird vom 3. bis 4. Juli in Elmenhorst stattfinden. „Wir freuen uns sehr, mit unseren Paint Horses teilnehmen zu können“, erklärt die Züchterin.
Melanie Kayser/Hafensänger





