Pferd und Reiter
26.02.2010 -
Die richtige Fütterung für Mutter und Kind
Tragende Stuten brauchen Auslauf und eine ausgewogene, auf Rasse und Trächtigkeitsstadium abgestimmte Ernährung. Foto: Dr. Heike Engels
Trächtige Stuten fressen nicht für zwei
Eine Stute trägt mehr zu den Genen ihres Fohlens bei als manche glauben: bis zu 70 %. Deshalb ist es wichtig, die Zuchtstute sorgfältig auszuwählen. Doch damit alleine ist es nicht getan. Die richtige Fütterung nimmt schon Einfluss auf den Verlauf und die Symptome der Rosse einer Stute – für eine gute Rosse benötigt der Körper ausreichend Energie, dazu noch Vitamine, Aminosäuren und Mineralstoffe. Und während der Tragezeit ist die Stute optimal zu halten und zu füttern, damit die Bedingungen für das Wachstum des Feten bestmöglich sind.
Jedes Pferd hat einen unterschiedlichen Bedarf an Nährstoffen und Energie. Der hängt von vielen verschiedenen Faktoren ab. Das Alter, die Rasse, die Art der zu verrichtenden Arbeit – und eben auch, ob eine Stute tragend ist, spielen eine Rolle. Grundsätzlich gliedert sich der Bedarf an Energie in Erhaltungs- und Leistungsbedarf. Der Erhaltungsbedarf ist jene Nahrungsmenge, die ein ausgewachsenes Pferd für den Erhaltungsstoffwechsel benötigt. Mit dieser Nahrungsmenge kommt ein normales Freizeitpferd aus, welches aus reiner Liebhaberei im Stall oder auf der Weide gehalten und nicht geritten wird. Es muss sich lediglich in dem Zustand erhalten, in dem es sich befindet, jedes Mehr an Nahrung würde zu einer Fetteinlagerung führen.
Deutlich mehr leistende Pferde benötigen für die zu verrichtende Muskelarbeit auch mehr Energie, dieses Mehr nennt sich Leistungsbedarf. Auch tragende Stuten haben einen höheren Energiebedarf, denn sie haben nicht nur sich, sondern auch das werdende Leben in ihrem Körper zu versorgen, ihr Nahrungsbedarf liegt alleine deshalb zeitweilig über dem nicht tragender Stuten.
Tragende Stuten nicht überfüttern
Doch das Optimum in der Fütterung zu finden, ist gar nicht so leicht. Allzu oft werden tragende Stuten überfüttert, wie es in der Praxis auch bei Deckhengsten leider noch häufig geschieht. Die Folge können Verfettung, Geburtsschwierigkeiten, Milchmangel durch verminderte Futteraufnahme in der Laktation und spätere Fruchtbarkeitsstörungen sein.
Die genaue Ermittlung der Tagesration aus Raufutter, Kraftfutter und meistens Mineralfutter ist deshalb idealerweise zu jedem Zeitpunkt der Trächtigkeit zu erfassen, dann können Mängel in der Versorgung schnell erkannt werden. Natürlich sollte dazu der Futterwert von Rau- und Kraftfutter bekannt sein.
Die Trächtigkeit von Zuchtstuten wird unterteilt in die niedertragende Phase bis einschließlich des siebten Monats und die hochtragende Phase vom achten bis elften Monat. In der niedertragenden Phase richtet sich der Bedarf nach den gegebenen Erhaltungs- oder Arbeitsbedingungen. Es gibt keinen nennenswerten zusätzlichen Bedarf für die Trächtigkeit, denn die Fruchtentwicklung ist bis Ende des siebten Trächtigkeitsmonats mit 17 % der eigentlichen Geburtsmasse noch unbedeutend. Das sind durchschnittlich je Monat 2,4 % oder 1,2 kg Wachstum bezogen auf ein mittleres Geburtsgewicht von 50 kg.
Mehr Energie in Hochträchtigkeit
In den Folgemonaten, also der hochtragenden Zeit, steigt die monatliche Entwicklung des Fötus und damit das Gewicht rapide an: im achten Monat um 18 % (etwa 9 kg bei mittelgroßen Pferden), im neunten Monat um 19 % sowie im zehnten und elften Monat um jeweils 23 % (etwa 11,5 kg). Zudem legt die Stute vermehrt Reserven für die bevorstehende Laktation an. Die tägliche Versorgung mit Energie, Eiweiß, Mineralstoffen und Vitaminen muss daher in den letzten Trächtigkeitsmonaten kräftig angehoben werden. Verglichen mit dem Erhaltungsbedarf steigt der Energiebedarf bis zum elften Trächtigkeitsmonat um das 1,4-fache an, der Eiweißbedarf sogar um das 1,7-fache. Auch die Calcium- und Phosphorversorgung ist entsprechend anzuheben, denn die Mineralien lagern sich dann verstärkt ins embryonale Skelett ein.
Bei den Spurenelementen ist besonders auf Zink, Selen und Kupfer zu achten, ein Mangel kann sich negativ auf die Entwicklung von Knorpeln, Sehnen und Bändern auswirken. Im Gras ist oft zu wenig Kupfer enthalten, und Selen liegt im Aufwuchs in Deutschland häufig nur in mangelhafter Konzentration vor, daher ist eine Zufuhr über Mineral- oder spezielle Zuchtstutenfutter sinnvoll.
Ganz wichtig sind Vitamine
Auch auf die Vitamin-A- und -D-Versorgung ist zu achten, denn ein Mangel führt beim Fohlen zu erhöhter Infektionsanfälligkeit und allgemeiner Lebensschwäche. Der Bedarf an Vitamin A und D wird deshalb in der Hochträchtigkeit als doppelt so hoch veranschlagt wie normalerweise. Pflanzen enthalten die Vorstufe des A-Vitamins, das Beta-Carotin, welches im Organismus zu Vitamin A umgewandelt wird. Daher sind Stuten mit Weidehaltung gut versorgt, bei Stallhaltung muss aber eine Ergänzung stattfinden. Allerdings darf es auch nicht zu einer Überversorgung kommen, denn zu viel Vitamin A und D kann zu Lahmheiten, Knochenbrüchigkeit und Verkalkungen führen.
Abrupte Futterwechsel vermeiden
Das Kraftfutter kann zu Beginn der Hochträchtigkeit aus Hafer, Gerste und einem normalen Ergänzungsfutter bestehen. Um den Übergang auf das Laktationsfutter zu erleichtern, kann man in der letzten Tragezeit auf ein spezielles Kraftfutter für Zuchtstuten umstellen. Diese Umstellung ist deshalb sinnvoll, weil abrupte Futterwechsel vermieden werden sollten. Zur Unterstützung der Verdauung eignen sich Zusätze wie Weizenkleie, Melasse, Leinkuchen und Mash, da diese eine leicht abführende Wirkung haben.
Auch Bewegung fördert die Verdauungstätigkeit, deshalb sollten auch hochtragende Stuten viel Auslauf bekommen. Auch Möhren (sauber und nicht verschimmelt) passen gut in die Ration. Kurz vor der Geburt sollte der Verdauungstrakt entlastet werden, das erreicht man durch ein Absenken der Raufutteranteile.
Fazit – Fütterung mit Bedacht
Niedertragende Stuten haben noch keinen erhöhten Bedarf an Energie und Nährstoffen, in der hochtragenden Zeit aber, also ab dem achten Monat, ist zusätzliche Energie zuzuführen und an eine ausreichende Mineralien- und Vitaminversorgung zu denken. Und schließlich ist nicht nur für tragende Stuten wichtig, dass das Futter von optimaler Qualität und hygienisch einwandfrei ist – also Futter, das frei von Pilzen und deren Sporen, Bakterien und sonstigen schädlichen Mikroorganismen ist. Dann steht einem gesunden Fohlen und einer Stute, die genügend Reserven für die Laktation bilden konnte, zumindest fütterungstechnisch nichts mehr im Wege.
Dr. Heike Engels





