Logo Bauernverband




Schleswig-Holstein


Zum Buch 37 Jahre Titelfotografie

Pferd und Reiter

24.10.2008 -  

Wer zahlt im Schadensfall?

Bild - Wer zahlt im Schadensfall?

Foto: Überall in Schleswig-Holstein sind auf den Weiden Gruppen junger Nachwuchspferde zu sehen, die die Herbstzeit genießen. Doch was ist, wenn mal etwas passiert? Unterschiedliche Berufsgenossenschaften sind je nach Art der Haltung zuständig.
Foto: Daniela Domnick

Drei Berufsgenossenschaften sind je nach Art der Pferdehaltung für den Versicherungsschutz zuständig

Für den Versicherungsschutz einer Pferdehaltung kommen die Berufsgenossenschaft (BG) für Fahrzeughaltungen, die Verwaltungs-Berufsgenossenschaft und die landwirtschaftliche Berufsgenossenschaft in Betracht. Doch wann ist welche BG zuständig? Durch die verschiedenen Absprachen zwischen den Berufsgenossenschaften ergibt sich ein wahrer „Dschungel“ von Abgrenzungsregeln. Dies führt zwangsläufig zu vielen Irritationen bei den Pferdehaltern.

Berufsgenossenschaft für Fahrzeughaltungen

Die Zuständigkeit der Berufsgenossenschaft für Fahrzeughaltungen (BGF) ist historisch begründet. Sie stammt aus der Zeit, als Pferdefuhrwerke noch das Haupttransportmittel waren. Diese Zuordnung hat auch heute noch Bestand. Die BGF ist zuständig für private Reittierhaltungen sowie gewerbsmäßige Reittier-, Gespann- und Stallhaltungen ohne oder mit nur untergeordneter Bodenbewirtschaftung. Private Reittierhaltung bedeutet, dass Pferde ausschließlich als Hobby gehalten werden. Auch dies ist als Unternehmen im Sinne der gesetzlichen Unfallversicherung anzusehen. Die Haltung setzt dabei keinen Geschäftsbetrieb oder eine auf Erwerb gerichtete Tätigkeit voraus. Damit die BGF zuständig werden kann, müssen die Pferde regelmäßig geritten werden. Zu den gewerbsmäßigen Pferdehaltungen gehören insbesondere Reitschulen, der Verleih von Reittieren, Kutschfahrten, Ausbildung und Training von Pferden, Turnierteilnahme, Pferdepension (Stallhaltung). Die BGF unterstellt eine Gewerbsmäßigkeit ab der Haltung von fünf Pferden als widerlegbare Vermutung.

Verwaltungs-Berufsgenossenschaft

Die Verwaltungs-Berufsgenossenschaft (V-BG) ist zuständig für Sportvereine. Aus diesem Grunde betreut sie sämtliche Reit- und Fahrvereine und sonstige Zusammenschlüsse, die auf sportliche Zwecke ausgerichtet sind. Hierzu zählen zum Beispiel auch Landesreitschulen, die von Vereinen getragen werden. Darüber hinaus ist die V-BG für Schul-, Ausbildungs- und Trainertätigkeiten zuständig, die ohne eigene Pferde, Stallhaltung, Trainingsanlage und Flächen ausgeübt werden. So genannte ambulante Trainer, die an fremder Wirkungsstätte die Pferde ihrer Kunden ausbilden. Das gleiche gilt für Reitlehrer ohne eigene Schulpferde. Mieten mehrere private Reittierhalter gemeinsam einen Stall, ist von einer Stallgemeinschaft die Rede. Derartige Zusammenschlüsse sind ebenfalls bei der V-BG versichert.

Landwirtschaftliche Berufsgenossenschaft

Die landwirtschaftliche Berufsgenossenschaft (LBG) ist zuständig für alle Pferdezuchten, egal ob mit oder ohne Bodenbewirtschaftung. Zu der Zucht gehören auch Ausbildungs- und Trainertätigkeiten von so genannten öffentlichen Trainern. Sie bilden Pferde für die gesetzlich zur Zucht vorgeschriebenen Leistungen und Prüfungen aus (zum Beispiel Trabertrainer mit Lizenz). Die LBG umfasst außerdem die Weidetierhaltungen. Dies betrifft alle Pferde, die nicht regelmäßig geritten werden, wie Gnadenbrotpferde. Darüber hinaus kann der Versicherungsbereich der LBG auch private Reittierhaltungen sowie gewerbsmäßige Reittier-, Gespann- und Stallhaltungen umfassen, wenn in diesem Zusammenhang Flächen bewirtschaftet werden (Futtermittelgrundlage und Auslauf). Dabei wird bis 0,99 Hektar Futter- und Auslauffläche je Pferd von einer untergeordneten Bodenbewirtschaftung ausgegangen, so dass die BGF zuständig wäre. Ab einem Hektar Grünland je Pferd ist von einer Zugehörigkeit zur LBG auszugehen. Ab 5 Hektar Fläche gibt es eine gesetzliche Mitversicherungssperre für die BGF: Bevor eine Teilung von Flächenbewirtschaftung und Pferdehaltung erfolgt, sollte eine Versicherung des gesamten Unternehmens bei der LBG angestrebt werden.

Für alle Pferdehaltungen

Bei hobbymäßig betriebenen Pferdehaltungen ist das Reiten vom Versicherungsschutz ausgenommen. Dies, weil es keine betriebsnotwendige Tätigkeit ist, sondern der Freizeitgestaltung dient. Es wird dem privaten Lebensbereich zugeordnet. Versicherungsschutz besteht nur für Tätigkeiten zur Bewirtschaftung der Ländereien und zur Betreuung der Pferde. Anders verhält es sich bei gewerbsmäßig betrieben Pferdehaltungsunternehmen, wie Pensions- und Rennställe oder Ausbildungsbetriebe: Hier ist auch das Reiten Unternehmenszweck und gehört damit zu den versicherten Tätigkeiten. Kaum ein anderer Bereich wirft bei der Frage der Zuständigkeit so viele Detailfragen auf wie die Pferdehaltung. Auskünfte erteilt die LBG unter der Telefonnummer 0431-7024-0. Direkte Ansprechpartner sind im Internet unter zu finden.

Landwirtschaftliche Berufsgenossenschaft

transparent  


[Gesamtansicht] · [drucken] · [top]