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Farbwechsler Willi dürfte mit seinen 170 cm der größte Noriker in Schleswig-Holstein sein. Foto: privat

Petra Dau aus Mörel, Kreis Rendsburg-Eckernförde, bietet im Naturpark Aukrug geführte Ausritte, Tagesritte und Wanderritte an. Dabei stehen der Berittführerin vier Norikerpferde zur Seite. Die vor allem in den Alpen gezüchtete Rasse ist in Schleswig-Holstein noch selten zu finden.

"Noriker bieten ihren Reitern viele Vorzüge", berichtet Petra Dau. Die Reitlehrerin und Berittführerin ist nach eigener Aussage "mit dem Noriker-Bazillus infiziert", dabei kannte sie diese Rasse vor zehn Jahren noch nicht. Damals kam ihr Mann von einer Geschäftsreise zurück und sagte: "Mein nächstes Pferd ist ein Noriker." Ihm war die Rasse auf einer Messe vorgestellt worden. Ein Jahr später kaufte das Ehepaar in Österreich die ersten zwei von inzwischen vier Norikern. "Es sind tolle Freizeitpferde. Durch ihre Rittigkeit und ihr gutmütiges Auftreten sind sie für alle Sparten der Reiterei geeignet, ausgenommen ist natürlich das Springreiten", schwärmt Petra Dau, die vorher Voll- und Warmblüter geritten ist.

Ihrer Erfahrung nach sollte auf eine dressurmäßige Grundausbildung eines Norikers genauso viel Wert gelegt werden wie bei jedem anderen Pferd. Beim Unterricht mit Spät- und Wiedereinsteigern bemerkt sie immer wieder, dass Anfänger besonders schnell Vertrauen zu den gutmütigen Norikern fassen: "Ich glaube, dass sie durch ihre Kompaktheit eine besondere Ruhe ausstrahlen." Die Noriker haben noch einen weiteren Vorteil. Petra Dau unterrichtet oft erwachsene Reitanfänger über 40 Jahre. Sie beobachtet immer wieder, dass gerade Frauen, die ein paar Kilo zu viel auf die Waage bringen, sich häufig nicht trauen, Reitunterricht auf zierlicheren Warmblütern zu nehmen. Hier haben sich die Noriker als ideale Partner erwiesen. Trotzdem hat sie für ihre eigenen Pferde eine Gewichtsbeschränkung von 90 kg Reitergewicht festgelegt. "Mehr möchte ich meinen Norikern nicht zumuten. Aber das ist meine ganz persönliche Meinung", sagt sie.

Vielseitig begabte Kaltblüter

Die Berittführerin nimmt mit ihren Norikern auch gern an Spaßturnieren teil, wie zum Beispiel dem Landesbreitensportturnier in Bad Segeberg. Hier hat sie im letzten Jahr sogar den Extremtrail gemeistert. Viele Noriker bringen außerdem eine Begabung für zirzensische Lektionen und Klassische Dressur mit. Petra Dau nimmt mit ihrem Noriker Willi regelmäßig Dressurunterricht. "Hier muss man sich aber darüber im Klaren sein, dass ein Kaltblut aufgrund seiner Körpermasse nicht in der Lage ist, Runde um Runde abgaloppiert zu werden, wie es häufig mit Warmblütern gemacht wird. Trotzdem reagiert Willi sensibel und arbeitet spritzig mit", erklärt sie.

Im Gelände hat die Berittführerin die Norikerpferde aber durchaus als ausdauernd kennengelernt. "Sie laufen dort auch ohne ständiges Antreiben einen zügigen Schritt, und selbstverständlich können sie längere Strecken traben und auch einmal frisch vorwärtsgaloppieren. Außerdem sind sie zuverlässige und trittsichere Führpferde", erzählt sie.

Heute ist der Noriker also ein vielseitig einsetzbares Freizeitpferd mit hervorragendem Charakter. Trotzdem weist er immer noch seine ursprüngliche Eignung auf und kann als Wagen- und Wirtschaftspferd im schweren Zug eingesetzt werden. Anfänglich wurde das heute mittelschwere Gebirgskaltblutpferd als schweres Kriegspferd gezüchtet. Durch die klimatischen und landschaftlichen Einflüsse der Voralpenregion entwickelte es sich zu dem heutigen Pferd.

Einzigartige Farbenvielfalt

In Österreich legt das Grundsatzzuchtbuch das Zuchtziel des Norikerpferdes fest. Gewünscht wird bei einem Stockmaß von 158 bis 165 cm ein harmonisch gebautes Pferd. Der Hals sollte kräftig, mittellang und gut aufgesetzt sein. Unerwünscht ist eine stark ausgeprägte Unterhalsmuskulatur, wie sie manchmal bei anderen Kaltblutrassen zu finden ist. Die Konturen des Kopfes sind trocken, also gut sichtbar, der Blick ist gutmütig und aufmerksam. Die Brust muss genügend breit und tief sein, der Widerrist erkennbar. Gewünscht wird außerdem ein straffer, aber elastischer Rücken, der eine gute Verbindung zur Vor- und Hinterhand besitzt. Auch auf eine genügende Rippenwölbung wird geachtet. Die Hinterhand sollte gut gebaut sein. Rassetypisch ist außerdem, dass die Kruppe durch starken Muskelaufbau wirkt, als sei sie gespalten. Besonders viel Wert wird darüber hinaus auf gut ausgeprägte Gelenke und gute Hufe gelegt.

Wirklich einzigartig ist die Farbenvielfalt in der Norikerzucht. Heute gibt es Rappen, Braune, Füchse, Tiger und Schecken gleichermaßen. Innerhalb der Farben gibt es viele unterschiedliche Farbabstufungen, die Bezeichnungen wie Kohlfuchs, Blauschimmel, Braunschimmel, Rotschimmel oder Kuhschecke tragen. Nur reinweiße Pferde gibt es selten. Eine ganz besondere Farbvariation trägt Petra Daus Willi. Als sogenannter "Mohrenkopf" bleiben Kopf, Langhaar und Beine stets schwarz, während die Farbe seines Deckhaares je nach Jahreszeit von Weiß zu Grau oder fast Schwarz wechselt.

Da sich Petra Daus Begeisterung für die Noriker herumgesprochen hat, werden ihr oft Pferde zum Kauf angeboten, die sie über ihre eigene Internetseite vermittelt.

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