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Bis Januar muss die Gülle gelagert werden. Ob der Platz reicht ist noch nicht klar. Foto: zunhammer

Kirsten Müller Foto: Archiv

Liebe Leser, reicht der Güllelagerraum? Das ist eine Frage, die sich nicht nur Landwirtschaftsminister Dr. Robert Habeck (Grüne) stellt, sondern vor allem die Bauern im ganzen Land. An einen extrem nassen Sommer hierzulande schloss sich ein regenreicher Herbst an. Die Witterungsverhältnisse erschwerten den Landwirten das Ausbringen der Nährstoffe. Resultat: Die Lagerkapazitäten könnten knapp werden, oder im schlimmsten Falle sind sie es schon. Augen zu und durch hilft da nicht. Lösungen müssen her. Dessen sind sich die Verantwortlichen bewusst. So sondierten Bauernverband, Minister, Landwirtschaftskammer und weitere Fachleute am Dienstagnachmittag die Lage, um für den Notfall – sollte im Januar das Fahren nicht möglich sein – vorzusorgen.

Ein Ausweg: sogenannte flexible Lagerbehälter, die aus festen Membranen bestehen und frei positionierbar sind. Diese Schlauchsysteme sind mit zirka 30 € /m³ nicht gerade kostengünstig. Nicht zu vergessen: Sie sind baugenehmigungspflichtig. Eine andere Antwort auf das Dilemma könnte die Separation der Gülle sein. Bei einem Trockenmasse (TM)-Gehalt von 25 % der Feststoffe reduziert sich das Volumen der Rohgülle um zirka 15 bis 20 %. Mittlerweile laufen etliche Separationsanlagen hierzulande. Maschinenringe und Lohnunternehmen koordinieren Suchanfragen nach Güllelagerraum, wenn welcher vorhanden ist. Eine weitere Idee ist das Ausbaggern von Lagunen, die dann mit einer verschweißten oder verklebten Folie ausgelegt werden. Kann jedoch bei winterlichen Witterungsverhältnissen nur bedingt umgesetzt werden. Bei allen Maßnahmen ist es unabdingbar, mit der Unteren Wasserbehörde zusammenzuarbeiten. Oberstes Gebot der Stunde ist, die Verschmutzung von Gewässern zu vermeiden. Und die provisorischen Lagunen müssen auf eigene Kosten wieder zurückgebaut werden. Aber in der Not entschärfen diese möglichkeiten die Situation (siehe nebenstehende Meldung).

Fakt ist, dass gerade in Regionen mit hoher Viehdichte der Druck für die Verwertung überschüssiger Gülle immer weiter ansteigt. Die Ursache liegt unter anderem in der novellierten Düngeverordnung. Der schleswig-holsteinische Bauernverbandspräsident Werner Schwarz bedauert es deshalb umso mehr, dass Minister Habeck die Förderung, Lagerkapazitäten für flüssigen Wirtschaftsdünger zu schaffen, abgelehnt hat. Hinzu kommt, dass es schwierig ist, in Ackerbauregionen im Außenbereich Güllelagerstätten zu bauen. Die bürokratischen Hemmnisse müssen dringend beseitigt werden. Dieser Aufruf geht an den Innenminister Hans-Joachim Grote (CDU).

Die Bauern jedoch stehen am allermeisten selbst in der Verantwortung. Es ist höchste Zeit, dass gerade die Tierhalter sich sensibel und umgehend um das Thema Gülle kümmern. Immer noch nehmen einige die Düngeverordnung auf die leichte Schulter. Nur zur Erinnerung: Die JGS-Anlagenverordnung schreibt seit 2006 für alle Betriebe eine Lagerkapazität für mindestens sechs Monate vor. Es steht viel auf dem Spiel. Gesetzesverstöße werden geahndet, und es geht im Zweifelsfalle um viel Geld. Das verlangt ein gutes Management des Betriebsleiters, was Ausbringungstechnik, Lagerraum und Arbeitskräfte für die Spitzenzeiten im Frühjahr anbetrifft. Damit einher geht, Gespräche mit Nachbarschaft und Bürgern zu führen – bevor die Gerüche übers Land ziehen.

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