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Gülle und Gärreste sind Wertstoffe, kein Abfall! Foto: landpixel

Liebe Leser, ein zähes Ringen geht zu Ende. Mit den Bestimmungen der novellierten Düngeverordnung stellt die Bundesregierung endgültig die Weichen für das zukünftige betriebliche Nährstoffmanagement. Landwirte müssen sich auf eine ganze Palette strengerer Vorgaben einstellen wie eine Verlängerung der Sperrfristen und geringere erlaubte Nährstoffbilanzüberhänge. Verpasst wurde jedoch leider die Chance, die Dokumentationspflichten zu verschlanken. Im Gegenteil, für Betriebe oberhalb einer Bagatellgrenze nimmt der Verwaltungsaufwand voraussichtlich zu.

Keine Frage, Deutschland stand unter Handlungsdruck. Bereits im Herbst 2013 leitete die EU-Kommission ein Vertragsverletzungsverfahren wegen Nichteinhaltung der EU-Nitratrichtlinie ein. Zu viele Messstellen an Grundwasserkörpern zeigten überhöhte Nitratgehalte von mehr als 50 mg/l. Den Finger in die Wunde legte Ende 2015 auch der Nährstoffbericht des Landes Schleswig-Holstein aus dem Hause von Prof. Friedhelm Taube von der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. Der Bericht bescheinigte vor allem den Kreisen Nordfriesland und Schleswig-Flensburg ein enormes Nährstoffproblem – insbesondere da Gärrückstände pflanzlichen Ursprungs mit der Novellierung nun als Wirtschaftsdünger zu bewerten sind. Das bedeutet, dass diese zusätzlich bei der 170-kg/ha-Obergrenze für die Ausbringung von Stickstoff aus Wirtschaftsdüngern zu Buche schlagen.

Eine Konsequenz wird der zunehmende Transport von Gülle und Gärresten – zum Beispiel mittels Nährstoffbörsen – aus den vieh- und biogasstarken Regionen in Ackerbaugebiete sein. An dieser Stelle ist die Politik gefragt, die Rahmenbedingungen so zu stecken, dass dieser Transfer nicht behindert wird. Pflanzenbaulich bietet der Einsatz organischer Düngemittel neben der Einsparung von „Kunstdünger“ durchaus Vorteile. Dennoch dürfen Ackerbaubetriebe beispielsweise keine eigenen Güllelager errichten. Ein Hindernis, da eine zeitnahe und bedarfsgerechte Nährstoffzufuhr so erschwert wird.

Nährstoffe aus Wirtschaftsdüngern müssen für Marktfruchtbetriebe besser kalkulierbar sein. Die Sensortechnik für eine zuverlässige Analyse in Echtzeit während der Ausbringung existiert, kommt jedoch in der Breite noch nicht zum Einsatz. Auch von der Förderung für den Einsatz von emissionsarmer Schleppschuh- und Injektionstechnik können in Schleswig-Holstein bislang nur Vieh haltende Betriebe profitieren. Warum sollten aber nicht auch Ackerbaubetriebe gefördert werden?

Das Vertragsverletzungsverfahren der EU mag zwar nun eingestellt werden. Damit die novellierte Düngeverordnung aber nicht zu einem Damoklesschwert für die Landwirtschaft wird, gilt es, den Einsatz von Wirtschaftsdüngern zu flexibilisieren und so effizienter zu machen. Dann können Umwelt und Landwirte gleichermaßen profitieren, und die Akzeptanz für den Einsatz von Wirtschaftsdünger wird auch in der Öffentlichkeit wieder steigen. Denn Gülle und Gärreste sind Wertstoffe, kein Abfall!

Herzlichst Ihr

Robert Quakernack

Redakteur

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