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Platt is cool und Plattdüütsch leevt. Foto: Iris Jaeger

Iris Jaeger. Foto: archiv

Leve Lesers, annerletzt heff ik mal en Kaffepott sehn – un dor stünn op: "Platt is cool – tro di wat, snack Platt!" Jo, heff ik dacht. Wöör ik geern. Man leider heff ik dat Snacken nienich richtig lehrt. So as vele Kinner un junge Lüüd do, funn ik Plattdüütsch total uncool. Nu sünd wi 40 bet 49 Johr oolt un höört to de Stackels, de blots en poor Wöör kennt un nich örnlich Platt snacken köönt.

Wat hett dat Institut för nedderdüütsche Spraak tosamen mit dat Institut för düütsche Spraak bi en Ümfraag rutfunnen: 34 % vun düsse Öllersgrupp köönt ümmerhen en poor Wöör snacken, de Rest versteiht un snackt man wat mau oder gor nich. Bi de jungen Lüüd ünner 20 verstaht so 36 % de Spraak en beten, man wiet mehr as 50 % snacken gor nich mehr Platt. Starvt uns Heimatspraak, de wi so leev hebbt, bald ut? Siet de letzte Ümfraag in dat Johr 2007 sünd de Tallen vun Snacken un Verstahn so bleven. Liekers kunn een menen, dat geiht to Enn mit de nedderdüütsche Spraakkultur.

Dat süht meist so ut, as gell düsse Parool ok för de Tokunft vun de plattdüütsche Literatur. De Medien vertellt, dat nix nawassen deit, un maalt en düüster Bild. Wat stünn in't Blatt, ehr dat de Plattdüütsche Bökermess in Hamborg losgüng? Plattschrievers sünd meist öller as 60 Johr. Dor kümmt nix achterna, plattdüütsche Verlagen geevt op, dat gifft weniger Titel, un de Oplagen sünd lütter. Stimmt dat? Ne, meent Peer-Marten Scheller vun'n Quickborn-Verlag. He verleggt blots plattdüütsche Böker. Un he mutt dat weten, denn he is siet 32 Johren in't Geschäft. Den Verlag gifft dat al siet 102 Johren. "Uns geiht dat ümmer noch goot", so seggt Scheller. Un dor kaamt ok Lüüd achterna, ok wenn de Medien wat anners seggt. "Dat gifft noch junge un ok bekannte Autoren – un de treckt denn ok junge Plattlesers mit sik." Scheller finnt dat schaad, dat vele Lüüd de Tokunft vun de Spraak so negativ seht.

Dor is so veel in de Gang. Siet Johren strengt een sik an in de noorddüütschen Bundslänner, um Kinner, junge un ok utwussen Lüüd in Stadt un Land de Spraak bitopulen. So steiht in Kinnergoorns Platt in't Profil - un in Scholen op den Lehrplaan. All twee Johr löppt de Vörleeswettstriet "Schölers leest Platt" bi den Sleswig-Holsteenschen Heimatbund. Dat gifft Band Contests för junge Lüüd, Kinofilmen, Poetry Slams, Theater, Kunst un Kultur - un ok Spraakkursen för Jung un Oolt, jüst so för Lüüd, de in de Pleeg arbeiden doot. Man ok för so'n Lüüd as mi, de eerst laat rutfunnen hebbt, wo dull ehr de plattdüütsche Spraak an't Hart liggen deit. Dorbi denkt wi doch glieks an Shakespeare – wat schreev he in "Der Widerspenstigen Zähmung"? Beter laat as nienich ...

Kort seggt: Plattdüütsch leevt – op Buernhööv, in Huushollen op't Land oder in de Stadt, in Gemeenderaatssittens, in Amtsstuven, op Bühnen, in Radio un Feernsehn, in't Internet, in Biller un Böker. Un in't Buernblatt. Wi hebbt ja nu al Plattsieden, man nu kümmt en niege Themenserie dorto. Wi wöllt Minschen in vescheden Öller vörstellen, de mit ehre Ideen, Projekten un ehr Knööv dat Plattdüütsche in de Gang holen. För all düsse Minschen schall düsse Artikel vörweg ween. Marianne Ehlers, Referentin för Nedderdüütsch un Freesch bi den Sleswig-Holsteenschen Heimatbund, hett mi dorbi holpen, düt hier op Platt to schrieven. Ach ja – den Kaffepott heff ik mi köfft. He steiht op mienen Schrievdisch un maakt mi Moot. Nu tro ik mi un snack mehr Platt.

Hartlich Gröten, Ehr

Iris Jaeger

Redakteurin

Die hochdeutsche Fassung:
Liebe Leser, neulich sah ich einen Kaffeepott, auf dem stand: "Platt is cool – tro di wat, snack Platt!" Jo, dachte ich. Würd ich gern. Aber leider habe ich das Sprechen nie richtig gelernt, weil ich als Kind und Jugendliche Plattdeutsch total uncool fand. Damit bin ich in meiner Altersklasse der 40 bis 49-Jährigen nicht allein. Laut einer Umfrage des Instituts für Niederdeutsche Sprache und des Instituts für Deutsche Sprachen sprechen 34 % dieser Jahrgänge immerhin einige Wörter, der Rest versteht und spricht nur mäßig bis gar nicht. Bei den bis zu 20-Jährigen verstehen immerhin noch 36 % die Sprache mäßig, aber weit über die Hälfte von ihnen spricht gar nicht mehr Plattdeutsch. Stirbt unsere liebenswerte Heimatsprache aus? Die Umfragewerte zum Thema Plattsprechen und -verstehen sind seit 2007 eigentlich konstant geblieben. Doch könnte man meinen, es geht zu Ende mit der niederdeutschen Sprachkultur.

Das scheint auch für die Zukunft der plattdeutschen Literatur zu gelten, für die es laut Medienberichten mangels Nachwuchs ebenfalls düster aussieht. Im Vorfeld der diesjährigen 20. Plattdeutschen Buchmesse in Hamburg war zu lesen, dass diejenigen, die ausschließlich auf Platt schreiben, meist älter als 60 Jahre alt sind. Es fehle an Nachwuchs, immer mehr niederdeutsche Verlage gäben auf, die Zahl der Titel sowie die Auflagen schrumpfen. Stimmt das? Nein, meint Peer-Marten Scheller, Inhaber des Quickborn-Verlags, in dem ausschließlich plattdeutsche Bücher verlegt werden. Und er muss es wissen, denn er ist seit 32 Jahren im Geschäft. Den Verlag gibt es schon seit 102 Jahren: "Uns geht es immer noch gut", so Scheller. Was den Nachwuchs angehe, sieht er die Situation gar nicht so negativ wie in den Medien beschrieben. Im Gegenteil: "Es gibt durchaus noch junge und auch bekannte Autoren und die ziehen entsprechend eine junge plattdeutsche Leserschaft an." Es sei schade, dass die Zukunft dieser Sprache so negativ dargestellt werde, findet Scheller.

Denn seit Jahren finden in allen norddeutschen Bundesländern Anstrengungen statt, Kinder, Jugendliche und auch Erwachsene in der Stadt und auf dem Land wieder an die Sprache heranzuführen. So steht in Kindergärten und Schulen Plattdeutsch vermehrt auf dem Lehrplan. Alle zwei Jahre veranstaltet der Schleswig-Holsteinische Heimatbund seinen Vorlesewettbewerb "Schölers leest Platt". Es gibt Bandcontests für Jugendliche, Kinofilme, Poetry Slams, Theater, Kunst und Kultur sowie Sprachkurse für Jung und Alt, für Pflegekräfte und auch für Fälle wie mich, die erst spät ihre Liebe zu dieser Sprache entdeckten. Doch wie schrieb schon William Shakespeare in "Der Widerspenstigen Zähmung": "Besser spät als nie".

Kurz: Plattdeutsch lebt – auf Bauernhöfen, in Haushalten auf dem Land oder in der Stadt, in Gemeinderatssitzungen, in Amtsstuben, auf Bühnen, im Radio und Fernsehen, im Internet, in Bildern und Büchern. Und im Bauernblatt. Ergänzend zu unseren bereits vorhandenen Plattseiten soll eine neue Themenserie Menschen aller Altersklassen vorstellen, die mit ihren Ideen, Projekten und ihrem Engagement das Plattdeutsch am Leben erhalten. Ihnen widme ich diesen Leitartikel, den ich mit professioneller Hilfe von Marianne Ehlers, Referentin für Niederdeutsch und Friesisch im Heimatbund, auf Platt verfasse. Ach ja – den Kaffeepott habe ich mir gekauft. Er steht als Mutmacher auf meinem Schreibtisch: Ich trau mich jetzt und schnack mehr Platt.

 

 

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