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Kann Wirtschaftsförderung gerecht sein? Foto: pixabay

Tonio Keller. Foto: archiv

Liebe Leser, Fördertöpfe können ein segensreiches Füllhorn, aber auch eine Quelle des Verdrusses sein. Was immer man den einen gewährt, kann von anderen beargwöhnt werden. Warum die und nicht wir? Deshalb stand auch das Konzept der AktivRegionen neben allem öffentlichen Lob immer wieder in der Kritik. Plakatives Beispiel war das "Schiefe Haus" im Tierpark Gettorf, dessen Förderung 2010 für beißenden Spott sorgte. Seit 2014 läuft die zweite Förderperiode der AktivRegionen, die bis 2020 geht. Hat man aus den Erfahrungen gelernt?

"Die Vorschriften sind strenger geworden, es wird genauer hingeschaut", sagt Katharina Glockner, Regionalmanagerin der Aktiv-Region Holsteiner Auenland: "Dadurch werden die Projekte wertvoller. Uns hat manches nicht gefallen, wenn es zu leicht war, an Mittel zu gelangen." Pflicht ist die Zuordnung zu einem der Themenschwerpunkte Klimawandel und Energie, nachhaltige Daseinsvorsorge, Wachstum und Innovation sowie Bildung. Die Projekte müssen glaubhaft machen, dass sie Umsätze steigern, Wert schöpfen, Arbeitsplätze schaffen. "Gold wert" sind dabei die Regionalmanagements, die die ländlichen Akteure bei der Projektbeschreibung unterstützen und die "Rohdiamanten schleifen" – damit nicht nur Antragsprofis zum Zuge kommen, während gute Ideen aus Unkenntnis im Sande verlaufen.

AktivRegionen speisen sich aus dem Eler-Programm, der Zweiten Säule. Übergeordnetes Ziel ist die Förderung des ländlichen Raumes. Doch was bedeutet das? Letztlich könnte man alles darunter verstehen, was Geld in den Kreislauf pumpt. Und die Bedingung, dass sich das Projekt ohne Förderung wirtschaftlich nicht tragen darf, könnte auch so ausgelegt werden, dass ein defizitärer Betrieb über Wasser gehalten wird. Dass es nicht dahin kommt, ist eine Frage der Vernunft.

Am klarsten ist die Angelegenheit bei gemeinnützigen Vorhaben. Ein Bildungshaus, ein Ärztezentrum, ein Hospiz – dagegen wird niemand etwas einzuwenden haben. Doch das Spektrum der AktivRegionen beschränkt sich nicht auf solche Bereiche. Schon bei neuen Computern für eine Schule könnte eine andere das Nachsehen haben, ein Sportverein könnte dem anderen sein Glück neiden. Und es sind auch kommerzielle Betriebe im Programm – erfreulicherweise auch landwirtschaftliche –, etwa wenn sie ein neues wirtschaftliches Standbein aufbauen. Da kann eine Förderung eine bäuerliche Existenz sichern oder gar retten. Doch ist es das Wesen jeder Wirtschaftsförderung, dass sie letztlich nie gerecht gegenüber allen sein kann. Das sollten auch diejenigen bedenken, die mehr direkte wirtschaftliche Unterstützung der Landwirte fordern.

Ein großes Plus der AktivRegionen ist es, dass die Entscheidungen über die Förderungen vor Ort fallen, in den eigenen Gremien, in Gebietskulissen von weniger als 150.000 Einwohnern. "Wenn es schon diese Gelder gibt, wollen wir auch dafür sorgen, dass sie vor Ort gut eingesetzt werden", sagte vor Kurzem ein Insider. Das ist vielleicht nicht immer gerecht, aber bestimmt oft höchst sinnvoll.

Herzlichst Ihr

Tonio Keller

Redakteur

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