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Dr. Robert Quakernack. Foto: archiv

Der Haltungskompass von Lidl besteht aus vier Stufen. Grafik: lidl

Liebe Leser, haben Sie ein Faible für Label? Dann können Sie sich glücklich schätzen! Die "Labelisierung" des Lebensmittelmarktes schreitet unaufhaltsam voran.

Nachdem Aldi im Januar bekannt gab, Geflügelfrischfleischprodukte mit der Bezeichnung "Fair & Gut" zu vermarkten, zieht nun Lidl mit einem "Haltungskompass" nach. Ab April will der Discounter mithilfe eines Vierstufenmodells Frischfleisch von Schwein, Rind und Geflügel seiner Eigenmarken kennzeichnen. Der Lebensmitteleinzelhandel schafft Tatsachen, während das Bundeslandwirtschaftsministerium mit seinem staatlichen Tierwohllabel ganz schön hinterherhinkt.

Zugegeben, für diejenigen, die keinen Spaß daran haben, die Bedeutungen und Hintergründe von Labeln, Siegeln und Kompassen zu verstehen, wirken die Produktverpackungen zunehmend verwirrend. Wie wäre es da mit einem Tierhaltungslabel-Label als Hilfestellung? Vorstellbar wäre ein System mit vier Ebenen:

Level 1 erreicht, wer ein optisch ansprechendes Siegel kreiert hat, das die Lebensmittelverpackung verschönert. Für Level 2 reicht es aus, wenn das Label das Image des Herausgebers verbessert. Für Level 3 müsste dann tatsächlich flächendeckend etwas für das Tierwohl getan werden. Als Nachweis könnte ein Marktanteil von mindestens 1 % gelten. Für das Premiumlevel 4 müsste schließlich der Preisaufschlag auch beim Tierhalter ankommen.

Im Ernst, welcher Verbraucher soll bei diesem Kennzeichnungswahn noch den Überblick behalten? Wenn jeder Einzelhändler beginnt, eigene Labels und dann auch noch für verschiedene Produktkategorien zu erstellen, sind das vor allem Marketingmaßnahmen. Oberstes Ziel dabei: das eigene Image aufpolieren. Zudem hört es beim Kriterium der Haltung noch lange nicht auf. Hinzu kommen Kennzeichnungen zur Regionalität und Ökosiegel. Es wäre zielführender, wenn unabhängig vom Ladenlogo eine übersichtliche Orientierung für den Verbraucher entstünde.

Die Entwicklung einer "verständlichen und vergleichbaren" Lebensmittelkennzeichnung steht daher wohl auch bei Union und SPD auf der Agenda, falls es zu einer gemeinsamen Regierungsbildung kommt. Erwogen wird ein Unterscheidungssystem anhand einer farblichen Ausgestaltung der Kennzeichnung.

Zusätzlich soll ein Konzept zur Reduktion von Zucker, Fett und Salz in Lebensmitteln erarbeitet werden – ein perfekter Nährboden für die Entwicklung weiterer Label! Dabei gibt es mit der Brancheninitiative Tierwohl längst ein marktdurchdringendes System, das flächendeckend die Bedingungen in den Ställen verbessert. Die Weiterentwicklung dieses Systems ist viel wirkungsvoller, als wenn jeder ein eigenes Labelsüppchen kocht.

Denn fest steht: Mehr Produktsiegel führen nicht zu mehr Transparenz. Dieser Labelwahn trägt höchstens zu einer weiteren Moralisierung des Essens bei, nach dem Motto: "Mein Frühstück besteht aus Level-4-Produkten, und deins?"

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