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Tonio Keller. Foto: archiv

Der Breitbandausbau mit Glasfasertechnologie ist wichtig für den ländlichen Raum, um den Anschluss nicht zu verlieren. Foto: Tonio Keller

Liebe Leser! "Es geht auch schneller – mit Glasfaser." So prangt ein Werbeslogan auf der Rückseite von Bussen. Wer hinter einem solchen herzockelt, mag sich ärgern. Tatsächlich aber liegt Schleswig-Holstein weit vorne im Breitbandausbau: 25 % der Haushalte können über "Glasfaser bis ins Haus" (Fibre to the Home – FTTH) verfügen. Nur Hamburg hat da noch bessere Werte. Bis 2030 sollen im nördlichsten Bundesland alle Haushalte angeschlossen sein – ein ehrgeiziges Ziel! Damit macht sich Schleswig-Holstein fit für die Zukunft, steht es doch außer Frage, dass "Fibre to the Home" alle anderen Techniken schlägt. Hier spricht man von Geschwindigkeiten in Größenordnungen von Gbit/s – ein starker Pluspunkt für die Ansiedlung von Gewerben und Freiberuflern in strukturschwachen Gebieten und künftig auch für den digital vernetzten Landwirt.

Betrachtet man die Gebietskarte des Breitband-Kompetenzzentrums, so kann man jedoch leicht verwirrt sein. Vielfältig sind die Betreibermodelle, aber auch die technischen Herangehensweisen. Die weißen Flächen, die Wirtschaftsminister Reinhard Meyer (SPD) höflich gerügt hat, sind irreführend, denn sie beziehen sich nur auf FTTH-Ausbau. Es kann durchaus sein, dass dort Breitband bis zum "grauen Kasten" liegt und anschließend Kupferkabel, wie es Telekom, Kabel Deutschland und andere private Gesellschaften favorisieren. Das mag in kompakten Siedlungen durchaus 100 Mbit/s liefern, doch je länger der Kupferweg, desto stärker der Leistungsabfall. Nach 100, 200 m kommt nur noch wenig an.

Gerade große Ortschaften haben solche Lösungen vor Jahren gewählt, um frühzeitig an schnelles Internet zu kommen. Wenn dort jetzt die Werbetrommel für FTTH gerührt wird, sind die Leute leidlich zufrieden, und die für den Neuausbau verlangten Beteiligungen von 40 oder 60 % werden möglicherweise nicht erreicht. So kann es dazu kommen, dass bisher brachliegende ländliche Räume in den Genuss der neuesten Technik kommen, während Mittelzentren hinterherhinken. Und wie soll ein landesweites Ziel von 100 % erreicht werden, wenn bestimmte Gebiete gar nicht wollen?

Aber es gibt sie auch wirklich, die weißen Flecken, und die liegen nicht unbedingt in der sprichwörtlichen Pampa, sondern zum Beispiel direkt vor den Stadtgrenzen von Kiel. Da berichtet der IT-Spezialist mit Homeoffice, dass bei ihm nur 16 Mbit/s ankommen. "Es geht schon, es dauert halt", begnügt er sich. Den Satz möchte ein ansiedlungswilliger Freiberufler aber nicht hören! Da sucht eine Frau das Telekom-Büro in der Stadt auf, der Mitarbeiter freut sich schon auf einen Vertragsabschluss, doch bei Nennung der Adresse und Blick auf den Monitor verdüstert sich sein Gesicht. "Dort können wir nichts anbieten." Da wird bei einer Einwohnerversammlung nach baldigem Ausbau gefragt, und es heißt: "es liegt doch Kabel bis zur Bushaltestelle." Es ist aber die in 700 m Entfernung gemeint. Bei Versammlungen werfen sich Kenner wissend Begriffe zu, und der Laie wundert sich. Später stellt sich heraus, die Hälfte davon stimmte nicht.

Es ist ein Kabelsalat. Das Bauernblatt bemüht sich seit Längerem, ihn zu entwirren. Öffentliche Stellen könnten da noch besser mit Aufklärung unterstützen – übersichtlicher und für den Laien verständlicher.

Herzlichst Ihr

Tonio Keller

Redakteur

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