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Nach Streitigkeiten kann ein ehrliches Gespräch Wunder wirken. Foto: pixabay

Tonio Keller. Foto: archiv

Liebe Leser, wer hätte nicht schon einmal etwas bereut? Wer hätte sich nicht schon einmal im Ton vergriffen und hinterher gedacht: Das hättest du nicht sagen sollen! Der Schritt, dann auf den anderen zuzugehen und die Sache ins Reine zu bringen, fällt jedoch schwer.

Wenn dies schon bei verbalen Auseinandersetzungen so ist, wie dann erst bei Körperverletzungen, Einbrüchen oder Diebstählen – also Straftaten? Doch selbst da gibt es Möglichkeiten. Die Gerichtshilfe bei der Staatsanwaltschaft Kiel bietet einen moderierten Täter-Opfer-Ausgleich an. Die Erfolgsquote ist hoch: Zwar erklärt sich nur die Hälfte der Betroffenen, denen dies vorgeschlagen wird, dazu bereit, doch in den dann zustande kommenden Gesprächen wird bei über 90 % ein Ausgleich erreicht.

Nicht wenige dieser Fälle kommen aus dem ländlichen Bereich. Da geht es zum Beispiel um Grenzstreitigkeiten, die in Tätlichkeiten ausgeartet sind, um Prügeleien aus Eifersucht, manchmal lediglich um Missverständnisse. Die Mediatorinnen berichten, dass auch aus der Landjugend schon Fälle am Gesprächstisch gelandet seien. Gut so, denn wie soll in einem vergifteten Klima das Leben erträglich weitergehen, gerade auf dem Dorf? Befriedung wird nicht geschaffen, indem jemand per Richterspruch Recht bekommt, sondern durch Verständigung. Und die ist nur im persönlichen Gegenüber möglich, und dies kann auch nur freiwillig erfolgen – von beiden Seiten.

Nun kommt nicht jeder Streit gleich vor den Kadi, und nur bei Strafverfahren kann die Gerichtshilfe überhaupt tätig werden. Doch die Prinzipien, die dort angewendet werden, gelten auch im Allgemeinen. So ist es zum Beispiel Voraussetzung, dass der Täter die Tat einräumt. Auch muss er auf den Vorschlag der Gerichtshilfe positiv antworten. Mit diesem ersten Schritt zeigt er Bereitschaft, Verantwortung für das eigene Tun zu übernehmen. Im Gespräch gilt dann: ausreden lassen, keine Beleidigungen! Emotionen zu zeigen ist hingegen durchaus in Ordnung.

Schließlich wird auch ein Vorschlag zur Wiedergutmachung erwartet. Es ist rührend, was da zum Teil mit ungelenker Hand auf Zetteln geschrieben steht: eine CD, ein Essen werden als Entschädigung angeboten. Es ist offensichtlich, dass es nicht um einen materiellen und schon gar nicht abgerechneten Ausgleich geht, sondern um die Geste. Selbst eine "nur" verbale Entschuldigung kann Wunder wirken – wenn sie ehrlich gemeint ist und Auge in Auge auch so rüberkommt. "Den Opfern tut es einfach gut, in ihrer Situation gesehen zu werden", ist die Erfahrung der Mediatorinnen.

Vermittlung kann auch in außergerichtlichen Zusammenhängen in Anspruch genommen werden, etwa bei einem Schiedsverfahren, durch Vertrauensleute in einem Betrieb oder durch das Hinzuziehen von angesehenen Persönlichkeiten im Dorf – etwa dem Bürgermeister oder dem Pastor – zu einer Auseinandersetzung. Es ist keine Schande, sich Hilfe zu holen, um an einen Tisch zu kommen. Die Mediatoren unterstützen dabei, die Hürden zu überschreiten, die sich aufgebaut haben. Den Schritt dazu muss allerdings jeder selbst gehen. Es braucht die Bereitschaft, es wiedergutzumachen. Und wenn das gelungen ist, kann man nur sagen: Gut gemacht!

Herzlichst Ihr

Tonio Keller

Redakteur

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