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Prost auf den Täufling: alte Bäuerin (Mariene Engel), Franz Schoster (Helge Harders), Thea Shoster (Beke Heuer), Herta Tank (Fiona Nissen) und Jacob Tank (Stefan Lindemann, v. li.). Foto: Cindy Winter

Niederdeutsches Theater hat Nachwuchsprobleme? Bei der Laienspielgruppe Tensbüttel bei Albersdorf im Kreis Dithmarschen kann man über solches Klagen nur die Stirn runzeln, denn neben einer Erwachsenen- gibt es hier auch eine Jugendgruppe, die unter Beweis stellt, dass man weder für Theater noch für die plattdeutsche Sprache zu jung sein kann.

Die Schauspieler zwischen 15 und 18 Jahren zeigten mit dem Stück "Dat Kinddööpeten" von Michl Lang in der plattdeutschen Fassung von Heino Buerhoop, wie unterschiedlich man dem Leben begegnen kann, wenn man dem bevorstehenden Tode ins Auge blickt. Dabei war der Anlass für das Zusammentreffen der Charaktere von fröhlicher Natur.

Der Erstgeborene von Michel (Christoph Prochnow) und Mona (Amelie Engel) soll getauft werden. Zur Festgesellschaft zählen Thea (Beke Heuer) und Franz Schoster (Helge Harders), Herta Tank (Fiona Nissen) und ihr Sohn Jacob (Stefan Lindemann). Natürlich wohnt auch Michels Schwiegermutter (Marlene Engel) der Taufe bei. Die alte Bäuerin hat einen starken Willen, unter dem vor allem Magd Resi und Schwiegersohn Michel zu leiden haben. Michel wartet schon lange auf den Tag, dass ihm der Hof, den er längst bewirtschaftet, überschrieben wird, doch die rüstige Alte wehrt sich vehement.

Doch Michel will sich nicht geschlagen geben und heckt zusammen mit Resi einen Plan aus. Doch auch unter den Taufgästen herrscht nicht nur eitel Sonnenschein, denn Franz und Thea zanken unentwegt, und Jacob fällt durch kluge Sprüche auf. Die angespannte Stimmung bei der Vorsuppe wird jäh unterbrochen, als Resi heulend die Szenerie betritt und den Tod des Pilzhändlers Heini Schimmel verkündet, gestorben an einer Pilzvergiftung. Mit einem Mal bekommt auch der Festgesellschaft die köstliche Pilzsuppe nicht mehr, und während die Damen verzweifelt einen Arzt konsultieren wollen, löffelt Franz ruhig seinen Teller leer, bekämpft mögliches Unwohlsein mit einem Verdauungsschnaps und nimmt den letzten Tropfen, um den Täufling ruhigzustellen.

Außerdem nutzt er die Gelegenheit, um seiner Frau schonungslos mitzuteilen, was er von ihr hält. Er ahnt nicht, dass Michel das Gerücht von den Giftpilzen streuen ließ, um sich von seiner angeblich todgeweihten Schwiegermutter den Hof unter den Nagel zu reißen. Mit den Konsequenzen müssen sowohl Franz als auch die alte Bäuerin leben, jeder auf seine Weise.

Die Jugendgruppe aus Tensbüttel brachte ein Stück auf die Bühne, welches mit Zoten und schwarzem Humor gespickt war. Der Einsatz von Requisiten, als Weingläser zerbrachen, mit Scherben Fußball gespielt wurde, Suppe nicht nur auf Tellern, sondern auch auf Kleidern landete und eine Schranktür immer wieder unvermittelt aufschwang, machte das Stück sehr lebendig.

Die Schauspieler verliehen ihren Rollen generationsspezifische Charakterzüge, so fiel ihr junges Alter gar nicht auf. Ihre Spielfreude übertrug sich aufs Publikum, das die Leistung mit herzhaftem Gelächter und Szenenapplaus honorierte. Dabei warf das Stück die essenzielle Frage auf: Was tust du, wenn du nicht mehr lang zu leben hast? Die Jugendgruppe ging das Thema in beherzter Form an und drückte ihm einen unterhaltsamen Stempel auf. Das Zuschauen war auf jeden Fall keine verschwendete Lebenszeit.

Der nächste Auftritt im Rahmen des Theaterfestivals findet am Freitag, 27. April, um 19 Uhr in Hemmingstedt statt. Dann präsentiert die dortige Laienspielgruppe ihr Stück "Landeier 2". Gut eine Woche später, am Sonnabend, 4. Mai, werden die Sieger im Rahmen der Preisverleihung in Breitenfelde bekannt gegeben (Teilnahme nur mit Anmeldung).

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