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Die Mediatorinnen und ein Justizbeamter stellen die Situation eines moderierten Täter-Opfer-Gespräches nach. Foto: Tonio Keller

Ein Einbruch mit Diebstahl – der Täter wird gefasst. Es gibt eine Anklage, ein Verfahren, ein Gerichtsurteil. Der Täter sitzt die Strafe ab, das Opfer bleibt mit seiner Situation allein – so muss es nicht sein! Die Gerichtshilfe bei der Staatsanwaltschaft Kiel bietet in geeignet erscheinenden Fällen einen von Fachleuten moderierten Täter-Opfer-Ausgleich an – mit einer hohen Erfolgsquote. Denn in der Konfrontation Auge in Auge werden die Beteiligten emotional erreicht.

"Können Sie sich vorstellen, wie es mir ging, als ich die eingeschlagene Fensterscheibe sah? Was ich seitdem für Ängste ausstehe?" Die Frau, die den Einbruch erlitten hat, wird richtig wütend. Das ist durchaus erlaubt bei dem Gespräch. Der Einbrecher wird etwas kleinlaut, er habe Drogenprobleme und sei unter Druck gestanden. Aber er sieht ein, dass er der Frau, die nur eine kleine Rente zum Leben hat und nun nicht mehr ruhig schlafen kann, viele Probleme bereitet hat.

Jessica Hochmann oder Birte Beurer sind bei dem Gespräch dabei. Wie alle Sozialpädagoginnen bei der Gerichtshilfe haben sie eine Zusatzausbildung als zertifizierte Mediatorinnen im Strafrecht. Sie greifen ein, falls nötig, haken nach, sorgen dafür, dass die Regeln eingehalten werden: keine Beleidigungen, ausreden lassen! Emotionen zu zeigen ist hingegen durchaus erlaubt. Und man hat jederzeit die Freiheit, das Gespräch abzubrechen, wenn es einem zu viel wird. "Das erleichtert ungemein", weiß Birte Beurer.

Gesehen werden

Nicht alles wird gelöst bei diesen Gesprächen, nicht immer gibt es ein Einsehen. Aber es hilft den Geschädigten oft schon, sich einmal aussprechen zu können. "Es ist den Opfern wichtig, dass sie gesehen werden und wahrgenommen wird, was sie erlitten haben", ist die Erfahrung von Jessica Hochmann. Und manchmal kommt es wirklich zu einer Versöhnung. Zum Beispiel bei Streitigkeiten im Dorf, die in eine Prügelei ausgeartet sind. Oder wenn der Täter im Affekt, unter Alkohol- oder Drogeneinfluss gehandelt hat und schon von sich aus die Tat bereut. Manch einer ist dankbar, wenn er eine Möglichkeit geboten bekommt, es wiedergutzumachen.

Glimpflich davonkommen?

Ein Täter-Opfer-Ausgleich kann Auswirkung auf das laufende Strafverfahren haben – zu Strafmilderung oder sogar Einstellung des Verfahrens führen. Es kann deshalb die Mutmaßung naheliegen, dass es dem Täter vielleicht nur darum gehe: dass er sich einem solchen Ausgleich nur stelle, um "glimpflich davonzukommen".

Das wollen die Mediatorinnen Hochmann und Beurer nicht so stehen lassen. "Es ist nicht ,glimpflich', wenn man dem Geschädigten Auge in Auge gegenübersitzt und ihm zuhören muss. Manchen wird erst dann die Tragweite ihres Handelns klar", sagt Birte Beuer, und Jessica Hochmann ergänzt: "Selbst wenn die Motivation, die Strafe zu verringern, anfangs mitgespielt haben mag, so werden sie doch in dem Gespräch emotional erreicht." Überhaupt bedeute es einen großen Schritt, sich dieser Situation zu stellen.

Den kompletten Beitrag finden Sie in der Bauernblatt-Ausgabe 16/2017 unter der Rubrik "Land & Leute" und in der Bauernblatt-App.

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