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Die Anforderungen an Biogasanlagenbetreiber setzen sich auch dieses Jahr fort. Foto: imago

Anlagensicherheit, neue Formaldehydgrenzwerte, Änderungen bei der Verbindlichen Erklärung, drohende Umsatzsteuer auf Wärmeverkauf, fehlender Netzausbau – die Herausforderungen für Biogasanlagenbetreiber bleiben weiterhin enorm hoch. Das wurde beim Biogas-Arbeitskreis für Anlagenbetreiber der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein und des Fachverbands Biogas in Rendsburg deutlich.

Ein durchschnittlicher, mengengewichteter Zuschlagswert von 14,3 ct / kWh – so lautete das Ergebnis der ersten Ausschreibung vergangenes Jahr für Biomasseanlagen mit einer installierten Leistung von mehr als 150 kW. Für Dirk Wietzke vom Fachbereich Energie-, Bau- und Landtechnik bei der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein ist klar: "Für diesen Preis werden nur sehr wenige Anlagen flexibel weiterbetrieben werden können."

Nach seinen eigenen Berechnungen auf Grundlage von Auswertungen kämen selbst die besten 25 % aller Anlagen nur dann mit den 14,3 ct/kWh klar, wenn sie keinen Investitonsstau oder anderweitiges Kapital in der Anlage zu stecken haben und für die anstehenden zehn Jahre Ausschreibung, die da noch kommen sollen, "alles auf Vordermann haben.Das wird durchaus ein schweres Los.

Eigentlich müsste auch an der Strombörse deutlich mehr für die Flexibilität gezahlt werden", erklärte Wietzke. "Es muss sich wieder mehr lohnen, auch in der Direktvermarktung und in der Flexibilisierung von Biogasanlagen einen vernünftigen Preis für Strom zu erhalten sowie Alternativen für Anlagenbetreiber bieten zu können", meinte auch Silke Weyberg vom Fachverband Biogas, Regionalbüro Nord. Beim Verband arbeite man intensiv an diesen Themen ebenso wie an möglichen Perspektiven für die Betreiber.

Grenzwerte einhalten

Beim Thema TA Luft, Formaldehyd und Luftreinhaltungsbonus wies Weyberg auf das Einhalten neuer Grenzwerte hin. Sie seien eine Grundlage, mit der man arbeiten müsse. Laut LAI-Vollzugsempfehlung von 2015 müssen neue Blockheizkraftwerke (BHKW) seit 2016 einen Grenzwert von 30 mg/m³ einhalten, ab 2020 einen Wert von 20 mg / m³. Anlagen, die 2015 Formaldehydwerte von mehr als 40 mg/m³ aufwiesen, müssen seit dem 5. Februar dieses Jahres 30 mg/m³ einhalten. Alle anderen Anlagen sind verpflichtet, den 30 mg/m³-Grenzwert bis zum 5. Februar 2019 zu erfüllen.

Für Betreiber, die einen Luftreinhaltungsbonus nach EEG erhalten, gilt ein neuer LAI-Beschluss. Demnach muss ab 1. Juli 2018 ein Wert von 20 mg/m³ eingehalten werden, um den Bonus zu erhalten. "Diese 20 mg sind für viele Anlagen erst einmal etwas, was Investitionen in die Motoren nach sich zieht."

Finanzielle Auswirkungen könnte auch ein Urteil des Bundesfinanzhofes vom 31. Mai 2017 zur umsatzsteuerrechtlichen Behandlung der Wärmeabgabe aus einer KWK-Anlage haben. Demnach sei der KWK-Bonus keine Zahlung Dritter auf den Wärmeverkauf, sondern eine Vergütung auf den gelieferten Strom und habe mit der Wärme rein rechtlich nichts zu tun. Mit der Folge, dass Umsatzsteuer auf einen fiktiven Wärmepreis zu zahlen ist.

"Wer also seine Wärme verschenkt, läuft Gefahr, vom Finanzamt eine Nachforderung zu erhalten", erklärte Dirk Wietzke. Das Problem sei, dass der fiktive Wärmepreis nicht feststehe, sondern sich an Preisen aus der näheren Umgebung, zum Beispiel der Stadtwerke, orientiere. Liege diese steuerliche Bemessungsgrundlage zwischen 2 und 10 ct/ kWh, wäre für 1 Mio. kWh eine Umsatzsteuer von 3.800 bis 19.000 € fällig, rechnete Wietzke vor. Der Fachverband Biogas versuche, 2,5 ct / kWh als Bemessungsgrundlage bei den Finanzbehörden zu erwirken.

Beim Zahlenüberblick zu den Erneuerbaren Energien machte Dirk Wietzke deutlich, wie notwendig der weitere Ausbau von Stromnetzen ist, vor allem in Richtung Süden. 2017 lag die bundesweite Stromerzeugung bei 645 Mrd. kWh. Davon hatten die Erneuerbaren Energien einen Anteil von rund 33 %. Der Biomasseanteil an der Stromerzeugung lag dabei bei 7 %.

Netzausbau drängt

"In Bezug auf den Verbrauch erzeugt Schleswig-Holstein rund 124 % mehr Erneuerbaren Strom, als im Land verbraucht wird. Insgesamt produziert Schleswig-Holstein 226 % vom Bedarf, den wir haben. Weit über 100 % exportieren wir. An dieser Stelle wird deutlich, dass wir ganz dringend die Netze brauchen", erläuterte Dirk Wietzke.

In Schleswig-Holstein sei man beim 380-kV-Netzausbau mit den drei Hauptstromachsen "Westküstenleitung", "Mittelachse" und "Ostküstenleitung" schon gut vorangekommen. Gerade erst wurde eine 70 km lange Höchstspannungsleitung zwischen den Umspannwerken Audorf/Süd und Hamburg/Nord in Betrieb genommen. Allerdings komme man ab Niedersachsen nicht weiter. "Wir brauchen aber die Netze, um endlich vom elenden Abschaltstrom und den Ausfallentschädigungen wegzukommen", erklärte Wietzke.

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