Zur Navigation springen Zum Inhalt springen

Der Unkrautdruck durch Ackerfuchsschwanz ist in einigen Anbaugebieten Schleswig-Holsteins sehr hoch. Foto: landpixel

Eingeladen waren neben den Fachausschüssen für Ackerbau und Umwelt des Bauernverbandes und der Landwirtschaftskammer auch Vertreter aus Handel, Züchtung, Beratung, Pflanzenschutzmittelindustrie und Wissenschaft. Foto: Tonio Keller

Die Zukunft des Ackerbaus steht vor großen Herausforderungen. Vor allem Resistenzprobleme, politische Restriktionen und Anforderungen der Gesellschaft an die Landwirtschaft waren Themen der Veranstaltung "Anpassung der Pflanzenproduktion an veränderte Rahmenbedingungen", die Ende Mai in Rendsburg stattfand.

Mehrere Arbeitskreise, die sich im Zuge der Diskussion um die mögliche Einführung einer Pflanzenschutzmittelsteuer vor rund einem Jahr gegründet hatten, haben sich darüber Gedanken gemacht, wie unter den Rahmenbedingungen der nächsten Jahre der effiziente und nachhaltige Ackerbau in Schleswig-Holstein weiterbestehen kann.

Referent Ulrich Henne von der Landwirtschaftlichen Unternehmensberatung machte eingangs klar, dass die Diskussion zu notwendigen Veränderungen im Ackerbau mit allen Beteiligten ehrlich und zeitnah geführt werden müssten und dass es dabei nicht um Vorwürfe gegenüber Handlungsweisen der Vergangenheit gehe.

Grenzen des Systems

Politische Rahmenbedingungen bedingen maßgeblich die Zukunft des Ackerbaus: Die Vorgaben zum Greening, die novellierte Düngeverordnung, vor allem aber die starken Restriktionen im Pflanzenschutz haben weitreichende Folgen. Aufgrund verschärfter Bewertungskriterien in der EU wird es ab 2018 zu einer gravierenden Einschränkung der Wirkstoffpalette kommen. Durch den Zulassungsstau in Deutschland stehen neue, innovative Wirkstoffe nicht zur Verfügung, obwohl einige von ihnen in anderen Ländern der EU bereits zugelassen sind.

Der Pflanzenschutz hat zudem ein zunehmendes gesellschaftliches Akzeptanzproblem. Wissenschaftliche und fachliche Erklärungen stoßen auf Unkenntnis und Unverständnis. Außerdem gerät der Pflanzenschutz im schleswig-holsteinischen Ackerbausystem, welches seit den 1970er Jahren praktiziert wird, zunehmend an seine Grenzen. Moderner Pflanzenschutz hat die intensive Wirtschaftsweise mit hohen Erträgen unterstützt und gefördert. Es zeigt sich aber seit geraumer Zeit, dass der Pflanzenschutz in vielen Bereichen nicht mehr richtig funktioniert. Es bilden sich zunehmend Resistenzen der Schadorganismen gegen Pflanzenschutzmittel, sodass Kulturpflanzen schon jetzt nicht mehr geschützt werden können.

Ackerfuchsschwanz als Ungras im Getreide und Raps ist in einigen Regionen mit Herbiziden beispielsweise kaum noch beherrschbar. Auch die Wirkung der Azolfungizide gegen Blattkrankheiten nimmt immer mehr ab. Einige Insekten im Raps, wie Rapsglanzkäfer, Kohlschotenrüssler, Kohlfliegen oder Erdflöhe, lassen sich kaum noch mit Insektiziden bekämpfen. Bei den Blattläusen zeigen sich beginnende Resistenzen gegen Pyrethroide.
Wie lange ist ein wirtschaftlicher Rapsanbau in Schleswig-Holstein noch möglich? Die Sortenresistenz bei Kohlhernie bröckelt, das Verbot der neonicotinoiden Beize und die immer stärker werdenden Probleme mit Durchwuchsraps lassen Raps zu einer unverlässlichen, nicht kalkulierbaren Kulturart werden.

Spätere Saaten im Herbst

Eine frühe Herbstaussaat des Getreides beinhaltet ein geringes Witterungsrisiko und die Absicherung der Stickstoffaufnahme vor Winter. Allerdings werden durch die Frühsaaten Ungräser wie Ackerfuchsschwanz, Pilzbefall und Schädlinge gefördert, und bei früher Saat ist auch das Risiko erhöht, dass es zu einem Überwachsen der Bestände kommt und in Folge das Auswinterungsrisiko erhöht ist.

Ein späterer Saatzeitpunkt verringert den Schaderreger- und Unkrautdruck bei gleichzeitiger hoher Ertragssicherheit. Vor allem auf Standorten mit Ackerfuchsschwanzresistenz kommt man um eine Saat in der ersten Oktoberhälfte nicht herum. Das Ziel muss sein, einen Einklang zwischen Saatzeit, Ertrag und Schaderregeraufkommen zu erreichen. Dafür müssen Bestellsysteme und spezielle Produktionstechnik weiterentwickelt und verstärkt Sorten mit flexibler Saatzeit gezüchtet werden. Weiterhin muss bei der Umstellung auf spätere Saat auf eine gute allgemeine Befahrbarkeit der Schläge hingearbeitet werden.

Intelligente Fruchtfolgen

Ackerbaubetriebe in Schleswig-Holstein bauen in der Regel Weizen, Raps und Gerste als größte Kulturen an. Mais kommt als Frucht für Biogasanlagen und Vieh haltende Betriebe dazu. Der Markt hat sich auf die großen Feldfrüchte eingerichtet, das Know-how in Praxis und Industrie ist groß und die dreigliedrige Fruchtfolge aus ökonomischen Gesichtspunkten unschlagbar – sofern es keine Pflanzenschutzprobleme gibt.

Den kompletten Beitrag finden Sie in der Bauernblatt-Ausgabe 24/2017 unter der Rubrik "Agrarpolitik" und in der Bauernblatt-App.

nach oben

Hinweis zur Nutzung von Cookies

Wir verwenden Cookies, um Inhalte und Anzeigen zu personalisieren, Funktionen für soziale Medien anbieten zu können und die Zugriffe auf unsere Website zu analysieren. Außerdem geben wir Informationen zu Ihrer Nutzung unserer Website an unsere Partner für soziale Medien, Werbung und Analysen weiter.