Kommentar
23.01.2012 -
Mehr Schweine in Deutschland?
Die Veröffentlichung der November-Viehzählungsergebnisse brachte überraschende Erkenntnisse. So stieg, entgegen der Erwartung, der Schweinebestand im vorigen Jahr um 2 % an. Doch bei der näheren Analyse zeigt sich, dass diese etwa 600.000 zusätzlichen Schweine durch eine „Revision des Berichtskreises“ neu in die Statistik aufgenommen worden sind. Der Grund für diese Erweiterung der Datenbasis ist die zunehmende Entkoppelung der Schweineproduktion von der Bewirtschaftung landwirtschaftlicher Flächen und die rechtliche Teilung vor allem der größeren Betriebe. Durch diese Entwicklung wurden zuletzt viele Schweinehaltungen nicht mehr durch die Agrarstatistik erfasst. Alleine in Niedersachsen hat man nach dem aufwendigen Abgleich verschiedener Datenbanken im vorigen Jahr 510.000 Schweine „wiedergefunden“. Bereinigt man die Statistik um diesen Effekt, ist die Anzahl der Schweine bundesweit im vorigen Jahr etwa gleich geblieben. Das Problem, dass durch Betriebsteilungen umfangreiche Viehbestände nicht als „landwirtschaftlich“ gelten und aus der Statistik fallen, kennt man zum Beispiel auch aus dem Testbetriebsnetz, das wichtige Zahlen zur Entwicklung der Einkommen in der Landwirtschaft für den „grünen Bericht“ liefert. Hier bedarf es bundeseinheitlicher Regelungen, um zu verhindern, dass die Zahlen der Agrarstatistik an der Wirklichkeit vorbeigehen.
Am Schlachtschweinemarkt werden die Zahlen der Novemberviehzählung sehr genau analysiert, da man sich Erkenntnisse über das Schweineangebot in diesem Jahr verspricht. Bislang ging man von einem im zweiten Quartal rückläufigen Schweineangebot aus. Dafür sprechen auch die Zahlen der letzten Erhebung. So ist die für die weitere Bestandsentwicklung sehr wichtige Zahl der Zuchtsauen um 2 % gesunken; die Zahl der Jungsauen sogar um 6 %. Obwohl ein Teil der reduzierten Sauenzahlen durch eine erhöhte Ferkelzahl pro Sau wieder ausgeglichen wird, rechnet man doch mit reduzierten Schlachtschweinezahlen im Jahresverlauf. Bereits aktuell zeigt sich ein deutliches Ferkelangebotsloch, sodass sich die Ferkelkurse, trotz deutlicher Preisabschläge im Schlachtschweinebereich, gut behaupten konnten und zum Teil weiter gestiegen sind. Trotz hoher Futter- und Energiekosten rechnen die Mäster mit ausreichenden Erlösen im kommenden Jahr. Diese Einschätzung zeigt sich auch am Warenterminmarkt, wo die Kurse für die späteren Termine, erstmals seit Langem, über dem aktuellen Preisniveau liegen. Auch wenn sich europaweit die Sauenbestände nach dem jüngsten Einbruch langsam wieder erholen, wird mit reduzierten Angebotszahlen im laufenden Jahr gerechnet. Doch auch der für die hiesige Schlachtbranche wichtige Absatz auf dem Weltmarkt dürfte sich im laufenden Jahr reduzieren. So haben die wichtigen Einfuhrländer wie Russland, China und Südkorea einen geringeren Bedarf im laufenden Jahr angekündigt, da man eine größere Eigenproduktion erwartet. Das amerikanische Landwirtschaftsministerium USDA sieht dagegen relativ konstante Exportmengen. Hier sieht man den Effekt, dass trotz guter Erlöse die Aufstockung der Schweinebestände durch die hohen Futterkosten gebremst wird. In den USA liegen die Kurse derzeit bei etwa 1,55 €/kg Schlachtgewicht. An den amerikanischen Terminbörsen werden für Mitte des Jahres Kurse von über 1,70 €/kg Schlachtgewicht für möglich gehalten. Ob sich diese optimistische Einschätzung auch hierzulande durchsetzt, kann sich erst im weiteren Verlauf zeigen. Derzeit liegen die Terminkurse in Frankfurt für Mai und Juni bereits bei 1,65 €/kg Schlachtgewicht. Wichtig im Exportgeschäft ist vor allem die weitere Entwicklung der Weltwirtschaft. Sollte sich das Wirtschaftswachstum in den Importländern abschwächen oder die europäische Schuldenkrise ausweiten, hätte dies sicher negative Auswirkungen auf den Konsum und die globale Schweinefleischnachfrage.
Karsten Hoeck, LK-Markt





