Kommentar
21.11.2011 -
Mindestlohn für Milchbauern?
Die ersten Auswertungen des abgelaufenen Wirtschaftsjahres liegen vor und zeigen eine im Vergleich zum Vorjahr recht positive Entwicklung der Einkommen der hiesigen Landwirte. Fast alle Betriebstypen konnten ihr Ergebnis verbessern, nur die spezialisierten Ferkelerzeuger bleiben in einer schwierigen wirtschaftlichen Situation. Die hohen Preisschwankungen an den Märkten für landwirtschaftliche Produkte sorgen auch für ein Auf und Ab der Gewinne in den Betrieben. Im vorigen Jahr war vor allem der Anstieg der Milch- und Getreidepreise für die positive Entwicklung verantwortlich. Selbst die Schweinemäster sind trotz des deutlichen Anstieges der Futterpreise noch mit einem blauen Auge davongekommen.
Im „Milchland“ Schleswig-Holstein freut man sich besonders über die positive Entwicklung der Molkereiauszahlungspreise. Im bundesweiten Vergleich der Betriebsergebnisse hat man einen Spitzenplatz erreicht. Doch auch die hierzulande guten Standortbedingungen und Strukturen für die Milchproduktion sind dafür ein Grund. Dennoch bleibt ein ungutes Gefühl, da jeder weiß, dass sich die Milchpreise schnell wieder in eine andere Richtung bewegen können. Dazu kommen viele andere Unbekannte wie das Auslaufen der Milchquotenregelung, die Entwicklung der Produktionskosten oder die steigende Flächenkonkurrenz. Hier heißt es, sich zu positionieren, da langfristig nur wettbewerbsfähige Betriebe am Ball bleiben. Mehr Markt, weniger Staat war das Motto der vergangenen Jahre – nicht zum Nachteil der hiesigen Betriebe, wie die Wirtschaftsergebnisse zeigen. Doch es gibt auch andere Stimmen, die sich wieder ein stärkeres Eingreifen des Staates in die Märkte wünschen. Es werden Vergleiche zu den Problemen an den Finanzmärkten bemüht, zu den es nur gekommen sei, weil der Staat sie zu wenig reguliert. Dabei sind hier eher die ausufernden Staatsausgaben der Knackpunkt. Für den Milchmarkt wird gefordert, eine sogenannte Monitoringstelle einzuführen, die die Preis- und Mengenregulierung übernehmen soll. Dadurch soll ein für alle Seiten fairer Milchpreis ermittelt werden. Dieser wurde schon oft gefordert und versprochen. Ihn zu bestimmen scheint ganz einfach: Die Überwachungsstelle ermittelt die aktuellen Kosten der Produktion, sammelt auf den Märkten für Milchprodukte die Preise und Absatzmengen und errechnet so, welche Menge produziert werden kann und welcher Preis dafür gezahlt wird. Ob solch ein bundesweiter „Einheitspreis“die jeweilige wirtschaftliche Wirklichkeit vor Ort widerspiegelt? Sollen die marktregulierenden Kräfte wie Angebot und Nachfrage und vor allem der Wettbewerb bei der Preisbestimmung nicht mehr wirken dürfen? Die Milchwirtschaft sollte sich überlegen, ob sie diesen „planwirtschaftlichen“ Weg wirklich gehen soll.
Die Unsicherheit über die Zeit nach der Milchquote sorgt derzeit für viele Gedankenmodelle. Es werden noch größere Preisschwankungen erwartet. Nachdem der Terminmarkthandel mit Milchprodukten nur zögernd anläuft und derzeit noch nicht zur Preisorientierung herangezogen werden kann, werden andere Modelle diskutiert. Die Neuordnung der Ermittlung von Orientierungspreisen für die wichtigsten Milchprodukte ist schon erfolgt. So wird der Butterpreis in Kempten festgestellt, während der Käsepreis in Hannover ermittelt wird. Muss darüber hinaus der gesamte Milchmarkt bis hin zum Erzeugerpreis durchgeplant und reguliert werden?
Ohne Frage haben die Milchbauern den härtesten Job in der Landwirtschaft, für den sie, zu Recht, eine faire Entlohnung fordern. Dieser muss sich jedoch auch an der wirtschaftlichen Wirklichkeit ausrichten. Ein geplanter, künstlicher Milchpreis währe ein Schritt zurück in die Zeiten der Marktregulierung der 1970er Jahre. Die hiesige Landwirtschaft kann derzeit ihre guten Karten im Vergleich mit anderen Regionen ausspielen. Die Milchproduktion wandert derzeit schon in die norddeutschen Gunststandorte. Gute Ausbildung und intensive Beratung helfen, dass die hiesigen Milchbauern ihre Betriebe weiterentwickeln. Vorerst geht man von einer weiterhin regen Nachfrage im In- und Ausland nach hiesigen Milchprodukten aus. Doch muss man sich derzeit auch auf andere Zeiten einstellen. Dann haben aber die Regionen deutliche Vorteile, in denen Milch kostengünstig und trotzdem in exzellenter Qualität produziert werden kann.
Karsten Hoeck, LK-Markt





