Kommentar
30.08.2010 -
Aufruhr am Düngermarkt
Mit den gestiegenen Getreidepreisen wittern alle Beteiligten im vorgelagerten Bereich wieder Morgenluft. So wird in der Branche in den nächsten Jahren ein steigender Bedarf an Nahrungsmitteln gesehen. Um diese zu produzieren, sind Düngemittel erforderlich. In der Ökonomie wird immer auf den Zusammenhang zwischen Produkt- und Faktorpreisen hingewiesen. Mit dem höheren Getreidepreisen sind daher auch höhere Düngemittelpreise zu erwarten. Letztlich ist davon auszugehen, dass die gestiegenen Getreidepreise einen Produktionsanreiz auslösen, was die Nachfrage nach den Produktionsmitteln ansteigen lässt. Wer dann im Besitz der Produktionsanlagen ist beziehungsweise über die Rohstoffe verfügt, rechnet sich schon heute rosige Profite aus. Derzeit geht es an den Börsen um die Kaliproduzenten. Hierzulande ist der Kaliproduzent Kali und Salz ein Begriff. Weltweit steht diese Aktiengesellschaft auf Platz vier.
Die größten Kalivorkommen gibt es in Kanada, den USA und am Ural. Derzeit ist der kanadische Weltmarktführer Potash of Saskatchewan ins Visir des größten Bergbaukonzerns BHP Biliton geraten. Zunächst wurde versucht, über den Kauf von Aktien diesen Konzern zu übernehmen. Das Gebot von 130 $/Aktie reicht nicht aus, man geht in Börsenkreisen von einer Erhöhung der Offerte aus. Das Angebot von BHP Biliton ergibt eine Summe von 39 Mrd. $. Das kanadische Unternehmen ist nicht an einer sogenannten feindlichen Übernahme interessiert und versucht, beispielsweise über die Verdopplung des Grundkapitals die Übernahme abzuwehren. Darüber hinaus hält es nach anderen potenziellen Käufern Ausschau. So wird in diesem Zusammenhang China ins Spiel gebracht. Das Land verfügt über nur wenige Kalivorkommen und dürfte angesichts des zunehmenden Bedarfs in der chinesischen Landwirtschaft Interesse haben. Die Größe des einzigen chinesischen Kaliwerks Sinofert beträgt nur 10 % des kanadischen Werks, wobei es auch schon Verbindungen über Anteile gibt. Bei einem Fusionsgeschäft wäre ohnehin der chinesische Staat mit im Spiel. Aber auch aus Australien gibt es mittlerweile Interesse an dem Branchenführer aus Kanada.
In der Kalibranche dreht sich das Übernahmekarussell aber schon seit Längerem. Im Frühjahr war es bereits in den USA zu einer Übernahme eines Produzenten gekommen. In Russland geht es auch schon seit Langem um eine Fusion von zwei großen Unternehmen. So versucht derzeit der Eigner von Uralkali, Suleiman Kerimow, den Konkurrenten Sivinit zu übernehmen. In diesem Vorhaben sind mehrere Investoren eingebunden, sodass es vielfach schwer zu durchschauen ist, ob nicht bereits schon die Übernahme erfolgt ist. Damit entsteht ein großer Düngemittel-Riese.
Viele Erzeuger betrachten das ganze Treiben mit einer gewissen Sorge, nicht zuletzt bedingt durch die Erfahrungen von vor anderthalb Jahren, als Kali Preise von über 40 €/dt erreichte. Damals machte schnell das Wort von einem Monopol die Runde. Vor Ort wird dieses durch die Dominanz von K und S deutlich. Weltweit scheint sich jetzt das Kaligeschäft auf nur noch wenige Unternehmen zu konzentrieren. Darin steckt natürlich eine große Gefahr, was die Preisentwicklung anbelangt.
Bei den höheren Kalipreisen hat es zu deutlichen Einschränkungen in der Nachfrage nach diesem Dünger geführt. Mit dem Kaufverhalten kann natürlich ein Signal gesetzt werden, den letztlich ergibt sich der Preis aus Angebot und Nachfrage. Aber dabei gilt es zu bedenken, dass der deutsche Markt am Weltmarkt nur einen kleinen Teil ausmacht. So ergibt sich für Deutschland ein Anteil am Weltmarkt beim Kali von gerade mal 1,6 %. Das heißt im Umkehrschluss auch, dass die Preisbildung wesentlich von dem Weltmarkt bestimmt wird. Und auch dort ist es so, dass ein hoher Preis die Nachfrage reduziert und damit das Einkaufsverhalten aller schon den Preis mitbestimmt.
Bernd Irps, LK-Markt





