Kommentar
23.08.2010 -
Alles teurer im Zuge der Weizenpreisrallye?
Die Ernte in Russland fällt bekanntlich durch die Trockenheit und die Brände deutlich kleiner aus, darauf folgte der Exportstopp. Auch in den jüngsten Schätzungen des amerikanischen Landwirtschaftsministeriums wurde die Getreideernte Russlands auf 65,9 Mio. t geschätzt, nicht weit entfernt von den letzten Schätzungen Putins. Die neuerlichen Herabstufungen der Ernte wie auch der Exporte auf rund 3,5 Mio. t Getreide nach 20 Mio. t im Vorjahr bringen aber keine neuen Preissprünge mit sich. Eher sortiert sich der Markt neu – es gibt damit neue Handelsströme. Darüber hinaus bunkern auch einige Anbieter am Weltmarkt ihr Getreide, um es dann bei einem höheren Preis zu verkaufen. Damit wird die Versorgungslage weiter eingeengt und der Preis weiter nach oben getrieben. Verstärkt werden dann diese Preisbewegungen durch das Engagement der Spekulanten insbesondere der größeren Fondsgesellschaften. Aber mit den höheren Weizenpreisen ziehen auch andere Preise mit nach oben. Zunächst wurden alle anderen Getreidearten teurer, teils war Gerste mit 200 €/t aufgrund des Exportausfalls der Ukraine noch teuer als Weizen. Damit steigt auch der Mischfuttermittelpreis an. Gerade derzeit ein heißes Eisen, wo es doch um den Abschluss von Halbjahreskontrakten geht. Auf der einen Seite freut es den Landwirt, wenn der Getreidepreis endlich einmal ansteigt, auf der anderen Seite sorgen die höheren Preise bei den Veredlungsbetrieben für eine engere Kalkulation. So wurden die Tagespreise für Rindermischfuttermittel wie auch für Schweine- und Geflügelfutter deutlich angehoben. Dabei werden bei der Preiskalkulation die aktuellen Preise für Getreide wie auch der Substitute, die ebenfalls angestiegen sind, herangezogen. Auch die Proteinfuttermittel haben in den vergangenen Tagen eine deutliche Steigerung erfahren.
Viele Mäster und Rindviehhalter sind daher verunsichert beziehungsweise hoffen auf eine Beruhigung der Marktlage. Ein erster Hinweis in dieser Hinsicht kommt aus dem Süden des Bundesgebietes. Dort soll infolge der unbeständigen Witterung vielfach die erhoffte Qualität beim Weizen nicht erreicht worden sein. Es gibt somit aus dem Süden vermehrt Futtergetreide, der Preis könnte dafür niedriger ausfallen. Auch werden schon wieder Stimmen über einer Lockerung des Exportverbots Russlands laut. Hier könnte sich damit auch eine Entspannung ergeben. Darüber hinaus verfügt die EU noch über 5,3 Mio. t Gerste in der Intervention. Eine Freigabe, die von einigen Mischfutterherstellern bereits gefordert wird, könnte ebenfalls zu einer Entspannung in der Menge und damit auch im Preis führen.
Im Zuge der höheren Getreidepreise hat sich das Bäckerhandwerk ebenfalls zu Wort gemeldet und höhere Preise für Brot und Brötchen angekündigt. Es sind aber wohl andere Faktoren wie Löhne und Energie, die für höhere Preise sprechen. Der Rohstoffwert eines Brötchens liegt gerade mal bei 2 ct. Sollte sich der Getreidepreis verdoppeln, wäre eine Erhöhung um 2 ct sicher gerechtfertigt. Aber auch Rindfleisch und Milch würden im Zusammenhang mit den höheren Getreidepreisen teurer – so die ING-Bank. So sollen die Milchpreise den höheren Getreidepreisen in drei Monaten folgen, die Preise für Fleisch und Geflügel sollen mit einer Verzögerung von einem halben Jahr anziehen. Das mag vielleicht ja auch so sein, der entscheidende Faktor dabei bleibt die Nachhaltigkeit. Was ist denn, wenn sich die Versorgungslage am Getreidemarkt durch die Exportlockerung entspannt oder aber in anderen Regionen der Welt wie in den USA und Argentinien höhere Ernten erwartet werden? Darüber hinaus ist Russland derzeit auch gar nicht an weiter steigenden Preisen insbesondere für Getreide und damit Brotpreisen interessiert. Steigende Brotpreise sorgen schnell für Unruhe in der Bevölkerung Russlands und auch anderer Länder, wo die Ausgaben für Lebensmittel einen Großteil der Monatsausgaben ausmachen. Es bleibt also spannend!
Bernd Irps, LK-Markt





