Kommentar
16.08.2010 -
Wie nachhaltig ist das Machtwort Putins für den Exportmarkt?
Preissteigerungen wie in den vergangenen Wochen ließen wieder Hoffnungen am Getreidemarkt auf eine Wiederholung des Jahres 2007 aufkommen. Waren doch in einer Woche die Preise an der Börse Matif um knapp 30 €/t angestiegen. Einen besonders großen Sprung gab es in der vergangenen Woche, als Putin einen Exportstopp Russlands verkündete. So stieg der Weizenkurs am Donnerstag für den Monat November 2010 um 14 €/t an. Im Laufe des Tages waren an der Börse sogar Steigerungen bis zu 24 €/t zu verzeichnen. Die davon abgeleiteten Erzeugerpreise änderten sich damit stündlich.
Es ist schon bemerkenswert, wie schnell die Börsen auf Pressemeldungen reagieren. Die Spekulanten, insbesondere die Fondsgesellschaften, warten auf solche Gelegenheiten und kaufen damit schnell den Markt hoch, oder sie können auch mit Verkäufen den Markt schnell wieder unter Druck setzen. In den USA an der Börse in Chicago schnellten die Kurse auch an dem besagten Tag nach oben, so wurde die Börse aufgrund von Limit-up geschlossen. Bei einem Limit-up reichen die hinterlegten Sicherheiten nicht aus und müssen von der Börse nachgeordert werden. In dieser Zeit wird dann der Handel ausgesetzt. Am Freitag gab es an der Börse in Chicago ein Limit-down, das heißt der Handel wurde aufgrund eines deutlichen Preisverfalls ausgesetzt. Vielfach wird davon gesprochen, dass die Fondsgesellschaften durch Gewinnmitnahmen diesen Kursrutsch ausgelöst haben.
Wie groß sind die Ausfälle wirklich? Diese Frage stellen sich derzeit viele Marktbeteiligte – angefangen vom Erzeuger über den Händler, den Verarbeiter bis hin zum Börsenteilnehmer. Sicher, die Brandkatastrophe in Russland ist schlimm, aber wie viele Getreideflächen sind davon betroffen? Im vergangenen Jahr wurden in Russland knapp 95 Mio. t Getreide geerntet, davon waren 61,7 Mio. t Weizen. In den jüngsten Schätzungen wurde die Getreideernte auf 74 Mio. t reduziert, die Weizenernte wird noch bei 53 Mio. t gesehen. Viele halten diese Schätzung noch für zu hoch. Die Weizenexporte lagen im vergangenen Jahr bei 17,5 Mio. t und wurden für das laufende Wirtschaftsjahr auf 15 Mio. t reduziert. Durch den Exportstopp – der auch nur vorübergehend gilt – dürfte sich die Exportmenge noch etwas reduzieren. Es wurde aber auch schon eine Überprüfung der Exportstopps angekündigt, das heißt es bleibt weiter unsicher, was tatsächlich exportiert werden wird.
Die Forderung Putins, dass auch Nachbarländer die Exporte einstellen beziehungsweise reduzieren, lässt seine Exportpolitik auch in einem anderen Licht erscheinen. Dieser Appell wurde mit der Wirkung auf die Weltmärkte begründet. Wollte man mit dem Exportstopp die Preise nach oben treiben? Die Nachbarländer leisten diesem Appell nicht Folge und wollen ihren Export so beibehalten.
Der Vergleich mit 2007 hinkt auch, wenn man sich die Ausgangslage anschaut. Derzeit gehen die Bilanzen von einem erwarteten Bestand zum Ende des laufenden Wirtschaftsjahres von knapp 190 Mio. t aus, wobei zwischen den verschiedenen Analysen nur geringe Unterschiede zu verzeichnen sind. Im Jahr 2007 lagen die weltweiten Bestände bei rund 120 Mio. t, das heißt die Versorgungslage war sehr viel enger. Im Verhältnis zum Verbrauch waren 2007 nur knapp 20 % im Lager, heute sind es rund 30 %.
Derzeit blicken alle nur auf Russland und vergessen dabei, dass auch andere Regionen Getreide ernten. Zwar dürfte auch in Kanada die Ernte geringer als im Vorjahr ausfallen, dagegen werden aber bereits aus Argentinien höhere Ernteerwartungen verkündet. Auch in den USA wird von einer höheren Weizenernte ausgegangen. Die derzeit hohen Preisausschläge sind daher eher auf Spekulationen zurückzuführen und weniger auf fundamentale Daten. Diese Ausschläge sollten daher mittels Vorkontrakten für die laufende Ernte, aber auch für die kommende Ernte genutzt werden. Denn schon morgen kann Putin wieder ein anderes Machtwort in Bezug auf den Export sprechen.
Bernd Irps, LK-Markt





