Kommentar
09.08.2010 -
Schlachtsauennotierung – ein neuer Anlauf
Im Bereich der Schlachtsauenvermarktung gibt es viele Unbekannte: Je nach Lebend- oder Schlachtgewichtsabrechnung gibt es zwar diverse Notierungen und Basispreise, doch wie viel tatsächlich je Sau erlöst wird, ist meist offen. Jeder Handelspartner arbeitet mit eigenen Zu- und Abschlägen, und auch bei der Ausschlachtung gibt es oft große Differenzen, sodass ein Preisvergleich der Vermarktungswege nur schwer möglich ist. Doch lohnt es sich auch hier, die verschiedenen Vermarktungsmöglichkeiten zu prüfen, da die richtige Altsauenvermarktung oftmals einen Mehrerlös erbringt, der dem Wert eines Ferkels entsprechen kann. Dennoch läuft der Absatz der ausselektierten Sauen eher stiefmütterlich, da man oft der Meinung ist, dass sich hier nicht viel Geld verdienen lässt. Dennoch sind diese Tiere am Markt sehr begehrt. Sauenfleisch lässt sich in der Verarbeitungsindustrie vor allem bei der Herstellung von Fleisch- und Wurstwaren vielfältig einsetzen. Die Hauptprobleme bei der Vermarktung sind, dass pro Betrieb oftmals nur wenige Tiere anfallen und dass diese zum Teil nur in saubere Transportfahrzeuge verladen werden dürfen. Dazu kommt, dass die Transportwege meist sehr weit sind, da sich das Netz der Sauenschlachter immer weiter ausdünnt und auf wenige Betriebe konzentriert. So wird fast die Hälfte der etwa 20.000 wöchentlich in Deutschland anfallenden Tiere von einem Schlachthof in Nordrhein-Westfalen verarbeitet. In Schleswig-Holstein gibt es zwar auch einen größeren Sauenschlachter, doch werden hier meist nur Tiere aus Dänemark verarbeitet. Die Anzahl der kleineren Schlachtereien, die Sauen aus der Region aufnehmen, ist dagegen rückläufig. Somit bleibt für die hiesigen Sauenvermarkter meist nur der Weg über die Elbe. Durch den hohen logistischen Aufwand beim Beladen und durch den langen Transport ist dieser Handel sehr kostenintensiv. Bislang haben sich die Vermarkter damit geholfen, dass sie einen vergleichsweise geringen Basispreis als Grundlage nahmen und je nach gelieferter Stückzahl oder sonstigen Kriterien entsprechende Zuschläge gewährt haben. Während die Vermarkter somit sehr genau wissen, zu welchen Kosten und Erlösen sie das Geschäft abwickeln, ist die Markttransparenz für die Landwirte eher gering.
Schon Mitte des vergangenen Jahres hat die Vereinigung der Erzeugergemeinschaften für Vieh und Fleisch, die auch den wöchentlichen Vereinigungspreis für Schlachtschweine veröffentlicht, versucht, hier mehr Transparenz zu schaffen. Damals wurde der notierte Sauenpreis nicht mehr mit der Parität „frei Eingang Schlachtstätte“ notiert, sondern auf eine „ab Hof“-Notierung umgestellt. Dieser Vorstoß hat jedoch nicht die gewünschte Verbesserung der Aussagekraft gebracht. Nach vielen Diskussionen wird somit ab September dieses Jahres ein neuer Anlauf unternommen. Dabei bleibt als Parität „frei Eingang Schlachtstätte“ bestehen, dazu kommt jedoch eine Preis- und Mengenangabe in Kombination mit einer Vorkostenstaffel. Der Landwirt soll somit einen deutlich höheren Basispreis erhalten, der durch entsprechende Vorkosten angepasst werden soll. Davon profitieren vor allem Betriebe mit großen Verkaufsgruppen, während Erzeuger mit kleinen Partien etwas höhere Vorkosten zahlen müssen. Da das Schlachtsauenangebot anderen saisonalen Schwankungen unterliegt als das Angebot an Mastschweinen, erstrebt man zudem eine stärke Differenzierung der beiden Märkte. So soll die Schlachtsauennotierung in einer separaten Melder-Konferenz ermittelt werden.
Die Chance, einen einheitlichen Weg zur Abrechnung zu finden, sollte man nicht vergeben. Unter dem Strich ist es für den Landwirt oft günstiger, dass von einem hohen Basispreis einige Vorkosten abgezogen werden, als auf Aufschläge auf einen sehr niedrigen Grundpreis zu hoffen. Somit sollte man hier seine Vermarktungswege überdenken, um keine Perlen, sprich Euros, vor die Säue zu werfen.
Karsten Hoeck, LK-Markt





