Schleswig-Holstein

Zum Buch Nord-Ostsee-Kanal: Begegnungen

Kommentar

02.08.2010 -  

Folgen die Düngerpreise den Getreidekursen?

Aktien von Düngemittelherstellern erfreuen sich derzeit einer reger Nachfrage der Anleger. Viele Aktionäre sehen in dieser Branche eine Art Schlüsselstellung die mit ihren Produkten den Hebel zur Steuerung der Erträge der Agrarrohstoffe in der Hand hat. Nachdem große Düngemittelhersteller aktuell gute Wirtschaftsergebnisse veröffentlicht haben und man von einer steigenden Düngernachfrage vor allem in Asien, Amerika und Osteuropa berichtet, steigen die Aktienkurse der Düngerfabrikanten stetig an. Obwohl man mit einer Erhöhung der Düngemittelproduktion um 10 % in den nächsten fünf Jahren rechnet, ist man skeptisch, ob man die erwartete Nachfragesteigerung bedienen kann. Während das Absatzplus bei den Stickstoffdüngemitteln auf etwa 2 % eingeschätzt, wird eher bei Phosphat mit 4,5 % und vor allem bei Kali mit 18 % mit einer Steigerung der Produktion gerechnet. Besonders die Farmer in Malaysia und Indonesien werden mehr Kalidünger einsetzen. In West- und Zentraleuropa wird eher mit einem stagnierenden Düngerbedarf gerechnet.
Nachdem die Kontrakte des hiesigen Landhandels mit der Düngerindustrie im August auslaufen, werden derzeit die neuen Kontrakte für den Herbst und Winter ausgehandelt. Dabei wird immer wieder deutlich, dass die Produzenten eher den internationalen Markt im Blick haben als den Bedarf der hiesigen Landwirtschaft. So muss damit gerechnet werden, dass einzelne Stickstoffdüngersorten nicht in ausreichenden Mengen geliefert werden können und durch andere ergänzt werden müssen. Gerade in Zeiten mit steigen Erzeugerpreisen im Marktfruchtbau, kann man davon ausgehen, dass die mit Dünger beladenen Schiffe im Bogen um Europa herumfahren und zuerst lukrativere Märkte beliefern. Im Bezug auf die neuen Preiskonditionen ab Herbst, hat die Industrie schon jetzt Preisaufschläge angekündigt, da auch die Gaspreise, entsprechend den höheren Rohölnotierungen, im letzten Halbjahr gestiegen sind. Derzeit hält sich der Handel noch sehr bedeckt mit Angeboten für Vorkontrakte für die kommende Saison, da sich auch die Industrie zugeknöpft zeigt und die Agrar- und Rohstoffmärkte beobachtet. Viele Landhandelsunternehmen haben noch schlechte Erinnerungen an die letzte Hochpreisphase, als vorab verkaufter Dünger plötzlich zum zwei- oder dreifachen Kurs beschafft werden musste. Auch muss man Abwägen wie viel Lagerraum im Herbst zur Verfügung steht.
Zum Teil kann man noch Ware aus dem Vorjahr zu recht günstigen Konditionen beziehen. Dabei muss jedoch die Qualität beachtet werden. Vereinzelt wird KAS derzeit noch zu Kursen von unter 18 €/dt angeboten. Der Handel hat signalisiert, dass sich die Kurse demnächst eher deutlich über 20 €/dt bewegen werden. Lagen die Forderungen für gekörnten Harnstoff bislang bei unter 24 €/dt so sind jetzt schon Kurse von fast 30 Euro/dt im Gespräch. Diese Entwicklung könnte sich in den kommenden Wochen fortsetzen.
Mit Blick auf weltweit steigenden Kurse für Marktfruchterzeugnisse und der erwarteten Düngerabsatzsteigerung, wird auch die Düngemittelindustrie versuchen, sich ein Teil vom Kuchen abzuschneiden. Wer derzeit Düngemittel zu halbwegs bisherigen Konditionen beziehen kann, sollte sich wenigstens eine Teilmenge des Bedarfs sichern, überteuerte Vorkontrakte sind dagegen wenig empfehlenswert. Dabei sind auch die Zahlungskonditionen zu beachten. Üblich ist die Zahlung nach der Ernte bei Einlagerung beim Landhandel und Bezug im Frühjahr. Auch wenn derzeit die Erntearbeiten im Vordergrund stehen, lohnt sich nicht nur die Beobachtung der Getreide- und Rapspreise, man sollte auch die Betriebsmittelpreise im Auge behalten, um nicht einen Teil der höheren Verkaufserlöse wieder im Einkauf von Betriebsmitteln zu verlieren.
Karsten Hoeck, LK-Markt

 


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