Schleswig-Holstein

Zum Buch Nord-Ostsee-Kanal: Begegnungen

Kommentar

26.07.2010 -  

Sonnige Aussichten am Getreide- und Rapsmarkt

Die für unsere Regionen ungewöhnlich heiße Sommerwitterung kam nach dem frostigen Winter und dem kühlen Frühjahr für viele sehr gelegen und erfreut vor allem diejenigen, die sich am Strand oder an klimatisierten Plätzen aufhalten können. Doch auch an den Getreide- und Rapsmärkten hat sich die Stimmung durch die sonnige Witterung deutlich gebessert. Obwohl die trockene und heiße Witterung erst relativ spät einsetzte, während die meisten Bestände sich bereits in der Abreife befanden, reichten einige Meldungen über niedrigere Ernteschätzungen aus, um große Hektik auf den Märkten auszulösen. Unterstützt durch steigende Energiekosten und durch die etwas bessere Stimmung an den Finanz- und Aktienmärkten zog auch die Nachfrage auf den Rohstoffmärkten wieder an. Derzeit erleben wir einen regelrechten Wettermarkt, der sonst so nur in Nordamerika stattfindet. Da sich die Kurse dort in relativ ruhigen Bahnen bewegen, haben viele Terminmarkthändler Europa als neue „Spielwiese“ entdeckt. Das große spekulative Element wird dadurch deutlich, dass sich viele Daytrader am Markt tummeln, die morgens Kontrakte kaufen und bei leichten Gewinnen diese abends wieder schließen. Während der Kursverlauf der Weizenkontrakte zwischenzeitlich schon etwas schwächelte und man an der Durchhaltekraft der festen Entwicklung zweifelte, zogen die Rapskurse an der Matif kontinuierlich an. Auch die Weizenkurse nahmen wieder Fahrt auf und überschritten in Paris bei allen Terminen Mitte der letzten Woche die Marke von 170 €/t. Beim Raps lagen die Kurse zeitweise um die Marke von 370 €/t. Obwohl lokale Niederschläge hier und da etwas Abkühlung gebracht haben, ist man an den Börsen wohl weiterhin der Meinung, dass durch die hohen Temperaturen den Beständen auch in der Reifephase großer Schaden zufügt wird. Vor allem auf leichten Standorten sollen die Bestände regelrecht „verbrennen“. Qualitäts- und Ertragseinbußen durch Schmachtkörner beim Getreide und niedrige Ölgehalte beim Raps sind die Folge.
Aus den Regionen kommen derzeit unterschiedliche Meldungen. So gibt es aus Russland Meldungen, die in einigen Gebieten von der größten Trockenheit seit 100 Jahren sprechen und davon, dass hier schon das Trinkwasser rationiert werden muss. Dagegen soll es im Süden des Landes recht ansehnliche Erträge gegeben haben. Auch in vielen anderen Regionen relativieren sich die zuerst sehr pessimistischen Ertragserwartungen, je weiter die Ernte fortschreitet. Dennoch geht man fast überall von eher unterdurchschnittlichen Erntemengen aus. Die Hektik an den Märkten macht jedoch deutlich, wie nervös der Handel reagiert, wenn die Lagerbestände reduziert worden sind und die anstehende Ernte nur knapp ausreicht, die große in- und ausländische Nachfrage zu bedienen. Im Getreidebereich wirken die umfangreichen Interventionsbestände noch etwas als Dämpfer. Nach der letzten Rekordernte hat man diese Entwicklung kaum für möglich gehalten. Die großen Lagerbestände haben sich jedoch aufgrund der niedrigen Kurse schnell reduziert. Derzeit reiben sich die Landwirte verwundert die Augen, die sich in den letzten Monaten mit Vorkontrakten eingedeckt haben. So wurde ein großer Teil der neuen Rapsernte zu Kursen zwischen 250 und 300 €/t vorverkauft. Die hohen Sojabestände und der schwache Rohölmarkt ließen zu diesem Zeitpunkt keine Besserung der Marktlage erwarten. Dennoch bleibt die Entscheidung richtig, die neue Ernte teilweise über Vorkontrakte abzusichern. Ob der sonst übliche „Preisknick“ zum Erntebeginn in diesem Jahr ausbleibt oder sich nur verzögert, bleibt vorerst offen. Dennoch sollte man auch im steigenden Markt immer wieder Teilmengen „in Sicherheit bringen“, bevor ein plötzlicher Trendwechsel erfolgt.
Karsten Hoeck, LK-Markt

 


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