Kommentar
19.07.2010 -
Hohe Preise nutzen?
Die Temperaturen erreichen dieser Tage Höchstwerte, und Trockenschäden sind nicht nur in den Gärten, sondern besonders auf den Feldern das Thema vieler Diskussionen. Dabei wird bereits von massiven Schäden gesprochen, wobei auch gleich die Einschränkung gemacht wird: wenn diese Hitzewelle so anhält. Wie groß sind die Schäden wirklich, und wie können diese durch andere Regionen ausgeglichen werden? In einigen Teilen Deutschlands und auch hierzulande hat man bereits mit der Gerstenernte begonnen, teils wird dabei auch auf notreife Bestände verwiesen. Bislang zeigt man sich im Westen und Süden des Bundesgebietes mit den ersten – noch nicht repräsentativen – Ergebnissen zufrieden. Aber es gibt auch aus vielen Regionen Hinweise auf Ertragseinbußen. Vielfach ist der Satz zu hören: „Die Ertragsspitzen sind sicher nicht mehr zu erreichen.“ Viele Gersten-, Roggen- und auch Triticaleflächen sind bereits als GPS geerntet worden, sodass genaue Ertragsergebnisse fehlen. Es bleibt also spannend, wie hoch die Ernte wirklich ausfallen wird.
Die größte Aufmerksamkeit gilt dabei dem Weizen. In diesem Bereich sorgen die Spekulationen über die Ernte für größere Preisschwankungen an den Börsen. Insbesondere an der Börse Matif, die den europäischen Raum abdeckt, zeigen sich in den vergangenen Tagen deutliche Preissteigerungen. Mittlerweile werden dort für den Liefermonat November 2010 über 160 €/t notiert. Angesichts der regen Nachfrage nach Weizen aus dem Vorjahr überschlagen sich auch die Preisgebote für Brotweizen für die Lieferung ex Ernte. Mitte der vorigen Wochen wurden noch Preise um die 137,50 €/t geboten. Ende der vorigen Woche waren schon wieder 10 €/t mehr im Gespräch. Viele Erzeuger hoffen jetzt, dass sich weitere Preissteigerungen am Markt zeigen, und warten weiter ab. Es stellt sich die Frage, ob nicht nur die Witterung überhitzt ist, sondern auch die Markt- und Preislage.
Unterstützung hat die derzeitige Preisrallye von der infolge von heftigen Niederschlägen eingeschränkten Weizenanbaufläche in Kanada erhalten. Auch die jüngste Meldung über die erwartete geringere Getreideernte in Kasachstan (–25 %) mit entsprechend niedrigerem Getreideexport von 6,5 Mio. t nach 7 Mio. t gibt dem steigenden Markt weiteren Auftrieb. Dagegen sollte aber auch berücksichtigt werden, dass weltweit zwischen 190 und 200 Mio. t Weizen als Endbestand vorhanden sind und für die Versorgung herangezogen werden können. Damit sind steigenden Preisen auch Grenzen gesetzt. Die derzeit überhitzte Situation am Markt kann sich daher relativ schnell wieder abkühlen und entsprechend rückläufige Preistendenzen mit sich bringen.
Auch der Rapsmarkt hat sich dieser Rallye angeschlossen und verzeichnet an der Börse in Paris für den Liefertermin August aktuell Preise oberhalb von 340 €/t. Daraus lassen sich je nach Region Erzeugerpreise oberhalb von 320 €/t ableiten. Vielfach wurden von den Erzeugern bereits zu niedrigeren Kursen Vorkontrakte abgeschlossen, sodass mit den restlichen Mengen teils auch auf weitere Preissteigerungen spekuliert wird. Die derzeitige Marktlage stahlt bereits auch schon auf die Ernte 2011 ab, so werden bereits in Vorkontrakten Preise von 300 bis 310 €/t geboten. Einige Erzeuger haben dazu bereits Teilmengen verkauft.
Es bleibt also im Vorfeld der Ernte am Markt weiter spannend. Die sogenannten Wettermärkte haben sich auch hierzulande und an der Matif etabliert. Die Entwicklung sollte sorgfältig beobachtet werden. Um das Preisrisiko einzugrenzen, sollte der Abschluss von Kontrakten für Teilmengen durchaus in Erwägung gezogen werden. Wenn sich der Markt abgekühlt hat, ist es zu spät.
Bernd Irps, LK-Markt





