Schleswig-Holstein

Zum Buch Nord-Ostsee-Kanal: Begegnungen

Kommentar

12.07.2010 -  

Wachstumsbranche Schweinemast

Die Entwicklung der Schlachtschweinepreise hat im ersten Halbjahr dieses Jahres einen saisontypischen Verlauf genommen. Seit März dieses Jahres stiegen die Kurse um etwa 20 ct/kg Schlachtgewicht an und überschritten zwischenzeitlich die Marke von 1,50 €/kg Schlachtgewicht. Auch in den Vorjahren gab es im Frühjahr einen ähnlichen Preisanstieg, und oft konnten sich die Kurse dann auch bis Ende des Sommers auf einem erhöhten Niveau behaupten. Wirtschaftlich gesehen sind solche Phasen mit einem höheren Preisniveau auch bitter nötig. Obwohl Schlachtschweinepreise oftmals nur knapp oder gar nicht ausreichen, alle Kosten zu decken und um ausreichende Betriebsergebnisse zu erzielen, werden in Deutschland laufend neue Ställe gebaut. Der Selbstversorgungsgrad hat sich in den vergangenen 20 Jahren von 80 % auf 110 % erhöht – Tendenz weiter steigend. Die rege Nachfrage nach Schweinefleischerzeugnissen auf dem Weltmarkt ist auf den erkennbaren „Mehrwert“ dieser Artikel zurückzuführen, so Experten des Zentralverbandes der deutschen Schweineproduktion (ZDS) bei ihrer Jahrestagung in Lübeck. Auch im Zeitalter der Schnäppchenpreise darf man Innovation und Qualität nicht aus den Augen lassen, so die Aussage der Teilnehmer. Derzeit gehen noch 75 % der deutschen Schweinefleischexporte in andere EU-Länder, doch Süd- und Osteuropa mit über 400 Millionen möglichen Konsumenten sind wichtige Absatzmärkte der Zukunft. So ist Russland nach Italien zum zweitgrößten Abnehmer von deutschem Schweinefleisch aufgestiegen. Auch in die neuen EU-Beitrittsländer der EU haben sich die Exporte seit 2004 um 350 % erhöht. Dazu kommen laufend neue Veterinärabkommen mit Drittländern, die den Export weiter erhöhen können. Trotz der vielen Preistäler und knapper Gewinnspannen sorgt dieser stetig wachsende Bedarf für eine kontinuierlich wachsende Schweineproduktion in Deutschland. So hat sich der Bestand seit 2000 um 4 % erhöht. Die Produktion konzentriert sich dabei in immer größeren Einheiten. Neue Stalleinheiten mit 2.000, 3.000 oder mehr Mastschweineplätzen sind heute keine Seltenheit, sondern an der Tagesordnung. Damit werden die frei werdenden Kapazitäten der Betriebe, die diesen Betriebszweig einstellen, mehr als aufgefangen. Die Hoffnungen auf einen auch weiterhin stetigen Schweinefleischbedarf sind durchaus berechtigt. Nach dem Dämpfer durch die Finanz- und Wirtschaftskrise hat der Appetit auf Fleisch weltweit wieder zugenommen. Doch auch die Produktion zieht wieder an. So wird sie auf unserem Globus in diesem Jahr auf etwa 108 Mio. t Schweinefleisch geschätzt. Das wären etwa 2 % mehr als im Vorjahr. Interessant sind auch die Änderungsraten der übrigen Tierarten. So steht die Geflügelfleischproduktion mit 94,8 Mio. t an zweiter Stelle, mit noch höheren Steigerungsraten von 2,7 % weltweit. Die Rindfleischproduktion liegt bei knapp 65 Mio. t und hat sich gerade mal um 0,3 % erhöht, nachdem die Erzeugung im Vorjahr sogar gefallen war. Fast die Hälfte der weltweiten Schweineproduktion findet in China statt. Mit über 51 Mio. t wird hier ein Zuwachs von 3 % erwartet. Auch in der EU soll die Erzeugung um 2 % auf 22,2 Mio. t steigen. Eine ähnliche Produktionsausdehnung wird in Russland auf dann 2,2 Mio. t erwartet. Deutlich höhere Steigerungsraten werden in Südamerika prognostiziert. Dagegen werden die Schweineschlachtungen in den USA um 3 % auf etwa 10 Mio. t reduziert. Als Indikator für eine wieder anziehende Weltwirtschaft gilt auch der Fleischverbrauch pro Einwohner. So wird in diesem Jahr in den Industrienationen mit einem Verzehr von etwa 81 kg pro Kopf gerechnet. Das sind knapp 1 % mehr als im Vorjahr, aber weniger als im Jahr 2008 mit knapp 82 kg. In den übrigen Ländern liegt der Verbrauch statistisch gesehen bei knapp 32 kg und hat somit noch viel Potenzial nach oben.

Karsten Hoeck, LK-Markt

 


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