Kommentar
05.07.2010 -
Wird es ein gutes Kartoffeljahr?
Die ersten Frühkartoffeln aus Schleswig-Holstein sind vereinzelt schon zu haben. Es handelt sich dabei aber um Proberodungen, die wenigen Knollen werden frisch direkt ab Hof oder auf den Wochenmärkten angeboten. Wie jedes Jahr üblich, werden für die ersten Frühkartoffeln besonders hohe Preise gefordert und gezahlt. So werden zurzeit dafür um die 85 €/dt genannt. Nach dem ersten Hoch fällt üblicherweise der Preis schnell ab. In diesem Jahr könnte aber alles anders sein. Zunächst einmal liegen die derzeitigen Preise deutlich über dem Vorjahr. Dieses ist der Tatsache geschuldet, dass derzeit weniger Kartoffeln am Markt zu haben sind. Durch die lang anhaltende kühle Witterung sind die Kartoffeln später gepflanzt worden, und auch das Wachstum war dadurch verzögert. Je nach Region wird mit einem im Vergleich zum Vorjahr um bis zu 14 Tage verzögerten Erntebeginn berichtet. Diese Verzögerungen sind ebenso in den deutschen Frühkartoffelanbaugebieten aufgetreten, teils hat die Ernte auch in den Mittelmeerländern darunter gelitten. Daher gibt es aus dieser Region kaum noch Kartoffeln, oder aber sie werden zu deutlich höheren Kursen angeboten. Im Lebensmitteleinzelhandel wie auch den Discountern sind immer weniger importierte Frühkartoffeln zu haben.
Mittlerweile haben die Frühkartoffeln aus der Pfalz, vom Niederrhein, dem Raum Hannover – das heißt der deutschen Frühkartoffelanbaugebieten – eine ausreichende Schalenfestigkeit erreicht und sind abpackfähig. Diese Ware wird dann früher als in den Vorjahren die insgesamt weniger zur Verfügung stehende Importware ablösen. Dabei werden aus den deutschen Frühkartoffelanbaugebieten maximal unveränderte Anbauflächen gemeldet, teils gibt es aber auch Meldungen über Anbaueinschränkungen wie in der Pfalz und Hannover. Um die derzeitige Nachfrage bedienen zu können, werden vielfach auch Flächen frühzeitig abgeerntet beziehungsweise es müssen mehr Flächen gerodet werden, um die entsprechende Menge zu erreichen. Zusätzlich tauchen nach dem verzögerten Wachstum derzeit im Norden und Westen Probleme mit dem Wasser auch. So lassen die derzeit hohen Temperaturen und die ausbleibenden Niederschläge nur einen geringen Massenzuwachs in den Beständen zu.
Mit der früheren und zudem größeren Flächenräumung reduziert sich die erwartete Erntemenge schon zu Beginn der Kartoffelernte. Darüber hinaus werden auch aus anderen Kartoffelanbaugebieten Europas tendenziell geringere Anbauflächen sowie niedrigere Erträge gemeldet. So soll Frankreich seine Speisekartoffelanbaufläche um 8 % eingeschränkt haben. Frankreich ist nach Deutschland der zweitgrößte Kartoffelproduzent in der EU. Bei der ungünstigen Witterungsentwicklung im Frühjahr dürften auch noch aus anderen Ländern der EU Meldungen über niedrigere Ernten – insbesondere was die Erträge angeht – nicht auszuschließen sein. Das Vorjahresergebnis dürfte demnach nur schwer zu erreichen sein. An der Börsen zeichnen sich bereits die Spekulationen über die heranwachsende Ernte durch die schwankenden Preise ab. Für die heranwachsende Ernte wird in erster Linie der Fälligkeitsmonat April 2011 gehandelt. Wurden in der Vorwoche noch Preise um die 15 €/dt notiert, so zeigen sich in der laufenden Woche Preise oberhalb von 16 €/dt, teilweise werden auch schon 19 €/dt gefordert.
Hierzulande sind die Kartoffelerzeuger daher frohen Mutes, wieder Preise wie im Jahr 2007/2008 zu erzielen. Die Preisaussichten sind das eine, das andere sind die Erträge, die nicht unerheblich zu dem Erlös beitragen. So zeigen sich teilweise recht unterschiedlich aufgelaufene Bestände. Zwar haben sich die Unterschiede zum Teil wieder ausgewachsen, Höchsterträge sind nach Meinung der Marktbeteiligten wohl nicht mehr zu erzielen. Das könnte dem Preis aber noch einen Schub verleihen. Durch die nicht sehr große Angebotssituation bei den Frühkartoffeln besteht die Möglichkeit, das hohe Preisniveau möglichst lange zu erhalten und auch mit in die Haupternte hineineinzutragen. Dazu gehört auch ein wenig Angebotsdisziplin, um dieses Ziel zu erreichen. Die Aussichten auf ein gutes Kartoffeljahr sind also vorhanden.
Bernd Irps, LK-Markt





