Schleswig-Holstein

Zum Buch Nord-Ostsee-Kanal: Begegnungen

Kommentar

28.06.2010 -  

Über 30 Cent Milchgeld?

Prognosen über die Entwicklung der Milchgeldauszahlungspreise gelten als ein heißes Eisen, an denen  schon viele Marktbeobachter gescheitert sind. So gab es im Mai Vorhersagen, die für den Herbst Auszahlungspreise von bis zu 35 ct/l gesehen haben. Derzeit wurden im Juni in Schleswig-Holstein zwischen 27 und 30 ct (3,7 % Fett) für den Monat Mai abgerechnet. Dies sind im Schnitt etwa 1,5 ct/l mehr als im Vormonat. Wenn die Kurse auch weiterhin in diesem Tempo steigen sind die 35 ct durchaus im Bereich des Möglichen, doch es gibt unterschiedliche Meinungen über den weiteren Preisverlauf. Beim Blick auf den Verlauf der Auszahlungspreise der Vorjahre der Geschlossen Benutzergruppe Markt aus Schleswig-Holstein, zeigt sich das die Kurse im zweiten Halbjahr um etwa 3,5 ct angestiegen sind. Im Durchschnitt wurden im laufenden Jahr etwa 26,4 ct ausgezahlt. Überträgt man die Entwicklungen der Vorjahre auf das aktuelle Jahr würde sich ein mittlerer Auszahlungspreis für das bevorstehende zweite Halbjahr von etwa 30 ct ergeben. Derzeit deuten viele Parameter darauf hin, dass der Milchmarkt eine saisonübliche Entwicklung nehmen könnte. Die Milchanlieferungsmenge in Deutschland, hat ihren saisonalen Höhepunkt Mitte Mai überschritten und nimmt wöchentlich ab. Obwohl bislang die Liefermenge in Deutschland über dem Vorjahresniveau liegt, sorgt eine EU-weit geringere Produktion für ausreichend Absatzmöglichkeiten. Der bislang schon rege Export in Drittländer hat sich durch die aktuelle Euroschwäche weiter belebt. Obwohl derzeit Interventionsbestände am Markt angeboten werden, kam es zu keinen gravierenden Marktstörungen. So haben sich zum Beispiel die Kurse für Blockbutter wieder erholt, nachdem diese sich zwischenzeitlich etwas abgeschwächt hatten. Dagegen hat sich die Nachfrage nach abgepackter Butter nach der Preiserhöhung im LEH verringert. Die Käsenachfrage bleibt weiter sehr rege und hat sich zuletzt durch höhere Ausfuhren Richtung Südeuropa weiter erhöht. Der Markt für Magermilchpulver zeigt sich etwas beruhigt, da man auf die Freigabe von Interventionsmengen wartet. Bislang hat jedoch die EU-Kommission alle Gebote auf die Interventionsware als zu niedrig und als nicht marktgerecht abgelehnt. Die EU-Interventionsvorräte an Butter haben sich schon deutlich auf 1.755 t reduziert. Dagegen liegen noch 192.000 t Milchpulver auf Lager. Der nächste Ausschreibungstermin ist der 6. Juli. Die bis auf Milchpulver feste Preisentwicklung der Milchprodukte unterstützt somit die Hoffnung, dass die Milchgeldauszahlungspreise dem saisonüblichen Marktverlauf folgen. Unterstützung kommt durch die steigenden Kurse für Spotmilch. Auch der Absatz im Export wird weiterhin als sehr rege eingeschätzt. Nachdem bereits 2009 die Absatzflaute des Vorjahres überwunden werden konnte, zeigt sich auch zu Beginn des laufenden Jahres eine stetig festere Entwicklung. So wurden im ersten Quartal dieses Jahres mehr Milchprodukte ausgeführt als im Vorjahr. Auf dem Weltmarkt ist vor allem Magermilchpulver gefragt. Exporte der EU von Magermilchpulver aus Interventionsbeständen können in der zweiten Jahreshälfte von 2010 einen Preisrückgang auslösen. Die jüngsten Entscheidungen der EU-Kommission lassen aber einen restriktiven Umgang mit den Beständen erwarten.
Viele Milcherzeuger im Land setzen auf steigende Milchgeldpreise in der zweiten Jahreshälfte. Deutlich wird dies zum Beispiel am aktuell kleinen Angebot an Schlachtkühen und den hohen Preisen für frischkalbende Färsen. Derzeit unterstützten viele Marktparameter diese Hoffnung. Eine Prognose des genauen Preisniveaus ist jedoch kaum möglich und wäre fahrlässig. Der Blick auf andere Agrarmärkte lehrt jedoch, dass durch die zunehmenden Schwankungen auch Preisspitzen schnell wieder vorüber sind.
Karsten Hoeck, LK-Markt

 


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