Schleswig-Holstein

Zum Buch Nord-Ostsee-Kanal: Begegnungen

Kommentar

17.05.2010 -  

Grill-WM 2010

Es gibt viele Faktoren, die den Verlauf der Erzeugerpreise für Schlachtschweine beeinflussen. Besonders empfindlich reagiert dieser Markt auf den Beginn der Grillsaison. In den vergangenen Jahren erreichten die Erzeugerpreise in den „Grillmonaten“ Juli und August die saisonalen Höchstpreise. In diesem Jahr erhoffen sich die Marktbeteiligten einen besonders lebhaften Absatz an Grillartikeln, da in diesem Sommer die Fußball-WM stattfindet. So stiegen während der vorigen WM 2006 die Kurse auf den zweithöchsten Stand der vergangenen neun Jahre. Nun findet in diesem Jahr die WM nicht in Deutschland, sondern im fernen Südafrika statt, trotzdem wird mit vielen WM-Partys und entsprechenden Grillaktivitäten gerechnet. Diese zusätzliche Nachfrage könnte helfen, die für dieses Jahr erwarteten Rekordschlachtmengen von mittlerweile 57,8 Mio. Schweinen in Deutschland am Markt unterzubringen. Dies währen 1,4 Mio. Schweine mehr als die bisherige Höchstmenge im Vorjahr. Die bislang nur wenigen „grilltauglichen“ Tage in diesem Frühjahr reichten schon aus, um die Auszahlungspreise aus dem Winterschlaf zu wecken. So stiegen die Kurse seit Mitte April um 7 ct an, nachdem sie vorher acht Wochen unverändert geblieben sind. Nach Prognosen der EU-Kommission können die Preise bis Mitte des Jahres die Marke von 1,50 €/kg Schlachtgewicht überschreiten. Im Durchschnitt des Jahres sollen etwas über 1,40 €/kg Schweinefleisch erlöst werden und dieser somit  über dem Schnitt des Vorjahres liegen. Im ersten Quartal diesen Jahres lag die Preislinie noch unter den Vorjahreswerten. Aufgrund des kühlen und nassen Witterungsabschnitts in der ersten Maiwoche hat sich die Grillfleischnachfrage beruhigt. Auch der belebte Export durch den schwachen Eurokurs kann hier nicht für den notwendigen Schwung sorgen.
Eine längere Phase mit höheren Erzeugerpreisen ist aus Sicht der Mäster dringend nötig. So konnten im ersten Quartal des Jahres aus den Erlösen wohl die laufenden Kosten für Ferkel und Futter beglichen werden, doch reichte es oftmals nicht zur Deckung aller übrigen Posten wie Arbeit, Tierarzt und Abschreibungen. Dass die Schweinemäster in der EU mit einer Verbesserung der Rentabilität rechnen, zeigt sich auch an den EU-weit wieder steigenden Schweinebeständen. Nach der Reduzierung in den vergangenen Jahren werden vor allem in Polen, Dänemark, England und Holland wieder steigende Produktionszahlen erwartet. EU-weit rechnet man mit einer Erhöhung um ein Prozent, dies wären 2 Mio. Mastschweine mehr als im Vorjahr. In Deutschland wird die Steigerung der Eigenproduktion unter einem Prozent bleiben, doch erwartet man durch mehr Einfuhren eine Erhöhung der Schlachtungen um 2,5 % oder 1,4 Mio. Schweine mehr.
Im vergangenen Jahr sorgte die Diskussion um die Schweine- oder Mexikogrippe für einen eher enttäuschenden Verlauf der Grillsaison. In diesem Jahr hoffen die Marktbeteiligten, dass ähnliche externe Störungen ausbleiben. Das die Wirtschafts- und Finanzkrise noch nicht überwunden ist, zeigt die Schuldenkrise in Griechenland und in vielen anderen EU-Staaten. Es hat sich jedoch herausgestellt, dass in wirtschaftlich schwierigen Zeiten der Fleischkonsum nicht reduziert wird, es wird jedoch eher auf preiswerte Fleischartikel vom Schwein oder Geflügel zurückgegriffen.
Am Freitag, den 11. Juni, wird die Fußball-WM in Südafrika angepfiffen. Die Fans in der ganzen Welt freuen sich auf spannende vier Fußballwochen. Auch viele Landwirte fiebern diesem Ereignis entgegen und hoffen auf ein gutes Abschneiden der deutschen Mannschaft und hohe Schweinepreise durch rege Grillaktivitäten während der WM-Partys.

Karsten Hoeck, LK-Markt

 


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