Schleswig-Holstein

Zum Buch Nord-Ostsee-Kanal: Begegnungen

Kommentar

10.05.2010 -  

Raps – es bleibt weiter spannend

In den vergangenen Tagen zeigten die Notierungen für die alte Ernte mit dem Maikontrakt nochmals große Schwankungen. Kurz vor dem Auslaufen des Kontraktes sind viele Beteiligte bestrebt, die eingegangenen Positionen glattzustellen, das heißt sie müssen noch kaufen beziehungsweise verkaufen. Man spricht dann auch von einer Technik im Markt, was weniger mit dem aktuellen Geschehen am Kassamarkt zu tun hat. Die Kurse erreichten mit 328 €/t einen Höchststand, der aber nur bedingt am Kassamarkt als Basis herangezogen wurde, beziehungsweise. es wurden große Abschläge vorgenommen. Hierzulande erreichten die Preisgebote für die noch verfügbaren Restpartien bis zu 310 €/t. Mit dem Brand der Mannheimer Ölmühle hat sich die derzeit angespannte Versorgungslage durch frei werdende eingelagerte Mengen dieser Mühle etwas entspannt. Auf der anderen Seite sorgen die Produktionsausfälle im Rapsschrotbereich wieder für positive Impulse.
Nach dem Auslaufen des Maikontraktes steht jetzt die heranwachsende Ernte mehr im Fokus des Marktgeschehens. Die Notierung des August-termins bildet dazu die Basis. Weiterhin kann sich die Notierung oberhalb von 300 €/t halten. Ein Niveau, das von vielen Marktbeteiligten so nicht erwartet worden war. So wird vielfach auf das sonst übliche Verhältnis von zwei zu eins zwischen Raps zu Weizen verwiesen. Derzeit hat sich eine Relation von 2,3 zu eins eingestellt. Der Weizen wird von vielen als unterbewertet angesehen, ein wenig hat sich der Kurs in den vorigen Wochen nach oben bewegt. Die wiederum weltweit hohe Ernteerwartung beim Weizen erschwert aber den weiteren Preisanstieg.
Beim Raps sorgt dagegen die Ernteerwartung von knapp über 20 Mio. t in der EU für ein vergleichsweise stabiles und festes Preisniveau. Bei Verarbeitungskapazitäten um die 23 Mio. t  ist die EU auf Importe angewiesen. Dabei stellt sich in diesem Jahr die Nachhaltigkeitsverordnung als Einschränkung dar. Ab dem 1.7.2010 sollte für die Verarbeitung des Rapses als Nachwachsender Rohstoff wie beispielsweise im Bereich der Biodieselproduktion ein Nachhaltigkeitszertifikat gefordert werden. In der vergangenen Woche wurde der Zeitpunkt auf den 1.1.2011 verschoben. Dieses Zertifikat, das der Landwirt per Erklärung abgibt, ist erforderlich, um nicht die Steuerbegünstigung zu verlieren. Übrigens hat es in diesem Bereich jetzt endlich eine Klärung gegeben. So ist jetzt der Steuersatz von 18,6 ct/l von der EU-Kommission über die Notifizierung des Wachstumsbeschleunigungsgesetzes für Reinkraftstoff genehmigt worden. Dieser Steuersatz gilt rückwirkend ab dem 1.1.2010.
Unsicher bleibt aber weiter, wie mit der Nachhaltigkeitsverordnung umgegangen werden soll. Hierzulande gibt es auf der Erzeugerebene keine Probleme. Im weiteren Verlauf der Verarbeitungskette sind Zertifizierungen erforderlich; es bleibt abzuwarten, ob diese trotz der Verschiebung noch rechtzeitig umgesetzt werden können. Das größte Problem dürfte wohl aber der Importbereich darstellen. Insbesondere die Ukraine hat sich besorgt darüber geäußert. Zwar sieht man aufgrund der Auswinterung nur einer Ernte von 1,65 Mio. t (minus 0,16 Mio. t gegenüber dem Vorjahr) entgegen, der Export von geschätzten 1,48 Mio. t sucht aber weiter einen Abnehmer. In der Vergangenheit war es überwiegend die EU, insbesondere Deutschland. Bereits angestrebte bilaterale Abkommen sind bislang nicht zum Abschluss gekommen. Es bleibt abzuwarten, ob durch die Verschiebung der Einführung die Import- beziehungsweise Exportproblematik gelöst werden kann. Sollte die Umsetzung der Nachhaltigkeitsverordnung aber weiter mit Problemen zu kämpfen haben, ist eine Spaltung des Marktes nicht auszuschließen, was dann weitere Folgeprobleme nach sich ziehen dürfte. Bislang kann der EU-Raps noch von der Nachhaltigkeitsverordnung, auch trotz der Verschiebung profitieren. Die kurzfristig doch noch durchgeführte Verschiebung zeigt aber auch, wie zuverlässig Verordnungen sind.
Darüber hinaus sorgen die Sojakurse in Chicago sowie die Mineralölkurse weiter für Überraschungen und mögliche Kursänderungen. Viele Erzeuger haben das damit verbundene Risiko bereits durch den Abschluss von Vorkontrakten für Teilmengen reduziert. Im Westen sollen bereits 30 % und im Osten des Bundesgebietes 50 % der Ernte vorverkauft worden sein. Bei den weiterhin im Markt gegebenen Unsicherheiten sollte über weitere Abschlüsse von Teilmengen nachgedacht werden. 

Bernd Irps, LK-Markt

 


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